Link Beschreibung
Journalistenwatch berichtet am 3. Oktober 2026 über die Neuauszählung im Berliner Wahlkreis Spandau 1. Die Panne sei, "sofern nicht mehr dahintersteckt", "natürlich ausgerechnet zulasten der AfD" gegangen. Am Ende fragt der Text, ob "noch weitere solcher 'Pannen' ans Licht kommen", und nennt es "sehr auffällig", dass "bislang nicht die linken Parteien betroffen sind, sondern nur die AfD und eventuell die CDU". Das sei "ein weiterer Grund zur Wachsamkeit".
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Die Zahlen im Text stimmen. Nach der Wahl vom 20. September 2026 war die CDU-Kandidatin Bettina Meißner zunächst mit 80 Stimmen Vorsprung als Siegerin des Wahlkreises Spandau 1 gemeldet worden. Die Nachzählung dagegen sah den AfD-Kandidaten Tommy Tabor mit 5.184 zu 5.150 Erststimmen vorn, wie der Tagesspiegel berichtet. Auch die Sitzzahlen decken sich mit dem Tagesspiegel und mit Bild: Das Abgeordnetenhaus schrumpft über Ausgleichs- und Überhangmandate von 158 auf 153 Sitze. Der Landeswahlleiter Stephan Bröchler nennt als Grund für die Neuauszählung, dass das vom Wahlvorstand in der Niederschrift festgehaltene Ergebnis nicht der telefonisch übermittelten Schnellmeldung entsprach (Tagesspiegel). Die Hakenfelde-Zahlen (zunächst 130 Erst- und 202 Zweitstimmen für die AfD, bei der CDU 55 Stimmen Unterschied) stehen ebenso bei Bild. Der Berliner Kurier führt die Entdeckung des Fehlers auf diese Auffälligkeit zurück, schreibt also von einem Vorgang. Journalistenwatch führt Hakenfelde dagegen mit "Auch" als weiteren Fall auf.
Richtig ist auch, dass die Fehlmeldung die AfD zunächst das Direktmandat gekostet hat. Einen Sitz hat sie dadurch nicht verloren: Tabor war laut Tagesspiegel "ohnehin über die Landesliste seiner Partei abgesichert", und von den fünf wegfallenden Mandaten entfällt keines auf die AfD. Die Folgerung, die Journalistenwatch aus der Panne zieht, hält den Belegen nicht stand.
Erstens sind von der Panne nicht nur die AfD und die CDU betroffen. Nach dem vorläufigen Ergebnis hatten die Linke zwei und CDU, SPD und Grüne je einen Sitz mehr, als ihnen nach der Korrektur zustehen (Tagesspiegel, Bild). Journalistenwatch berichtet das selbst ("CDU, SPD und Grüne verlieren jeweils einen Sitz, die Linkspartei sogar zwei") und schreibt im Schlussabsatz trotzdem, "die linken Parteien" seien nicht betroffen. Der Text widerspricht sich an dieser Stelle. Bröchler sagt, es greifen die rechtlich vorgesehenen Kontrollmechanismen, es handle sich um "kein neues Wahlchaos". Das Ergebnis ist vorläufig, das endgültige stellt der Landeswahlausschuss am 12. Oktober fest (Bild). Zweitens nennt keine der geprüften Quellen einen Hinweis auf Manipulation. Der Tagesspiegel beschreibt einen Übermittlungsfehler zwischen Niederschrift und Schnellmeldung. Dafür, dass mehr dahinterstecken könnte, nennt Journalistenwatch keinen Beleg, es bleibt bei der Andeutung "sofern nicht mehr dahintersteckt". Drittens zieht der Text aus einem einzelnen Wahllokal, in dem ein Fehler unterlief und korrigiert wurde, einen Schluss auf ein Muster ("noch weitere solcher 'Pannen'").
Wie Wahlbetrugs-Erzählungen im Berliner Wahlkampf entstehen, zeigt auch ein anderer Fall: Ein angebliches Video zerschnittener AfD-Briefwahlzettel erwies sich als Fälschung (unsere Einordnung dazu). Hier liegt kein Fälschungsfall vor, sondern ein echter Fehler, der durch die Nachzählung gefunden wurde.
Fazit
Die berichteten Zahlen stimmen, und die Panne war real. Die Andeutung, dahinter könne mehr stecken, und der Verweis auf ein auffälliges Muster zulasten der AfD sind dagegen irreführend: Die Korrektur kostet CDU, SPD, Grüne und Linke Sitze, die AfD dagegen keinen. Der Fehler fiel bei der Nachzählung auf, und für eine Manipulation nennt der Text keinen Beleg.
