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Stand: 30.10.2026

Erfundenes Merz-Zitat: Nord-Stream-Prozess sei "sinnlos"

Falsch

Link Beschreibung

Mimikama prüft ein Zitat, das Friedrich Merz zugeschrieben wird: Die Deutschen hätten der Ukraine die Sprengung von Nord Stream verziehen, der Prozess sei deshalb sinnlos. Verbreitet wurde es unter anderem vom X-Account @RealProstoSerge, eine Regierungssprecherin nannte es gegenüber dpa frei erfunden.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Der Hintergrund ist ein laufender Strafprozess. Laut dpa-Faktencheck: Merz-Kommentar zu Nord-Stream-Prozess ist frei erfunden (27. Oktober 2026) steht seit Mitte Oktober 2026 in Hamburg ein mutmaßlicher Beteiligter an der Sprengung der Pipelines Nord Stream 1 und 2 vor Gericht, der frühere ukrainische Offizier Serhij Kusnjezow. Die Detonationen fanden am 26. September 2022 statt. Am 27. Oktober 2026 bestätigte das Gericht, dass der Prozess weitergeht, die Verteidigung hatte eine Einstellung beantragt.

In sozialen Netzwerken kursiert dazu die Behauptung, Merz habe sich vor Journalisten geäußert: Er sehe "keinen Sinn" im Verfahren, da das deutsche Volk der Ukraine verziehen habe, und er könne das im Namen jedes Deutschen erklären. Dafür gibt es keinen Beleg. Eine Regierungssprecherin sagte gegenüber dpa, es handele sich "eindeutig um Desinformation", die Merz zugeschriebenen Aussagen seien "frei erfunden". Sie sollten Menschen "auf Grundlage falscher Tatsachenbehauptungen" verwirren oder verunsichern. Auch eine Suchmaschinen-Suche nach dem Zitat ergab laut dpa keine Treffer. Ein Video, ein Transkript oder ein Termin, bei dem Merz so etwas gesagt hätte, ist nicht bekannt.

Zur Verbreitung: Der russischsprachige X-Account @RealProstoSerge veröffentlichte die Behauptung nach Angaben von dpa am 17. Oktober 2026, daneben verbreitete sie ein Facebook-Beitrag. Mimikama hat eine gespiegelte Fassung des X-Posts gesichtet. Sie zeigt dasselbe Datum, schreibt Merz die Aussagen zu und nennt weder Aufnahme noch Interview als Beleg. Die meisten Antworten darunter nehmen das Zitat für echt und kritisieren Merz, einzelne halten es für eine Fälschung. Der Post belegt einen Verbreitungsweg, aber nicht, wer das Zitat erfunden hat. Auch dpa hält den Ursprung für nicht zweifelsfrei klärbar.

Die Prüfung betrifft nur die angebliche Äußerung des Kanzlers. Wer die Sprengung ausgeführt hat und ob der Angeklagte schuldig ist, klärt das Hamburger Gericht. Was über Täter und mutmaßliche Auftraggeber bisher bekannt ist, steht in unserem Faktencheck zum angeblichen "staatlichen Auftrag". Mimikama hat die rechtliche Frage, ob die Pipelines ein legitimes militärisches Ziel waren, in einem früheren Beitrag (14. Oktober 2026) behandelt. Der dpa-Faktencheck entstand im Rahmen des Meta-Programms für unabhängige Faktenprüfung; Mimikama hat die Auskunft der Regierungssprecherin nicht selbst eingeholt, sondern übernimmt sie von dpa.

Fazit

Die Behauptung ist falsch. Merz hat die Aussage nach Auskunft der Bundesregierung nie getätigt, und es gibt keinen Beleg dafür. Offen bleibt, wer das Zitat in die Welt gesetzt hat.