Link Beschreibung
Artikel von Apollo News vom 6. November 2026 mit Zahlen der Berliner Polizei zu den Festnahmen bei den Gen-Z-Ausschreitungen am 31. Oktober: 125 Festgenommene, davon 34 ohne deutsche oder mit ungeklärter Staatsangehörigkeit, 80 minderjährig, alle wieder entlassen. Apollo rechnet daraus hoch, zwei Drittel könnten eine ausländische Staatsangehörigkeit haben. Die Überschrift hebt "etliche Syrer und Türken" hervor und endet mit "alle wieder frei".
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Apollo gibt an, die Berliner Polizei habe auf Anfrage mitgeteilt: 125 Festnahmen im stadtweiten Einsatz am 31. Oktober, davon 91 Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit (Doppelstaatler eingerechnet) und 34 mit ausländischer oder ungeklärter, darunter zehn Syrer, fünf Türken und vier Personen mit ungeklärter Staatsangehörigkeit. Das ist nachgerechnet stimmig: 34 von 125 sind 27 Prozent. Belegt ausländisch sind allerdings nur 30 von 125, also 24 Prozent. "Jeder vierte" in der Webadresse stimmt damit, "mehr als ein Viertel" im Vorspann nur, wenn man die Ungeklärten mitzählt.
Die Gesamtzahlen nennt bisher nur Apollo unter Berufung auf die Polizeiauskunft. Unter den Polizeimeldungen auf berlin.de vom 31. Oktober bis 6. November steht keine Meldung mit dieser Bilanz. Die Bilanzmeldung zum stadtweiten Einsatz "Halloween" vom 1. November nennt "bislang 16 Festnahmen" und keine Staatsangehörigkeiten. Frühe Berichte sprachen von 56 vorübergehenden Festnahmen (Euronews, Berliner Kurier). Das war der Stand von Sonntagfrüh, und die Berliner Zeitung bezog ihn auf die Demonstration durch Prenzlauer Berg. Apollo gibt an, die 125 gälten für den gesamten Einsatz. Das ist kein Widerspruch, aber anhand veröffentlichter Polizeizahlen auch nicht nachprüfbar.
Zur Überschrift: Syrer und Türken stellen mit 15 von 125 Festgenommenen 12 Prozent, 91 Festgenommene (rund 73 Prozent) sind Deutsche. Das steht im Text, in der Überschrift fehlt es. Die Formulierung "etliche" rückt eine Minderheit nach vorn. Zum Vergleich: Laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg lag der Ausländeranteil an der Berliner Bevölkerung Ende 2025 bei rund 23 Prozent. Ob Ausländer unter den Festgenommenen über- oder unterrepräsentiert sind, lässt sich daraus nicht ablesen, denn 80 der 125 Festgenommenen waren minderjährig und die Altersstruktur der Bevölkerung ist eine andere.
Die Zwei-Drittel-Zahl beruht vollständig auf einer Annahme. Apollo unterstellt, die Hälfte der 91 Deutschen besitze zusätzlich einen weiteren Pass, "wie es in Frankfurt der Fall war". Daraus ergeben sich rund 45 Doppelstaatler plus 34 Personen, zusammen etwa 79 von 125, also 64 Prozent. Die Berliner Polizei kann nach Apollos eigener Angabe nicht zwischen Doppelstaatlern und Personen mit nur deutschem Pass unterscheiden. Für Berlin gibt es also keine Zahl, nur die Übertragung eines Frankfurter Werts. Außerdem zählt die Rechnung Doppelstaatler als Ausländer, obwohl sie rechtlich Deutsche sind. Dieselbe Zählweise hatte Apollo schon bei den Frankfurter Tatverdächtigen verwendet, wo die Überschrift mit drei Vierteln ebenfalls mehr suggerierte, als die Zahlen der Polizei hergaben.
Zu "alle wieder frei": Eine vorläufige Festnahme ist nach § 127 StPO ein erster Schritt und kein Urteil. Untersuchungshaft setzt nach § 112 StPO einen dringenden Tatverdacht und einen Haftgrund wie Fluchtgefahr oder Verdunkelungsgefahr voraus und muss verhältnismäßig sein. Bei Jugendlichen darf sie nach § 72 JGG nur angeordnet werden, wenn sich ihr Zweck nicht durch mildere Maßnahmen erreichen lässt. Dass bei überwiegend jungen Beschuldigten kein Haftbefehl erging, ist deshalb kein Beleg für ein Versagen. Ermittelt wird weiter: Apollo nennt 87 Ermittlungsverfahren. Der Text selbst wertet die Entlassungen nicht, die Überschrift legt aber einen Skandal nahe.
Schließlich der politische Rahmen: Apollo verweist auf die Äußerung von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt nach den Frankfurter Ausschreitungen, verantwortlich seien auch "Chaoten aus dem migrantischen Milieu". Zum Migrationshintergrund der Berliner Festgenommenen macht die Polizei laut Apollo keine Angaben. Die Staatsangehörigkeit sagt darüber nichts, denn viele in Deutschland geborene Kinder von Eingewanderten sind Deutsche. Die Berliner Zahlen bestätigen die Aussage also weder, noch widerlegen sie sie.
Fazit
Die Angabe, gut ein Viertel der Berliner Festgenommenen besitze keine deutsche Staatsangehörigkeit, entspricht der Polizeiauskunft und ist im Kern zutreffend, auch wenn darin vier ungeklärte Fälle stecken. Irreführend sind die Betonung von Syrern und Türken in der Überschrift, obwohl knapp drei Viertel der Festgenommenen Deutsche sind, und die Zwei-Drittel-Hochrechnung, die einen Frankfurter Wert auf Berlin überträgt und Doppelstaatler als Ausländer zählt. Dass alle 125 wieder entlassen wurden, besagt für sich nichts über die Strafverfolgung, denn Untersuchungshaft ist die Ausnahme.
