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Stand: 28.03.2026

Mai Thi Nguyen-Kim über den Trugschluss Migration und Kriminalität

Wahr

Link Beschreibung

Ausschnitt aus Mai Thi Nguyen-Kims Sendung "MaiThink X". Kernthese: Die statistische Überrepräsentation von Ausländern in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) erklärt sich durch einen Störfaktor (Confounder), nicht durch eine höhere Kriminalitätsneigung aufgrund der Herkunft.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Das Reel zitiert eine Studie des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, die Mai Thi dem ifo-Forscher Joop Adema zuschreibt (veröffentlicht am 18.02.2025). Die zentrale Aussage des ifo-Befunds, wie im Reel zitiert:

"Die Annahme, dass Ausländer oder Schutzsuchende eine höhere Kriminalitätsneigung besitzen als demografisch vergleichbare Einheimische, ist nicht haltbar."

Das ifo-Institut analysiert demnach die PKS-Daten und weitere regionale Statistiken und identifiziert einen bislang übersehenen Risikofaktor: Migranten ziehen überproportional häufig in Ballungsräume, und in Ballungsräumen ist das allgemeine Kriminalitätsrisiko generell höher, für alle dort lebenden Gruppen.

Die entscheidende Frage, die das ifo dann stellt (und im Reel explizit formuliert wird), lautet: Werden Ballungsräume krimineller durch Migranten, oder werden Migranten krimineller durch Ballungsräume? Die Antwort der Studie: Das regionale Kriminalitätsniveau verändert sich nicht, wenn der Ausländeranteil in einem Ballungsraum steigt. Der Wohnort selbst ist der Risikofaktor, nicht die Herkunft der Bewohner.

Das ist klassische Confounder-Analyse: Wer den Effekt "Ausländeranteil" auf Kriminalität misst, ohne für urbane Wohnlage zu kontrollieren, misst in Wirklichkeit den Stadteffekt, und schreibt ihn fälschlich der Herkunftsgruppe zu.

Mai Thi räumt dabei explizit ein: "Ja, Migrantinnen sind überrepräsentiert bei Gewalttaten." Die Überrepräsentation in der Statistik ist real. Sie erklärt jedoch, dass die Ursache dafür strukturell ist: Migranten leben in Deutschland häufiger unter Bedingungen (Armut, Enge, Perspektivlosigkeit in urbanen Milieus), die das Kriminalitätsrisiko erhöhen, und diese Bedingungen erhöhen das Risiko für alle, die unter ihnen leben.

Fazit

Das statistische Argument ist wissenschaftlich solide und entspricht dem Forschungsstand der Kriminologie: Herkunft ist kein unabhängiger Prädiktor für Kriminalität, wenn für sozioökonomische und regionale Faktoren kontrolliert wird. Die ifo-Studie liefert eine aktuelle quantitative Bestätigung für den deutschsprachigen Kontext. Der Clip kommuniziert einen komplexen methodischen Sachverhalt verständlich und korrekt. Der Vorwurf des "Trugschlusses" gegen vereinfachende PKS-Interpretationen ist berechtigt.

Verwendungen

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