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Stand: 05.01.2026

Rentensystem in der Krise

Was ist passiert?

Deutschland hat ein Problem, es gibt zu wenig Nachwuchs, um die bald frei werdenden Stellen zu besetzen, denn viele Menschen gehen bald in Rente.

Jetzt zahlen ca. 2 Arbeitnehmer schon für einen Rentner, es aren mal 7 Arbeitnehmer pro Rentner. Der Zuschuss zur Rentenkasse ist der größte Block im Bundeshaushalt. 2025 wird der Zuschuss zur Rentenkasse betragen.

Faktencheck

Es gibt mehrere Aspekte, die auf dieses Problem einzahlen. Das ist die Geburtenrate, Sterberate und Zuwanderung. Dazu kommt noch das Problem, wer in die Rente einzahlt.

Geburten

Seit Jahrzehnten ist absehbar, dass es zu wenig Nachwuchs im Vergleich zur immer älter werdenden Bevölkerung in Deutschland gibt.

Hinweis
Die Formulierungen in diesem Abschnitt fokussieren sich auf die Statistiken und es ist nicht das Ziel oder die Absicht, Frauen damit auf "Gebärmaschinen" zu reduzieren. Für eine gesamtgesellschaftliche Betrachtung sind diese Betrachtungen aber notwendig.

Zur Illustration:
Man sieht gut, an der grünen Linie, dass es einen großen Überhang an Menschen jenseits der 54 Jahre gibt.

Eine "gesunde Verteilung" hätte konstant den Schwerpunkt im Bereich zwischen 20 und 40, sodass diese zum einen arbeiten und weiter Nachwuchs "produzieren" können. Das wäre der Idealfall, um das in Deutschland etablierte Rentensystem aufrechtzuerhalten, in dem die arbeitende Bevölkerung die Mehrheit der aktuellen Renten bezahlt.

Also, wenn die Altersverteilung immer eher die Form einer dickbäuchigen Vase hätte, dann wären genug Arbeitnehmer da, die die Renten überwiegend aus den laufenden Gehaltsabgaben zu finanzieren. Für eine relativ stabile Finanzierung wären mindestens 3-4 Arbeitnehmer pro Rentner notwendig. Das würde nur klappen mit hoher Sterblichkeit im frühen Rentenalter oder mit konstant wachsender Bevölkerung. Beides keine realistischen oder positiven Perspektiven.

Aber in der Vergangenheit wurde es immer unattraktiver für Menschen, Kinder zu kriegen, denn die Zahl der geborenen Kinder sinkt abgesehen von kleineren Spitzen seit Jahrzehnten. Es gibt nicht den einzelnen Grund für den Rückgang. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat .

Die absolute Anzahl der Geburten insgesamt ist im Trend stark rückläufig

Die Geburtenrate pro 1000 Einwohner ist etwas aussagekräftiger, weil hier das Bevölkerungswachstum mit einfließt. Aber auch hier ist der bereinigte Trend stark rückläufig.

In den 60'ern lag die Geburtenrate pro Frau bei 2,6, es gab also ein starkes Bevölkerungswachstum, weil 2 Menschen 2,6 neue Menschen in die Welt gebracht haben. Das ist die Babyboomer Generation, die bald in Rente geht. Aktuell ist der Faktor bei 1,31, also pro Familie mit 2 Personen verliert die Nachfolgeneneration 0,7 Menschen. Der Trend schwankt leicht, ist aber seit den 70'ern deutlich unter 2. Also wäre dort schon Aktionsbedarf gegeben gewesen, den Schnitt bei mindestens 2 zu halten, damit die Alterspyramide einigermaßen stabil bleiben kann. Das ist leider ausgeblieben und ist bis jetzt nicht erfolgreich gelöst worden.

Die positiven Zuwächse kommen im Wesentlichen von Migranten, die im Schnitt eine höhere Geburtenrate pro Frau haben, aktuell liegt der Wert da bei 1,88 Kindern pro Frau. Das reicht nicht aus, ist aber wesentlich besser für die Altersstruktur als die Rate der "einheimischen" Frauen. Dazu kommt, dass Migranten oft im arbeitsfähigen Alter ins Land kommen und so die Zahl der Beitragszahler erhöhen könnten, wenn man sie nicht aktiv an der Arbeit hindern würde.

