Dominic Nyhuis
Politikwissenschaftler am Institut für Politikwissenschaft der Leibniz Universität Hannover

Über die Quelle
Dominic Nyhuis ist Professor am Institut für Politikwissenschaft der Leibniz Universität Hannover, wo er den Arbeitsbereich Quantitative Methoden der Politikwissenschaft leitet und dem Institutsvorstand angehört.
Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf dem deutschen Wahlrecht, insbesondere auf der Briefwahl. In mehreren begutachteten Studien hat er Schwachstellen des Verfahrens untersucht: Laut seiner 2021 in der "Politischen Vierteljahresschrift" veröffentlichten Studie "Bequem, aber fehleranfällig: Die Dunkelziffer ungewerteter Briefwahlstimmen" bleiben zwischen 3,2 und 4,0 Prozent der per Post abgegebenen Stimmen ungewertet, deutlich mehr als bei der Urnenwahl. In der "Zeitschrift für Parlamentsfragen" schlug er 2022 mit "Defizite bei der Briefwahl in Deutschland und fünf Vorschläge zur Abhilfe" konkrete Reformen vor. Eine gemeinsam mit Morten Harmening und Tilko Swalve verfasste Studie in der "Swiss Political Science Review" (2024) zeigt, dass Formfehler bei der Briefwahl sozial ungleich verteilt sind und die Wahlteilnahme benachteiligter Gruppen zusätzlich erschweren. Bereits 2020 untersuchte er in der "Politischen Vierteljahresschrift" ("Stimmzettel nutzerfreundlicher gestalten"), wie sich das Design von Stimmzetteln auf Wählerpräferenzen auswirkt, und 2026 erschien mit Felix Münchow im "Journal of Elections, Public Opinion and Parties" eine Studie zu Wählerpräferenzen bei der praktischen Ausgestaltung von Briefwahlunterlagen.
Wichtig für die Einordnung: Nyhuis' fachliche Kritik an der Briefwahl richtet sich auf die Verfahrensqualität, also auf Formfehler, ungewertete Stimmen und die daraus resultierende soziale Selektivität, nicht auf Manipulation oder Wahlbetrug. Das unterscheidet seine Forschung grundlegend von Behauptungen, die Briefwahl werde gezielt zugunsten einzelner Parteien manipuliert.
Links
- https://www.ipw.uni-hannover.de/de/institut/personenverzeichnis/dominic-nyhuis
- https://www.ipw.uni-hannover.de/forschung/quantitative-methoden-der-politikwissenschaft/publikationen
Faktenfackel Bewertung
Nyhuis ist mit mehreren begutachteten Fachpublikationen speziell zur Briefwahl einer der in Deutschland einschlägigsten Wahlforscher zu diesem Thema. Seine Arbeiten sind methodisch fundiert und richten sich an Fachpublikum und Wahlrechtsreform, nicht an ein politisches Lager. Weil seine Kritik an der Briefwahl (Formfehler, ungewertete Stimmen, soziale Selektivität) oberflächlich ähnlich klingt wie Manipulationsvorwürfe, wird sie gelegentlich von Portalen, die Wahlbetrug behaupten, als vermeintliche Bestätigung zitiert. Inhaltlich trägt sie diese These nicht: Nyhuis' Befunde betreffen die Umsetzung des Verfahrens, nicht dessen Integrität.
Fazit
Dominic Nyhuis ist eine fachlich ausgewiesene, zitierfähige Quelle zur Briefwahl in Deutschland. Seine Forschung zu Formfehlern und sozialer Selektivität ist von Manipulationsbehauptungen klar zu unterscheiden und darf nicht als deren Bestätigung gelesen werden.