Link Beschreibung
Artikel von Apollo News vom 19. August 2026 unter Berufung auf die Bild: 8.826 geplante Abschiebungen seien 2026 bislang gescheitert, weil die Personen nicht angetroffen wurden, 9.663 Menschen seien bis Juni abgeschoben worden. Daraus macht die Überschrift "Fast jede zweite Abschiebung misslingt".
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Apollo News stützt seine Schlagzeile auf einen Bericht der Bild-Zeitung, der die Zahlen "Regierungskreisen" zuschreibt, ohne eine öffentlich einsehbare Quelle zu nennen. Nur eine der beiden zentralen Zahlen lässt sich unabhängig bestätigen: Für Januar bis Juni 2026 wurden 9.663 Abschiebungen gezählt, ein Rückgang von rund 18 Prozent gegenüber den 11.807 Abschiebungen im ersten Halbjahr 2025. Diese Zahl stammt aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage eines AfD-Bundestagsabgeordneten und wurde von mehreren Redaktionen unter Berufung auf die Deutsche Presse-Agentur übernommen (dpa via Werra-Rundschau: "Dobrindt verteidigt harte Linie: Zahl der Abschiebungen im ersten Halbjahr gesunken" (31. Juli 2026)).
Für die zweite Zahl, 8.826 wegen "nicht angetroffen" gescheiterte Abschiebungen bis Mitte August, gibt es dagegen keine amtliche Veröffentlichung, nur die anonyme Berufung auf "Regierungskreise". Wie eine belastbare amtliche Aufschlüsselung aussieht, zeigt die Antwort des Bundesministerium des Innern (BMI) auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion um Gottfried Curio für das gesamte Jahr 2025: Demnach scheiterten 34.448 geplante Abschiebungen, davon 21.341 wegen "nicht erfolgter Zuführung" (der Kategorie, die "nicht angetroffen" am ehesten entspricht) und weitere 11.184 durch vorherige Stornierung des Ersuchens; die restlichen 1.923 Fälle verteilen sich auf Beförderungsverweigerung durch Fluggesellschaft oder Reederei (514), "sonstige Gründe" (449), passiven und aktiven Widerstand (309), medizinische Gründe (134) und weitere Einzelkategorien (Bundestagsdrucksache 21/4403, Antwort zu Frage 19). Diesen 34.448 gescheiterten Versuchen standen 2025 nur 22.787 erfolgreiche Abschiebungen gegenüber (Bundestagsdrucksache 21/4403, Antwort zu Frage 1) - eine Misserfolgsquote von rund 60 Prozent, deutlich mehr als die von Apollo News für 2025 genannte Vergleichszahl von "knapp 18.000" gescheiterten Abschiebungen. Diese Diskrepanz lässt sich mit den zugänglichen Quellen nicht auflösen.
Die im Artikel verwendete Rechnung "fast jede zweite" stellt zudem nur die engere Kategorie "nicht angetroffen" den erfolgreichen Abschiebungen gegenüber und lässt andere amtlich erfasste Gründe wie Stornierungen unter den Tisch fallen. Bezieht man diese mit ein, wie es die offiziellen Zahlen für 2025 nahelegen, liegt die tatsächliche Misserfolgsquote eher über als unter "jeder zweiten" Abschiebung. Die Kernaussage, dass ein großer Teil der geplanten Abschiebungen im Vollzug scheitert, ist damit durch amtliche Daten eher noch deutlicher belegt als von Apollo News dargestellt, während die konkrete Schlagzeilenrechnung auf einer unbelegten Einzelzahl und einer zur offiziellen Bundestagsantwort widersprüchlichen Vergleichszahl beruht.
Fazit
Dass ein Großteil der geplanten Abschiebungen scheitert, bestätigen amtliche Bundestags-Antworten sogar deutlicher, als es die Apollo-News-Schlagzeile suggeriert. Die konkrete Zahl von 8.826 "nicht angetroffen"-Fällen und die Vergleichszahl für 2025 sind jedoch unbelegt beziehungsweise widersprechen der einzigen auffindbaren offiziellen Angabe (34.448 statt "knapp 18.000" gescheiterte Abschiebungen 2025).
