Each One Teach One (EOTO) e. V.
Berliner Bildungs- und Empowerment-Verein für Schwarze, afrikanische und afrodiasporische Menschen, Träger von Berlins erstem Black Communities Center.

Über die Quelle
Each One Teach One (EOTO) e. V. ist ein 2012 in Berlin gegründeter, eingetragener Verein (Amtsgericht Charlottenburg, VR 31576B, Impressum). Er versteht sich als community-basierte Bildungs- und Empowerment-Organisation für Schwarze, afrikanische und afrodiasporische Menschen in Deutschland und Europa. Seine Wurzeln reichen in die 1970er Jahre zurück: Die afrodeutsche Aktivistin Vera Heyer begann damals, Werke afrodiasporischer Literatur, Philosophie und Kultur zu sammeln. Auf ihrer Sammlung basiert das Vera-Heyer-Archiv, das EOTO seit März 2014 als Kiez-Bibliothek im Berliner Afrikanischen Viertel (Wedding) betreibt; der Bestand umfasst nach Angaben des Vereins rund 8.500 Bücher und Zeitdokumente (EOTO: Über uns). In derselben Bibliothek verwahrt EOTO zusätzlich das Sankofa BRD/Sankofa DDR Archiv, eine eigenständige Sammlung von Primärquellen zur Schwarzen deutschen Geschichte rund um die Wendezeit (EOTO: Literatur und Kultur).
Vorstand des Vereins sind Daniel Gyamerah und Susanna Steinbach, die operative Geschäftsführung liegt bei Nadja Ofuatey-Alazard, Maithy Mouné und Lina Mitschke (EOTO: Kontakt).
Arbeitsschwerpunkte
EOTO wird nach eigenen Angaben seit Juli 2017 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Bundesprogramm "Demokratie leben!" als Träger für Rassismusprävention und Empowerment Schwarzer Menschen gefördert (EOTO: Kooperationen). Die Arbeit gliedert sich in mehrere Bereiche:
- Antidiskriminierungs- und Sozialberatung über das Projekt "EACH ONE Antidiskriminierung": Erstberatung und Weitervermittlung bei Diskriminierungsfällen, eine Meldeplattform sowie ein jährlicher Monitoring-Bericht zu Anti-Schwarzem Rassismus in Berlin (der Bericht für 2025 dokumentiert nach Angaben des Projekts 500 Fälle rassistischer Diskriminierung und Gewalt, EACH ONE Antidiskriminierung).
- Bibliotheks- und Archivarbeit rund um das Vera-Heyer-Archiv.
- Jugendarbeit und Empowerment, unter anderem über "EOTO Black Youth" und regelmäßige Veranstaltungsformate für Jugendliche.
- Kulturelle Veranstaltungen wie das AFROLUTION-Literaturfestival.
- Forschung: EOTO führte 2020 gemeinsam mit Citizens For Europe den #Afrozensus durch, nach eigener Darstellung die erste umfassende Studie zu Lebensrealitäten, Diskriminierungserfahrungen und Perspektiven Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Menschen in Deutschland; an der Online-Erhebung zwischen Juli und September 2020 nahmen rund 6.000 Personen teil (Afrozensus). Wissenschaftlich begleitet wurde die von 2019 bis 2021 von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes geförderte Studie von der Alice Salomon Hochschule und dem Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) (Afrozensus: Über den Afrozensus).
Förderstruktur
Zu den Hauptförderern (jeweils über 10 Prozent des Jahresbudgets) zählen laut eigenen Transparenzangaben das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie sowie die Open Society Foundations. EOTO hat sich der freiwilligen Selbstverpflichtung der Initiative Transparente Zivilgesellschaft angeschlossen und veröffentlicht Tätigkeitsberichte und Finanzunterlagen (Transparenzangaben EOTO).