Sterberate

Es ist nicht nur so, dass die Geburtenrate konstant niedrig ist, die Menschen werden durch die Verbesserungen in der Medizin . Das ist grundsätzlich eine gute Sache, aber es verschärft das Problem der Alterspyramide zusätzlich.

Als die Babyboomer geboren wurden, lag die Lebenserwartung bei ca. 63 Jahren, jetzt ist die Lebenserwartung im Schnitt bei 79 Jahren, wobei Frauen ca. 6–7 Jahre älter werden. Die Tendenz ist .

Das Renteneintrittsalter ist nicht in gleichem Maße gestiegen. Das liegt aber nicht nur an Klientelpolitik, denn auch wenn Menschen älter werden, lassen sich viele Arbeiten nicht mehr sinnvoll ausüben ab einem gewissen Alter. Daher ist eine des Renteneintrittsalters .

Beitragszahler pro Rentner

Wie eingangs bereits geschrieben, haben wir aktuell ca. 2 Arbeitnehmer pro Rentner. Das war in der Vergangenheit anders.


Da aktuell mit ca. 67 Jahren die Menschen in der Regel in Rente gehen, bedeutet dies, dass auf einmal ein großer Block an Menschen aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden und dann vom Rentensystem getragen wird. Der Faktor Beitragszahler pro Rentner wird also unter 1 sinken. Also ein Arbeitnehmer muss mehr als eine Rente finanzieren.

Da Arbeitnehmer diese Kosten jetzt schon nicht komplett stemmen können, muss der Rententopf noch mehr aus dem laufenden Haushalt subventioniert werden. Diese Subvention wird noch ca. 20 Jahre konstant steigen müssen, bis die Babyboomer Generation langsam "aus der Rente ausscheiden wird". Wenn keine neue Babyboomer-Generation kommen wird, bleibt das Problem allerdings bestehen, weil es nie mehr, mehr Rentner als Arbeitnehmer geben wird, da die Menschen zu wenig Nachwuchs bekommen.

Eine Finanzierung der aktuellen Rentner und der kommenden Rentnergeneration wird eine Herausforderung, die mutige politische Entscheidungen erfordert. Entweder man belastet die niedrigen Einkommen weiter und unterstützt die Armut der Bevölkerung oder die breiten Schultern der Hochverdiener werden gefordert.

Wer zahlt in die Rentenkasse ein?

Sozialpflichtig beschäftige Menschen zahlen in die Rentenkasse ein. Das sind in der Regel Arbeitnehmer, aber auch Selbständige können freiwillig einzahlen. Beamte zahlen nicht in die Rentenkasse ein, sondern bekommen eine Pension aus dem Staatshaushalt.

Warum zahlen Beamten nicht ein?

Beamte sind in Deutschland in der Regel auf Lebenszeit angestellt und haben einen besonderen Status. Sie zahlen nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein, weil sie Anspruch auf eine staatliche Pension haben, die direkt aus dem Staatshaushalt finanziert wird. Diese Pension soll den Beamten eine finanzielle Sicherheit im Ruhestand bieten, ähnlich wie die Rentenversicherung für Arbeitnehmer.

Es gab die Forderung, dass Beamte auch in die Rentenkassen einzahlen sollten, um die Lasten gerechter zu verteilen. Das ist aber finanziell nicht sinnvoll, denn die Beamten müssten auch ihre Pensionen aus der Rentenkasse bekommen, was die Rentenkasse zusätzlich belasten würde. Dazu kommt, dass Beamte im Schnitt älter werden als abhängige Beschäftigte. Das würde also bedeuten, dass durch die Beamten das Rentensystem einfach . Ja, die Beamten kriegen ohnehin irgendwann ihre Pension, aber durch den Wechsel auf die Rentenkasse würden sich jetzt Kosten in Milliardenhöhe ergeben, die das System zum jetzigen Zeitpunkt zusätzlich stark belasten würden.

