Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
Berliner Theater am Rosa-Luxemburg-Platz, seit August 2026 unter Intendant Matthias Lilienthal, Trägerschaft Land Berlin.

Über die Quelle
Die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz ist ein landeseigenes Theater in Berlin-Mitte, dessen Gebäude 1913/14 von Oskar Kaufmann errichtet und aus Spenden der Arbeiterschaft ("Arbeitergroschen") mitfinanziert wurde. Die Eröffnung fand am 30. Dezember 1914 statt, ursprünglich als "Volksbühne Theater am Bülowplatz". Namensgebend war die 1890 gegründete Vereinsbewegung "Freie Volksbühne", die Arbeiterinnen und Arbeitern günstigen Zugang zu Theateraufführungen verschaffen wollte. Nach schweren Kriegszerstörungen wurde das Haus 1952 bis 1954 unter Leitung des Architekten Hans Richter wiederaufgebaut und am 21. April 1954 mit Schillers "Wilhelm Tell" neu eröffnet.
Träger des Hauses ist das Land Berlin. Nach eigenem Impressum ist die Volksbühne eine "nichtrechtsfähige Anstalt des Landes Berlin" (Impressum der Volksbühne); zuständig ist die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Intendanzen
Prägend war in der Weimarer Zeit Erwin Piscator, der von 1924 bis 1927 als Oberspielleiter unter Intendant Fritz Holl arbeitete und mit politischem Theater und experimenteller Bühnentechnik internationale Beachtung fand. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau folgten mehrere DDR-Intendanten, bevor mit Frank Castorf (1992 bis 2017) eine 25-jährige Ära begann, die das Haus zu einem der international bekanntesten Theater Europas machte und mehrfach als "Theater des Jahres" ausgezeichnet wurde.
Die Intendanz von Chris Dercon (2017/18) war von Beginn an hoch umstritten: Nach seinem Amtsantritt im Sommer 2017 kam es zu Protesten, im September 2017 besetzte das Kollektiv "Staub zu Glitzer" das Haus und forderte unter anderem die Rückbenennung des Platzes. Dercon trat im April 2018 mit sofortiger Wirkung zurück. Es folgte eine Übergangsintendanz unter Klaus Dörr (2018 bis 2021), danach René Pollesch (2021 bis 2024), der im Februar 2024 unerwartet verstarb.
Seit dem 1. August 2026 ist Matthias Lilienthal Intendant der Volksbühne. Seine Berufung wurde am 7. Februar 2025 von der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt unter dem damaligen Senator Joe Chialo bekanntgegeben, dem Dienstvertrag stimmte der Berliner Senat am 17. Juni 2025 auf Vorlage von Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson zu (Berlin.de: Matthias Lilienthal wird Intendant der Volksbühne (07.02.2025), Berlin.de: Senat stimmt Dienstvertrag mit Matthias Lilienthal als Intendant der Volksbühne zu (17.06.2025)). Lilienthal war bereits unter Castorf als Dramaturg an der Volksbühne tätig und leitete zuvor das HAU Hebbel am Ufer (2003 bis 2012) sowie die Münchner Kammerspiele (2015 bis 2020). Beratend zur Seite steht ihm ein Artistic Board aus den Choreografinnen Florentina Holzinger und Marlene Monteiro Freitas.
Rolle im Berliner Kulturbetrieb
Als eines der großen Sprechtheater Berlins in öffentlicher Trägerschaft gilt die Volksbühne traditionell als Ort für politisches und experimentelles Theater und ist regelmäßig Gegenstand überregionaler Kulturberichterstattung, insbesondere bei Intendantenwechseln.
Kontroverse um das "Volksbad" (August 2026)
Seit dem 7. August 2026 steht vor dem Theater als Kunstinstallation ein kostenloses Freibad ("Volksbad"), das bis Anfang Oktober bleiben soll und an bestimmten Tagen einzelnen Vereinen exklusiv zur Nutzung reserviert wird. Für Freitag, den 14. August 2026, war eine exklusive Nutzung durch Each One Teach One (EOTO) e. V. für ein Ferienprogramm Schwarzer Kinder und Jugendlicher vorgesehen. Das Format wurde öffentlich kritisiert, AfD-Chefin Alice Weidel verglich die Reservierung mit "Apartheid". EOTO erhielt nach eigenen Angaben rassistische Droh-E-Mails und Gewaltandrohungen. Die Volksbühne sagte die Veranstaltung daraufhin wegen Sicherheitsbedenken ab: Intendant Lilienthal erklärte, eine sichere An- und Abreise der angemeldeten Besucher habe nicht mehr gewährleistet werden können (Tagesspiegel: "Sicherheitsbedenken nach rassistischer Hetze": Berliner Volksbühne sagt Schwimmen für Schwarze Kinder und Jugendliche ab (13.08.2026), taz: Volksbad in Berlin: Veranstaltung wegen Sicherheitsbedenken abgesagt (13.08.2026)). Die Volksbühne erklärte, weiterhin "positive Maßnahmen für strukturell benachteiligte Menschen" anbieten und die Zusammenarbeit mit EOTO fortsetzen zu wollen (Stellungnahme der Volksbühne).
Links
- Offizielle Website
- Wikipedia: Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
- Berlin.de: Matthias Lilienthal wird Intendant der Volksbühne (07.02.2025)
- Berlin.de: Senat stimmt Dienstvertrag mit Matthias Lilienthal zu (17.06.2025)
Faktenfackel Bewertung
Die Volksbühne ist ein öffentlich getragenes Theater des Landes Berlin mit über hundertjähriger Geschichte und dementsprechend hoher institutioneller Verlässlichkeit. Die Angabe, Matthias Lilienthal sei aktuell Intendant, ließ sich anhand von zwei offiziellen Pressemitteilungen der zuständigen Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt bestätigen: Die Berufung wurde im Februar 2025 bekanntgegeben, der Dienstvertrag im Juni 2025 vom Senat gebilligt, Amtsantritt war der 1. August 2026.
Der Konflikt um das "Volksbad" im August 2026 zeigt das Theater in seiner Rolle als politisch positionierter Kulturbetrieb: Die Absage der EOTO-Veranstaltung erfolgte nach Angaben der Volksbühne aus Sicherheitsgründen wegen rassistischer Drohungen, nicht aus inhaltlicher Distanzierung vom Konzept. Rechtlich beruft sich das Haus auf Paragraf 5 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) und Paragraf 5 Absatz 2 des Berliner Landesantidiskriminierungsgesetzes (LADG), gestützt auf eine Einschätzung der LADG-Ombudsstelle (Stellungnahme der Volksbühne); ob die konkrete Reservierung davon gedeckt ist, ist rechtlich nicht abschließend geklärt, und Faktenfackel entscheidet diese Frage nicht. Kritik an dem Konzept als solchem ist davon unabhängig legitime politische Auseinandersetzung. Die von rechter Seite verbreitete Zuspitzung zum Vorwurf der "Apartheid" bleibt davon zu unterscheiden: Sie ist eine politische Kampfvokabel und keine sachliche Beschreibung einer zeitlich begrenzten Maßnahme. Eine ausführliche Einordnung dokumentiert der zugehörige Quellenlink.
Fazit
Die Volksbühne ist ein etabliertes, transparent von der öffentlichen Hand getragenes Theater. Die Personalie Lilienthal ist durch offizielle Senatsquellen belegt, aktuelle Kontroversen wie der Volksbad-Streit sind durch überregionale Qualitätsmedien nachvollziehbar dokumentiert.