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Faktencheck von Mimikama vom 29. Oktober 2026 zu einem Schreiben, das in sozialen Netzwerken kursiert. Ein angebliches "Bundesamt für Gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratieförderung" teilt darin mit, für die bundesweiten Demonstrationen am 31. Oktober werde ein Teilnahmegeld gezahlt, wegen Haushaltseinsparungen nur noch 50 Euro pro Person. Laut Mimikama ist die Behörde erfunden, Adresse und Telefonnummer gehören zum Bundesinnenministerium in Bonn.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Das Schreiben ist eine Fälschung, und seine Herkunft ist geklärt. Laut AFP: Jugendproteste in Deutschland, Dieses Schreiben über "Demogeld" ist gefälscht (29. Oktober 2026) hat ein Nutzer es am 23. Oktober erstmals veröffentlicht und am 28. Oktober gegenüber AFP bestätigt, es selbst mit einem KI-Modell erstellt zu haben, um Rechtsextreme zu ärgern. Ein Erkennungswerkzeug von OpenAI fand demnach ein unsichtbares KI-Wasserzeichen im Bild. Zum selben Ergebnis kommt CORRECTIV: Gefälschtes Schreiben zu Demogeld in Umlauf (26. Oktober 2026). Der Urheber gab dort an, das Schreiben mit ChatGPT erstellt zu haben, um vor den Demonstrationen "Nazis zu ärgern".
Behörde und Kontaktdaten. Das Bundesamt gibt es nicht. CORRECTIV fand es weder in der Behördenliste des Bundesinnenministeriums noch in einer Übersicht der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages von 2024. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bestätigte AFP am 27. Oktober, die Behörde sei dem Haus nicht bekannt. Adresse und Telefonnummer im Briefkopf sind dagegen echt, aber falsch zugeordnet. Die Bundesregierung führt unter dem Dienstsitz Bonn des Innenministeriums die Graurheindorfer Straße 198, 53117 Bonn, Telefon 0228 99681-0. Laut AFP gehört die Nummer zur Bürgerkommunikation des Ministeriums. Echte Kontaktdaten unter einem erfundenen Absender machen aus dem Schreiben keine amtliche Mitteilung.
Die Prämisse "gekürzt". Das Schreiben setzt voraus, dass es ein Demogeld gibt, das nun sinkt. Ein von AFP zitierter Facebook-Beitrag nannte als angeblichen früheren Betrag 150 Euro. AFP fand keine Belege dafür, dass am 31. Oktober irgendjemand fürs Demonstrieren bezahlt wird. Auch das Schreiben selbst liefert laut Mimikama keinen überprüfbaren Nachweis für eine Auszahlung.
Verbreitung. Laut CORRECTIV erreichten Beiträge mit dem Schreiben am 24. Oktober rund 90.000 Aufrufe auf X und etwa 466.000 auf TikTok. Manche Verbreiter stuften es als Satire ein und behaupteten zugleich, es sei wahr. AFP nennt außerdem Facebook und Instagram, ein Facebook-Beitrag wurde mehr als 1.500 Mal geteilt. Mimikama zeigt einen Facebook-Screenshot aus einer politischen Gruppe.
Welche Demonstrationen gemeint sind. Das Schreiben spricht nur von bundesweiten Demonstrationen am 31. Oktober. Zeitlich fällt das mit den Jugendprotesten der Initiative "Gen Z regelt" zusammen, die laut AFP in 21 und laut CORRECTIV in 23 Städten angekündigt sind. Beide Faktenchecks stellen diesen Zusammenhang her. Zu den Forderungen zählen laut AFP mehr Geld für Bildung und Gesundheit, bezahlbares Leben und die Abschaffung der Wehrpflicht. Zu den Warnungen vor Gewalt bei diesen Protesten haben wir einen anderen Beitrag geprüft.
Ein altes Muster. Die Erzählung vom bezahlten Protest taucht seit Jahren in Varianten auf, auch das hält CORRECTIV fest. Mimikama erklärte 2024 ein Schreiben einer angeblichen "Antifa UG" mit Vergütungstabelle für frei erfunden, die darin genannten Adressen führten zu US-Generalkonsulaten. Die Seite "berufsdemonstrant.de" bezeichnet sich selbst als Satireprojekt ohne inhaltliche Korrektheit. AFP verweist zudem auf einen Bericht der Plattform Exif, wonach die AfD in Rheinland-Pfalz 2018 Teilnehmenden einer Berliner Demonstration einen Zuschuss zusagte. Das ist ein anderer Fall und kein Beleg für Zahlungen am 31. Oktober.
Fazit
Die Behauptung ist falsch. Das Bundesamt und das Schreiben sind erfunden, der Urheber hat die Fälschung nach Angaben von AFP und CORRECTIV selbst mit KI erstellt. Belege für bezahlte Teilnahme an den Protesten am 31. Oktober gibt es nicht.
