Link Beschreibung
Apollo News berichtet am 29. September 2026 unter der Überschrift "Mord, Totschlag, Vergewaltigung: Über 14.000 Straftaten allein in bayerischen Asylunterkünften" über die Antwort des bayerischen Innenministeriums auf eine schriftliche Anfrage des AfD-Landtagsabgeordneten Gerd Mannes. Genannt werden für 2025 insgesamt 14.333 registrierte Straftaten, darunter 915 Fälle von Gewaltkriminalität, 9 versuchte oder vollendete Morde, 38 Vergewaltigungen und 3.166 Körperverletzungen; für 2024 nennt der Artikel 26.467 Straftaten.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Die Zahlen selbst stammen laut Apollo News aus der Antwort des bayerischen Innenministeriums auf eine schriftliche Anfrage des AfD-Abgeordneten Gerd Mannes, die dem Portal nach eigenen Angaben exklusiv vorliegt. Ob sie stimmen, lässt sich derzeit nicht am Original prüfen: Die Antwort vom 20. September war am 29. September in der Drucksachen-Datenbank des Bayerischen Landtags noch nicht zu finden. Dass Apollo die Werte korrekt wiedergibt, ist damit plausibel, aber nicht belegt.
Die Überschrift setzt Mord, Totschlag und Vergewaltigung an die Spitze, doch sie machen nur einen winzigen Teil der Statistik aus. Nach Apollos eigenen Angaben waren es 2025 neun versuchte oder vollendete Morde und 38 Vergewaltigungen bei 14.333 erfassten Straftaten. Den Rückgang verschweigt der Artikel nicht. Er nennt für 2024 die Zahl 26.467, ein Minus von rund 46 Prozent. Nur in der Schlagzeile fehlt er. Auffällig ist, wie ungleich der Rückgang verteilt ist. Die Rohheitsdelikte sanken von 4.717 auf 3.924 (rund 17 Prozent), die Körperverletzungen von 3.831 auf 3.166 (ebenfalls rund 17 Prozent). Der Großteil des Rückgangs liegt also bei Delikten, die Apollo nicht aufschlüsselt.
Was in der Gesamtzahl steckt, zeigt eine parallele Anfrage. Für Unterfranken hat die Staatsregierung dieselbe Auswertung nach dem Kriterium "Tatörtlichkeit Asylbewerberunterkunft" in einer Antwort an den AfD-Abgeordneten Daniel Halemba aufgeschlüsselt. Demnach waren 2024 von 3.457 Straftaten in Unterfranken 2.497 Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asylverfahrens- und Freizügigkeitsgesetz, also rund 72 Prozent; 2023 waren es 3.172 von 4.075. Die Auswertung erfolgte ausdrücklich ohne Einschränkung auf Tatverdächtige, erfasst sind also alle bekannt gewordenen Taten am Ort, unabhängig davon, wer sie begangen hat. Ob die landesweite Zahl in Apollos Quelle ebenfalls solche Verstöße einschließt, geht aus dem Artikel nicht hervor. Wäre es so, wären die "14.333 Straftaten" zu einem großen Teil keine Gewalt- oder Eigentumsdelikte, sondern Verstöße gegen das Aufenthalts- und Asylrecht.
Für die Größe der Zahl fehlt zudem der Nenner. Apollo nennt keine Belegung der Unterkünfte, obwohl der Text den Rückgang mit "geringerer Belegung" erklärt. Die Staatsregierung gibt an, dass die Neuzugänge von Asylbewerbern 2025 gegenüber 2024 um rund 57 Prozent zurückgingen. Die Zahl der untergebrachten Personen sank aber deutlich langsamer: In Unterfranken lebten Ende 2024 rund 15.000 Menschen in staatlichen Unterkünften, Ende 2025 waren es 12.450, ein Rückgang von etwa 17 Prozent. Eine landesweite Belegungszahl für beide Jahre liegt uns nicht vor. Zur Einordnung: Im August 2026 hat das Innenministerium mitgeteilt, dass seit Sommer 2025 rund 19.800 Unterbringungsplätze abgebaut oder gekündigt wurden.
Offen bleibt außerdem, wie viele der Taten Bewohner als Opfer betreffen, ob es Taten unter Bewohnern, gegen Personal oder durch Besucher sind und wie mit Mehrfachzählungen umgegangen wird. Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst nur Taten, die der Polizei bekannt wurden und an die Staatsanwaltschaft abgegeben sind. Apollo berichtet zudem, dass das Ministerium weder die Zahl der Polizeieinsätze in den Unterkünften nennen konnte (eine automatisierte Auswertung sei nicht möglich) noch die Zahl der Haftbefehle gegen Asylbewerber, weil deren Status dabei nicht zentral erfasst wird.
Fazit
Die Schlagzeile ist irreführend. Die Zahl von 14.333 registrierten Straftaten ist nach den vorliegenden Angaben plausibel, das Original war aber noch nicht einsehbar. Die Schlagzeile mit Mord, Totschlag und Vergewaltigung weckt den Eindruck von Gewaltkriminalität, während die Gewaltdelikte nur einen kleinen Teil ausmachen und die Gesamtzahl 2025 fast halbiert ist. Ohne Belegungszahlen und ohne vollständige Aufschlüsselung nach Deliktsgruppen sagt die Gesamtzahl wenig über die Sicherheit in den Unterkünften aus.