Es gibt auch Vorschläge, ein System, wie in , wo Beamte in die Rentenkasse einzahlen, aber im Gegenzug eine niedrigere Pension bekommen. Das würde aber nur kurzfristig helfen, denn das Grundproblem der Alterspyramide bleibt bestehen. Dazu ist fraglich, ob es rechtlich aktuell so einfach möglich ist, da den Beamten nicht einfach hohe neue Kosten "aufgebürdet" werden können, da es faktisch eine Gehaltskürzung wäre.

Selbständige

Viele Selbständige zahlen nicht in die Rentenkasse ein (), weil sie es sich nicht leisten können oder wollen. Das führt dazu, dass ein großer Teil der arbeitenden Bevölkerung, der , nicht in die Rentenkasse einzahlt, was das System zusätzlich belastet.

Es gibt Vorschläge, dass Selbständige verpflichtet werden sollten, in die Rentenkasse einzuzahlen, um die Lasten gerechter zu verteilen. Das wird von Verbänden und Betroffenen abgelehnt, denn es würde aber viele Selbständige finanziell stark belasten und könnte dazu führen, dass viele Selbständige ihre Tätigkeit aufgeben müssten.

Da die Beiträge aber relativ zum Einkommen sind, ist das Argument aber nicht stichhaltig und Härten am unteren Rand könnten durch Freibeträge für alle Einzahlenden abgefedert werden. Das würde gleichzeitig die untersten Einkommensschichten entlasten, die auf jeden Euro angewiesen sind.

Zuwanderung

Zuwanderung gleicht schon jetzt leicht die Schieflage der Geburtenrate aus, indem arbeitsfähige Menschen ins Land kommen, arbeiten und auch noch mit höherer Wahrscheinlichkeit Kinder bekommen.

Diese Grafik hatten wir oben bereits:


Man sieht, dass durch Zuwanderung die ungünstige Altersverteilung leicht ausgeglichen wird. Für eine gesunde Altersverteilung wäre mindestens die doppelte Menge an Migranten nötig, die bei der Eingliederung in die Gesellschaft und das Arbeitsleben aktiv unterstützt werden müssten, um die freien und bald frei werdenden Arbeitsplätze zu besetzen. Diese Arbeitsplätze sind jetzt schon in allen Bereichen und Qualifizierungsstufen und mit der Verrentnungswelle wird das ein echtes Problem für die Firmen, wenn keine Strategien vorbereitet werden, wie diese Lücken geschlossen werden können.

Fazit

Das aktuelle Rentensystem ist nicht mit der aktuellen Bevölkerungsentwicklung vereinbar. Die Bevölkerung schrumpft jedes Jahr ohne weitere Zuwanderung, und das Wirtschaftssystem der Nachkriegsgeneration ist auf konstantes Wachstum ausgelegt. Ein Zusammenbruch des Systems ist daher vorprogrammiert, wenn nicht bald stark gegengesteuert wird.

Es wäre wichtig, die Finanzierung von Gehältern der Arbeitnehmer zu entkoppeln, da ohnehin ein Großteil der Rente durch allgemeine Steuermittel finanziert werden wird. Der Rentenbeitrag kann einfach Teil der regulären Steuern werden und die Renten werden dann komplett aus dem Haushalt finanziert. Das wäre wenigstens ehrlich und würde die Renten an die komplette wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes koppeln.

Aber auch eine Finanzierung durch höhere Abgaben der Großverdiener wird nur kurzfristig helfen, denn der Arbeitsmarkt und die deutsche Wirtschaft wird mangels Arbeitskräften schrumpfen, wenn es keine ordentliche Strategie zur Anwerbung und Integration von Migranten geben wird.

Langfristig muss die Geburtenrate wieder auf mind. 2,1 Kinder pro Frau steigen, damit die Alterspyramide wieder einigermaßen stabilisiert wird. Das erfordert mutige gesellschaftliche Entscheidungen, die Familien mit Kindern besser unterstützen und fördern. Ohne eine solche Strategie wird das Rentensystem in Deutschland nachhaltig kollabieren.