Link Beschreibung
Faktencheck von Mimikama vom 1. September 2026, Autorin Claudia Spiess, Urteil falsch. Auf Facebook kursiert eine Collage angeblicher Titelseiten von Bild, Welt, FAZ, Süddeutscher Zeitung und Tagesspiegel aus den Jahren 1975 bis 2003, die belegen soll, dass heutige Hitzewarnungen übertrieben sind. Der zugrunde liegende dpa-Faktencheck fragte bei Welt, FAZ, Süddeutscher Zeitung und Tagesspiegel direkt nach, keine Redaktion bestätigte die gezeigte Titelseite; bei der Bild-Ausgabe ergab bereits die Bilderrückwärtssuche eine Fälschung. Die FAZ vom 6. August 1983 etwa titelte tatsächlich "Blüm will die Schwarzarbeit bekämpfen", und Fotos auf der Titelseite druckte sie in den 1980er-Jahren nach eigenen Angaben ohnehin nicht.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Die Angabe zur FAZ lässt sich unabhängig nachprüfen: Die digitalisierte Originalseite der FAZ vom 6. August 1983 im FAZ-Archiv zeigt genau diese Schlagzeile als Aufmacher, daneben einen Bericht über die hessischen Grünen. Ein Foto findet sich auf der Seite nirgends, sie besteht komplett aus Fließtext und Kolumnentiteln. Von der behaupteten Hitze-Schlagzeile fehlt jede Spur.
Bei Welt, Süddeutscher Zeitung und Tagesspiegel bleibt es bei der Auskunft der Redaktionen an den dpa-Faktencheck: Die Welt fand in ihren digitalen Archiven keine Ausgabe mit dem Aufmacher "Dürresommer in Europa", auch die tatsächliche Ausgabe vom 28. Juli 1976 habe anders ausgesehen. Die Süddeutsche Zeitung erklärte, nie einen Artikel mit dem Titel "Einer der heißesten Sommer der Nachkriegszeit" gebracht zu haben; am angegebenen 18. Juli 1994 ging es auf der ersten Seite um Hilfsmaßnahmen für Flüchtlinge aus Ruanda. Der Tagesspiegel erklärte, am 15. August 2003 habe es weder diese Schlagzeile noch einen Text zu Dürre oder Hitze gegeben. Bei der angeblichen Bild-Ausgabe von 1975 gibt es immerhin einen echten Kern: Die Schlagzeile "37 Grad. Es bleibt so heiß" wurde damals tatsächlich veröffentlicht, allerdings in anderem Design und mit anderem Foto. Laut dpa-Faktencheck handelt es sich bei der kursierenden Version vermutlich um eine KI-generierte Verfremdung der Originalseite.
Der wahre Kern der Behauptung, dass es auch früher heiße Sommer gab, ändert an der Faktenlage zum Klimawandel nichts. Einzelne heiße Jahre sind Wetterereignisse, der Klimatrend zeigt sich erst in langen Messreihen. Nach Zahlen des Umweltbundesamts auf Basis von DWD-Daten lagen 2025 im Flächenmittel für Deutschland 11,1 Heiße Tage (Tagesmaximum ab 30 Grad) vor. Die zehn Jahre mit den meisten Heißen Tagen wurden alle seit 1994 registriert, mit Höchstwerten von 20,4 Tagen im Jahr 2018, 19,0 im Jahr 2003, 17,6 im Jahr 2015 und 17,3 im Jahr 2022. Der Trend seit Beginn der Aufzeichnungen ist laut Umweltbundesamt deutlich steigend; die deutschlandweite Jahresmitteltemperatur lag 2025 rund 1,8 Grad über dem Mittelwert der Referenzperiode 1961 bis 1990.
Alte Fotos oder Schlagzeilen als Gegenbeweis zum Klimawandel zu präsentieren, ist ein wiederkehrendes Muster. CORRECTIV widerlegte im August 2026 die Behauptung, eine historische Aufnahme von Niedrigwasser der Elbe aus dem Jahr 1904 belege, dass Dürre "schon immer" vorkam. Das Foto ist echt, widerlegt aber ebenso wenig den Klimatrend wie die vermeintlichen Zeitungstitel. Auch ein Fotovergleich eines Felsens am Bondi Beach in Sydney sollte einen unveränderten Meeresspiegel belegen und tat das ebenfalls nicht.
Fazit
Die Behauptung ist falsch. Keine der fünf gezeigten Zeitungsseiten ist eine echte Titelseite, wie die eigene Prüfung der FAZ-Ausgabe und die Anfragen der dpa bei den übrigen Redaktionen zeigen. Und selbst wenn frühere Hitzeperioden real waren, wie im Fall der Bild-Schlagzeile von 1975, widerlegt das nicht den langfristigen Erwärmungstrend, den amtliche Messreihen seit Jahrzehnten belegen.
