Link Beschreibung
Hintergrundtext von Belltower.News vom 17. September 2026, drei Tage vor der Landtagswahl, über Funktionäre und Wahlkampfhelfer der AfD Mecklenburg-Vorpommern und deren Verbindungen ins rechtsextreme Milieu. Originaltitel: "AfD MV: Das Chaos hinter der Fassade".
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Die zentralen Tatsachenbehauptungen des Dossiers lassen sich unabhängig bestätigen, angefangen bei den parteiinternen Machtkämpfen um Spitzenkandidatur und Fraktionsvorsitz: Der Nordkurier berichtete, dass Nikolaus Kramer die Wahl um Listenplatz eins im Januar 2026 gegen Enrico Schult verlor und schließlich erklärte, den Fraktionsvorsitz Mitte Juni 2026 an ihn abzugeben (Nordkurier: Machtkampf beendet: AfD-Fraktionsführung wechselt von Kramer zu Schult).
Das Mitte Mai 2026 vorab bekannt gewordene Wahlprogramm der AfD MV beschreibt auch der NDR mit denselben Kernpunkten wie Belltower.News: NDR: AfD-Wahlprogramm mit völkisch-nationalistischem Grundton dokumentiert, wie das Programm der rot-rot geführten Landesregierung unterstellt, das Deutsche durch eine multikulturelle Gesellschaft ersetzen zu wollen, eine Formulierung, die der rechtsextremen Erzählung vom sogenannten Bevölkerungsaustausch nahekommt. Der Anteil von Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit in Mecklenburg-Vorpommern lag 2022 bei 4,8 Prozent, dem niedrigsten Wert aller Bundesländer (Katapult MV: AfD MV zeigt sich so rechtsextrem wie noch nie).
Zur Rüge des Landesrechnungshofs schreibt die Ostsee-Zeitung: Rechtswidriger Wahlkampf: Rechnungshof MV rügt AfD-Fraktion, Landesrechnungshof-Präsidentin Martina Johannsen habe in einem geplanten Podcast mit Leif-Erik Holm und Petra Federau sowie in Enrico Schults Sommertour unzulässige Wahlwerbung der Fraktion gesehen, woraufhin Schult beides einstellte.
Das über 1.100 Seiten starke Gutachten des Bundesamtes für Verfassungsschutz stuft die Bundespartei AfD als gesichert rechtsextremistische Bestrebung ein und enthält laut NDR: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum AfD-Gutachten des Verfassungsschutzes und seiner Bedeutung für MV Hinweise auf 13 Funktionäre des Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern, darunter Nikolaus Kramer und Enrico Schult. Belltower.News nennt dieselbe Zahl.
Bei einer Einzelheit weicht die Beleglage vom Text ab: Die von Katapult MV dokumentierte Anwesenheit von Alexander "Malenki" Kleine und Haik Jaeger bezieht sich auf den Parteitag am 30. Mai 2026 in Grimmen, bei dem die AfD MV ihr Wahlprogramm beschloss (Katapult MV: AfD MV zeigt sich so rechtsextrem wie noch nie). Beim separaten Wahlkampfauftritt am 28. August 2026 in Grimmen, bei dem Tino Chrupalla statt der verhinderten Alice Weidel sprach, berichtete Katapult MV von anderen Personen aus dem extrem rechten Umfeld, etwa von der Agentur Countercut, nicht aber von Kleine oder Jaeger (Katapult MV: AfD-Wahlkampf in Grimmen: ohne Weidel, aber mit indirekter Einschüchterung der Presse). Dass Kleine auf dem Parteitag im Auftrag der AfD MV filmte, hält derselbe Katapult-MV-Artikel fest. Für den Bundestagswahlkampf 2025 erteilte der AfD-Bundesvorstand Kleines Agentur Tannwald Media nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios den Zuschlag für Social-Media-Aktionen (Tagesschau: Die umstrittenen AfD-Wahlkampfhelfer).
Laut Katapult MV stuft der Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern Haik Jaeger als gewaltbereiten Rechtsextremisten ein (Katapult MV: NSU-Abschlussbericht legt Verbindungen zwischen Nordkreuz und AfD MV offen). Jaeger war Mitglied des rechtsextremen Prepper-Netzwerks Nordkreuz, bei ihm wurden 2017 rund 3.000 Schuss ungesicherte Munition gefunden; das Amtsgericht Ludwigslust verurteilte ihn deswegen zu einer seit Juni 2023 rechtskräftigen Geldstrafe von 5.000 Euro. Stand 10. September 2025 sitzt er für die AfD im Kreistag Nordwestmecklenburg; eine Bürgermeisterkandidatur ließen Gemeinde- und Kreiswahlausschuss wegen Zweifeln an seiner Verfassungstreue nicht zu (NDR: Terrorverdacht und Verstoß gegen Waffengesetz: Nordkreuz-Mitglied darf aus Polizeidienst entlassen werden). Laut Belltower.News ist er zudem Fraktionsvorsitzender der AfD in der Stadtvertretung Neukloster.
Beim AfD-Kreistagsmitglied Philip Steinbeck durchsuchte die Polizei am 6. August 2025 das Anwesen, das Gutshaus Jessenitz, und stellte ein umfangreiches Arsenal sicher; Steinbeck bezeichnete die Funde gegenüber der Presse als "Deko" (Katapult MV: AfD-Politiker Philip Steinbeck lagert Waffen und Sprengstoff).
Dario Seifert war von 2012 bis 2014 bei den Jungen Nationalisten, 2024 wurde gegen ihn eine zweijährige Ämtersperre verhängt. Auslöser war laut webmoritz., das sich dabei auf Berichte der Ostsee-Zeitung beruft, ein parteiinterner Richtungsstreit im Kreisverband Vorpommern-Rügen 2019: Seifert hielt zu Dennis Augustin, der wegen einer verschwiegenen früheren NPD-Mitgliedschaft aus der Partei ausgeschlossen wurde (webmoritz.: Dario Seifert, blau gefärbt, braun verwurzelt?).
Der Rostocker Landtagskandidat Sascha Gläser überfiel Ende 2012 in Duisburg eine Bank und wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, wie Ostsee-Zeitung und Nordkurier enthüllten; er bestätigte den Überfall gegenüber dem NDR. Nach Darstellung des AfD-Landesvorstands habe Gläser der Partei seine Vergangenheit bei seiner Nominierung verschwiegen; er kündigte an, ein gewonnenes Mandat nicht anzunehmen (NDR: Vom Bankräuber zum Wahlkämpfer: Umstrittener AfD-Kandidat steht vor Parteiausschluss).
Fazit
Das Dossier von Belltower.News ist in der Substanz zutreffend: Machtkämpfe an der Parteispitze, die Rüge des Landesrechnungshofs, das Verfassungsschutz-Gutachten mit 13 betroffenen Funktionären sowie die rechtsextremen Verbindungen einzelner Mitglieder und Wahlkampfhelfer lassen sich allesamt unabhängig belegen. Einzige Ungenauigkeit ist das Datum des Grimmener Auftritts, bei dem Kleine und Jaeger laut Katapult MV anwesend waren: Es war der Parteitag am 30. Mai, nicht der Wahlkampfauftritt am 28. August. Das ändert nichts an der Kernaussage, dass Personen aus dem rechtsextremen Milieu im Umfeld der AfD MV aktiv sind.
