Link Beschreibung
Faktencheck von Mimikama vom 2. September 2026, Autor Tom Wannenmacher, Urteil falsch. Vier Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kursiert eine Grafik im Layout einer Sonntagsfrage, die die AfD bei 46 Prozent sieht und als Absender Insa und die Mitteldeutsche Zeitung nennt. Beide bestreiten die Erhebung, beide prüfen rechtliche Schritte. Echte Umfragen aus dem Zeitraum sahen die AfD zwischen 40 und 43 Prozent.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Die von Mimikama zitierten Vergleichswerte lassen sich an den Instituten selbst nachvollziehen. Der SachsenAnhaltTREND von Infratest dimap erhob am 24. und 25. August 2026 im Auftrag der ARD: AfD 42, CDU 22, Linke 11, SPD 8, Grüne 6, BSW 4 Prozent. Das ZDF-Politbarometer Extra I Sachsen-Anhalt der Forschungsgruppe Wahlen befragte vom 25. bis 27. August: AfD 40, CDU 23, Linke 13, SPD 9, Grüne 6, BSW 3 Prozent.
Die gefälschte Grafik kehrt ein Verhältnis um, das in keiner dieser beiden Erhebungen vorkommt: Sie zeigt die Grünen knapp unter, das BSW knapp über fünf Prozent. Tatsächlich lag das BSW in beiden Umfragen hinter den Grünen, nicht davor, und beide Parteien haben mit den echten Werten andere Chancen auf den Einzug in den Landtag als in der Fälschung dargestellt.
Am deutlichsten widerlegt Insa die Grafik mit eigenen Zahlen. Das Institut befragte laut wahlrecht.de im Auftrag von NIUS vom 26. August bis 1. September 2026, also über den behaupteten Stichtag hinweg, und veröffentlichte am 2. September: AfD 43, CDU 22, Linke 12, SPD 7, Grüne 5, BSW 4 Prozent. Auch dort liegen die Grünen vor dem BSW, und auch dort kommt die AfD nicht in die Nähe von 46 Prozent.
An einer echten Umfrage war die Mitteldeutsche Zeitung zuletzt am 30. Juli 2026 als Auftraggeberin beteiligt, befragt wurde laut derselben Übersicht vom 23. bis 28. Juli. Durchgeführt hat sie Infratest dimap im Auftrag von MDR, WDR, Mitteldeutscher Zeitung und Volksstimme, mit dem Ergebnis CDU 24, SPD 7, Grüne 5, Linke 13, AfD 41, BSW 4 Prozent. In der Übersicht von wahlrecht.de findet sich keine Insa-Umfrage im Auftrag der Mitteldeutschen Zeitung.
Ein dpa-Faktencheck vom 1. September 2026 bestätigt die Angaben von Mimikama: Insa erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur, es handle sich um eine Fälschung, und ein Prüfwerkzeug von OpenAI erkannte ein unsichtbares KI-Wasserzeichen in der Bilddatei. Insa-Chef Hermann Binkert wird in einem Bericht der Volksstimme, die zur selben Mediengruppe wie die Mitteldeutsche Zeitung gehört, mit den Worten zitiert, solche Desinformation "zerstöre letztlich die Glaubwürdigkeit von Umfrageinstituten und von Medien". Die Mitteldeutsche Zeitung positioniert sich im selben Bericht direkt: "Diese Umfrage ist eine Fälschung."
Gefälschte Sonntagsfragen wirken kurz vor einer Wahl besonders stark, weil sie sich als scheinbar neutrale Zahlen tarnen und in den letzten Tagen vor dem Urnengang kaum noch durch neue echte Erhebungen eingeholt werden können. In Sachsen-Anhalt wird am 6. September 2026 gewählt, wenige Tage nachdem die Grafik aufgetaucht ist. Ein KI-generiertes Bild im Layout und mit dem Wappen eines bekannten Absenders erzeugt zusätzlich einen Eindruck von Seriosität, den ein reiner Text nicht hätte.
Der Fall steht nicht allein: Am selben Tag deckte Mimikama in einem zweiten Faktencheck zur Landtagswahl ein manipuliertes Video auf, in dem der Musiker Campino angeblich für seine AfD-Kritik ausgebuht wurde. Schon im August 2026 kursierte zudem ein gefälschtes Video im Layout der Deutschen Welle, das einen angeblichen Rücktritt von Bundeskanzler Friedrich Merz vortäuschte, verbreitet über Facebook, X, Telegram und das Pravda-Netzwerk (wir haben den Fall damals eingeordnet). Wer hinter der Insa-Fälschung steckt, ist dagegen nach aktuellem Stand unbekannt, eine Zuordnung zu einem bestimmten Akteur oder Netzwerk lässt sich derzeit nicht belegen.
Fazit
Die Behauptung ist falsch, diese Umfrage hat es nie gegeben. Insa und die Mitteldeutsche Zeitung bestreiten sie übereinstimmend, und die echten Erhebungen dieser Wochen sehen die AfD zwischen 40 und 43 Prozent, keine bei 46. Insa selbst befragte über den behaupteten Stichtag hinweg und kam auf 43 Prozent, mit den Grünen vor dem BSW statt dahinter.