Black Communities Center
Am 6. Mai 2026 eröffnete Berlins Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, Cansel Kızıltepe, in Berlin-Wedding das "CUZ Community Zentrum für Schwarze, afrikanische und afrodiasporische Menschen", nach Angaben ihrer Verwaltung das erste Black Communities Center Berlins und ein "deutschlandweit einmaliger Ort". Betreiber ist EOTO. Das dreistöckige Gebäude wurde im November 2025 angekauft, die Kosten liegen bei 10,5 Millionen Euro aus Mitteln des Landes Berlin, des Bundes und der Lotto-Stiftung Berlin (Pressemitteilung der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, 06.05.2026). Wie viel davon auf Bund und Land entfällt, nennt die Pressemitteilung nicht. Nach Angaben der EOTO-Geschäftsführung laufen über die kommenden Jahre noch bauliche Maßnahmen, ehe das Zentrum vollumfänglich in Betrieb genommen werden kann.
Kontroverse um das "Volksbad" (August 2026)
Im August 2026 geriet EOTO in eine bundesweite Debatte: Ein für den 14. August 2026 geplantes, exklusiv für Schwarze Kinder und Jugendliche reserviertes Ferienprogramm an einem temporären Freibad vor der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz wurde abgesagt, nachdem das Format öffentlich kritisiert worden war und der Verein nach eigenen Angaben rassistische Droh-E-Mails und Gewaltandrohungen erhalten hatte. Ablauf, rechtliche Einordnung und politische Reaktionen dokumentiert der zugehörige Quellenlink ausführlich.
Links
Faktenfackel Bewertung
EOTO ist eine etablierte, seit 2012 bestehende zivilgesellschaftliche Organisation mit klar dokumentierter Förderstruktur (Bund, Land Berlin, Open Society Foundations) und einer freiwilligen Transparenzselbstverpflichtung. Die vom Verein mitgetragene Afrozensus-Studie wurde wissenschaftlich begleitet; das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) würdigt sie in seiner Auftaktstudie zum Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitor als "wichtige Pionierarbeit" (DeZIM: Rassistische Realitäten); auch die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt sie als "erste umfassende Studie" zum Thema mit breiter Rezeption in Medien, Politik und Verwaltung (bpb: Afrozensus). EOTO ist als eine der beiden Trägerorganisationen dabei selbst kein neutraler Akteur, sondern Interessenvertretung der befragten Gruppe, was bei der Einordnung von Studienergebnissen mitgedacht werden sollte.
Beim "Volksbad"-Streit spricht EOTO selbst von einer "gesetzlich verankerten positiven Maßnahme für strukturell benachteiligte Gruppen", ohne konkrete Paragrafen zu nennen (Statement von EOTO e. V., 13. August 2026). Die Rechtsgrundlage benennt die Volksbühne als Gastgeberin der Veranstaltung: Paragraf 5 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) und Paragraf 5 Absatz 2 des Berliner Landesantidiskriminierungsgesetzes (LADG) lassen eine unterschiedliche Behandlung zu, wenn dadurch bestehende Nachteile strukturell benachteiligter Personen verhindert oder ausgeglichen werden sollen (Gesetzestext, Paragraf 5 AGG). Dr. Doris Liebscher, Leiterin der LADG-Ombudsstelle bei der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, stützte diese Einschätzung öffentlich (Stellungnahme der Volksbühne). Dieselbe Senatsverwaltung zählt zu den Hauptförderern von EOTO (siehe Förderstruktur oben) und hat auch das Black Communities Center mitfinanziert, ein Umstand, der bei der Einordnung von Liebschers Einschätzung mitgedacht werden sollte. Ob die konkrete Reservierung im Einzelfall unter Paragraf 5 AGG fällt, ist rechtlich nicht abschließend geklärt; Faktenfackel entscheidet diese Rechtsfrage nicht. Kritik an dem Konzept als solchem ist davon unabhängig legitime politische Auseinandersetzung. Die Zuspitzung zum Vorwurf der "Apartheid" durch AfD-Chefin Alice Weidel ist demgegenüber eine politische Kampfvokabel und keine sachliche Beschreibung einer zeitlich und örtlich begrenzten Maßnahme.
Fazit
EOTO ist eine glaubwürdige, langjährig etablierte und öffentlich geförderte Bildungs- und Empowerment-Organisation mit nachvollziehbarer Förder- und Publikationsstruktur. Als Interessenvertretung der von ihr beschriebenen Gruppe sind ihre eigenen Aussagen bei kontroversen Fragen entsprechend einzuordnen, ihre faktischen Angaben zu Gründung, Struktur und Förderung sind aber durch offizielle Stellen und unabhängige Medien bestätigt.