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Stand: 12.08.2026

CORRECTIV: Foto von Voigt, Kretschmer und Schulze ist echt, nicht KI-generiert

Falsch

Link Beschreibung

Ein Pressefoto vom Treffen der CDU-Ministerpräsidenten Mario Voigt, Michael Kretschmer und Sven Schulze am Geiseltalsee wurde ab dem 4. August 2026 auf X und Facebook als KI-Fälschung bezeichnet, weil im Bild eine vermeintlich überzählige vierte Hand zu sehen ist. CORRECTIV zeigt: Das Foto entstand am 30. Juli 2026, aufgenommen von dpa-Fotograf Hendrik Schmidt, und die vierte Hand gehört Alexander Vogt, dem Oberbürgermeister von Halle, der sich spontan von der Seite in die Handschlagszene stellte.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Hendrik Schmidt fotografierte das Treffen am 30. Juli 2026 am Geiseltalsee, einem ehemaligen Braunkohletagebau im Saalekreis in Sachsen-Anhalt. Dort tauschten sich die drei Ministerpräsidenten laut einer Pressemitteilung des Landes Sachsen über den Strukturwandel im Mitteldeutschen Braunkohlerevier aus, in dessen Verlauf sie an diesem Tag auch Stationen in Naumburg, Bitterfeld-Wolfen und Leuna besuchten. CORRECTIVs eigener Faktencheck verortet den Geiseltalsee in der Zwischenüberschrift fälschlich in Sachsen ("Foto entstand am Geiseltalsee in Sachsen"). Die Kernaussage des Faktenchecks bleibt davon unberührt, der Fehler zeigt aber, wie leicht sich Sachsen und Sachsen-Anhalt im Mitteldeutschen Revier verwechseln lassen. In der Fotodatenbank Picture Alliance fanden sich weitere Aufnahmen desselben Fotografen vom selben Treffen. Sie zeigen, dass neben den drei Ministerpräsidenten auch Vogt und ein weiterer Teilnehmer namens Sven Czekalla anwesend waren. An der Kleidung lässt sich die vierte Hand zuordnen: Czekalla trug ein blau gemustertes Hemd, während die vierte Hand im viral gegangenen Foto zu einem weißen Hemd gehört, wie Vogt es trug.

Auf Anfrage von CORRECTIV bestätigte die dpa die Zuordnung wörtlich: "Es ist richtig, dass die vierte Hand dem Hallenser Oberbürgermeister Alexander Vogt gehört, der sich der Handschlagszene der drei Ministerpräsidenten spontan von der Seite anschloss." Zur Frage künstlich erzeugter Bilder erklärte die Agentur, Picture Alliance biete grundsätzlich keine KI-generierten oder modifizierten Bilder an, es sei denn, sie seien selbst Gegenstand der Berichterstattung und würden entsprechend gekennzeichnet.

Auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Stephan Protschka teilte das Foto laut CORRECTIV mit dem Hinweis, dass daran etwas nicht stimme. Die Ausgangspostings auf X und Facebook benennt CORRECTIV nicht namentlich. Auf die Frage, ob Protschka seinen Beitrag korrigieren oder einordnen wolle, äußerte sich sein Büro nicht dazu und teilte lediglich mit, es gehe nicht um die vierte Hand.

Der Fall kehrt das übliche Desinformationsmuster um. Sonst wird Erfundenes als echt ausgegeben, etwa in einem gefälschten Video im Layout der Deutschen Welle, das im August 2026 einen erfundenen Rücktritt von Bundeskanzler Friedrich Merz behauptete. Hier verläuft es umgekehrt: Ein echtes Foto wird als KI-Produkt denunziert. Diese Variante kommt ohne jeden Produktionsaufwand aus, sie braucht nur einen Bildausschnitt und den Reflex, dass etwas "komisch aussieht". Beide Muster untergraben am Ende dasselbe: das Vertrauen in dokumentarische Bilder und Videos. Wer einen unbelegten KI-Vorwurf gegen ein Foto prüfen will, kann in der Datenbank der zuständigen Bildagentur (hier Picture Alliance) nach dem Original und weiteren Aufnahmen derselben Szene suchen und den Fotografennamen recherchieren, statt sich auf den ersten Eindruck zu verlassen.

Getroffen hat der Vorwurf drei amtierende CDU-Ministerpräsidenten, und das gut vier Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026, bei der Schulze als Spitzenkandidat antritt.

Fazit

Das Foto ist echt: dpa hat die Herkunft der vierten Hand bestätigt, weitere Aufnahmen derselben Szene belegen die Anwesenheit von Vogt, und Picture Alliance schließt KI-generierte Bilder in ihrer Datenbank grundsätzlich aus. Der Vorfall zeigt, wie leicht sich echte Pressefotos mit dem bloßen Verweis auf vermeintliche KI-Artefakte in Zweifel ziehen lassen, ganz ohne eigenen Fälschungsaufwand.

Verwendungen

Weitere Quellenlinks