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Stand: 21.10.2026

Tichy: "Gewaltexzesse auch in Deutschland geplant"

Irreführend

Link Beschreibung

Tichys Einblick warnt am 21. Oktober 2026 unter Berufung auf BILD vor Ausschreitungen bei Protesten der Bewegung "Gen Z regelt das", die laut Beitrag für den 31. Oktober in neun deutschen Großstädten mobilisiert. Die Überschrift lautet "Warnung: Gewaltexzesse auch in Deutschland geplant". Als Beleg zitiert der Beitrag den Polizeigewerkschafter Manuel Ostermann ("tagelange Ausschreitungen"), die Extremismusforscherin Susanne Schröter ("eine Allianz zwischen Linken und Islamisten") und Hessens Innenminister Roman Poseck. Die Angabe, linksradikale Gruppen und die Linksjugend Solid unterstützten die Aufrufe, stammt laut Beitrag aus BILD.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Dass es am 31. Oktober Proteste gibt, stimmt. Die Initiative tritt als "Gen Z steht auf" und "Gen Z regelt" auf. Sie fordert laut hessenschau bessere Bildung, bezahlbares Leben und ein Ende der Wehrpflicht. In Frankfurt ist eine Demonstration mit erwarteten 1.700 Teilnehmenden angemeldet. TRT Deutsch nennt Aktionen in mehr als 20 Städten, nicht in neun. Auch der Name "Gen Z regelt das" weicht von dem ab, was andere Berichte nennen.

Dass die Proteste ausdrücklich auf Gewalt angelegt sind, geben die Belege nicht her:

  • Mitinitiator Akram Selo sagte laut hessenschau: "Wir distanzieren uns klar von jeglicher Art von Gewalt." Die Demonstration solle friedlich sein. Laut nd lehnt auch der "Wertekompass" des Bündnisses Gewalt ab.
  • Der Tagesspiegel schreibt, der überwiegende Teil der Mobilisierung betone Friedfertigkeit. Vereinzelt kursierten Aufrufe, die Unruhen wie in Frankreich auch in Deutschland herbeiwünschten. Wer hinter den vielen KI-generierten Aufrufen auf Instagram und TikTok steht, ist laut Tagesspiegel unklar, Uhrzeiten und Treffpunkte widersprechen sich.
  • Die Berliner Polizei hatte laut Tagesspiegel und TRT Deutsch bis zuletzt keine Versammlung registriert. Sie bereitet einen umfangreichen Einsatz vor und warnt vor Instrumentalisierung. Gegenüber dem Evangelischen Pressedienst nannte sie sich laut TRT Deutsch "wachsam und gelassen".
  • Die Bundesregierung erwartet laut hessenschau nicht, dass die teils gewalttätigen Proteste aus Frankreich auf Deutschland übergreifen.

Die zitierten Stimmen sind Prognosen und Warnungen, keine Belege für einen Plan. Ostermann spricht davon, womit man rechnen müsse. Poseck sagte laut hessenschau, die Polizei werde "keinerlei Gewalt gegen Personen und Sachen dulden", und sagte, Gruppen aus dem linken Spektrum nutzten die Mobilisierung auch für eigene Zwecke. Auch die GdP Berlin spricht laut Tagesspiegel von einer möglichen Großlage und fordert zugleich, friedlichen Protest zu ermöglichen. Ob und wie viel Gewalt tatsächlich entsteht, lässt sich erst nach dem 31. Oktober beurteilen.

Zur Rolle der Linksjugend Solid lässt sich nichts bestätigen. Der BILD-Beitrag, auf den sich Tichys Einblick stützt, war nicht auffindbar. Der nd-Bericht erwähnt die Linksjugend im Zusammenhang mit der Mobilisierung nicht.

Fazit

Die Überschrift ist irreführend. Der Beitrag verbindet echte Sorgen von Polizei und Politik vor Ausschreitungen mit der Aussage, Gewalt sei "geplant". Belegt sind friedliche Protestaufrufe, in denen einzelne Stimmen Krawalle wie in Frankreich herbeiwünschen, und die Befürchtung, dass Radikale die Proteste vereinnahmen. Ein Plan der Organisatoren zu Gewalt ist nicht belegt. Wie der Tag verläuft, ist offen.