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Stand: 27.09.2026

Journalistenwatch: Immer mehr Windkraft-Firmen pleite

Irreführend

Link Beschreibung

Ein unter dem Pseudonym "Kurschatten" gezeichneter Journalistenwatch-Artikel behauptet, trotz Milliardensubventionen gingen immer mehr Windkraft-Betreiber pleite, und nennt dafür Enerparc, Sowitec, PNE, BayWa r.e. und Abo Energy.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Zu einer einheitlichen Geschichte vom sterbenden Windkraft-Betreiber fasst die Kolumne fünf sehr unterschiedliche Fälle zusammen. Das hält der Prüfung nicht stand.

Insolvent sind bislang nur zwei der fünf genannten Unternehmen, und nur eines davon ist tatsächlich ein Windkraftunternehmen. Enerparc, der Anfang September insolvente Hamburger Konzern mit rund 380 Beschäftigten, ist nach eigener Darstellung einer der größten unabhängigen Solarpark-Eigentümer Europas, also ein Solar-, kein Windkraftunternehmen. Der Fließtext der Kolumne nennt Enerparc an anderer Stelle selbst richtig "Solarpark-Entwickler", ordnet den Fall in der Überschrift aber trotzdem der Windkraft zu. Tatsächlich aus der Windbranche und tatsächlich insolvent ist der schwäbische Projektentwickler Sowitec, der im Juli 2026 für die Mutter- und drei Tochtergesellschaften Insolvenz anmeldete, unter anderem wegen ausstehender Millionenzahlungen aus Mexiko und Kolumbien sowie einer schwierigen Lage am deutschen Windmarkt, vor allem in Süddeutschland. Rund 80 Beschäftigte sind betroffen.

Die drei übrigen genannten Firmen sind nicht insolvent. PNE hat selbst einen Verkaufsprozess für bis zu 100 Prozent seiner Aktien gestartet, treibende Kraft ist Großaktionär Morgan Stanley Infrastructure Partners, der seit Jahren aussteigen will. Eingegangene Kaufangebote liegen zwar unter dem Börsenkurs, ein Ergebnis erwartet PNE aber erst für Herbst 2026, ob überhaupt ein Käufer gefunden wird, ist offen. Die Formulierung "findet aber keinen Käufer" nimmt damit ein Ergebnis vorweg, das noch aussteht. BayWa r.e. wird im Zuge der Sanierung der Mutter BayWa AG verkauft: Fast alle 268 Finanzierungspartner der BayWa AG einigten sich Mitte September 2026 auf ein bis Ende 2030 verlängertes Sanierungskonzept, verbindliche Verträge stehen aber noch aus. Für den Verkauf von BayWa r.e. werden die Anteile auf einen Sanierungsgesellschafter übertragen, der die Tochter verkaufen soll. Ein Käufer steht noch nicht fest, die erwarteten Erlöse sind von ursprünglich 1,7 Milliarden auf rund 900 Millionen Euro gesunken. Insolvent ist BayWa r.e. damit nicht, aber auch nicht einfach nur "in Schwierigkeiten": Die Tochter steht konkret zum Verkauf. Abo Energy meldete für 2025 nach vorläufigen Zahlen einen Verlust von 170 Millionen Euro und musste eine Verlustanzeige stellen, weil mindestens die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt war; eine außerordentliche Hauptversammlung sollte einberufen werden. Die Finanzierungspartner verlängerten die Stillhaltevereinbarung im laufenden Sanierungsprozess Ende Juli 2026 bis zum 30. November 2026. Pleite ist Abo Energy damit nicht.

Auch die im Titel behauptete Kausalität "trotz Milliardensubventionen" verkehrt die von der Branche selbst genannte Ursache. Carsten Körnig, den die Kolumne als "Präsident" des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar) bezeichnet, ist laut der Stellungnahme des Verbands zur EEG-Novelle, die das Fachportal Solarserver wiedergibt, tatsächlich Hauptgeschäftsführer des Verbands. Sein Zitat zu drohenden "solaren Sperrzonen" bezieht sich zudem nicht auf bestehende Subventionen, sondern auf eine geplante EEG-Novelle: Die Bundesregierung will unter anderem Entschädigungen bei Netzengpässen teilweise streichen, die Einspeiseleistung begrenzen und neue Netzentgelte für Solarstrom einführen. Der Verband rechnet vor, dass neue Solarparks dadurch um mehr als einen Cent je Kilowattstunde teurer würden. Auch den Fall Enerparc führt der Verband auf steigende Kosten zurück, etwa höhere Netzanschlussgebühren, zusätzliche Länderabgaben und Erlösverluste durch negative Strompreise, nicht auf zu hohe Förderung. Ähnlich äußerte sich PNE-Chef Heiko Wuttke bereits vor der aktuellen Verkaufsankündigung gegenüber dem Handelsblatt: Sollte die Bundesregierung bei der Förderung erneuerbarer Energien die Bremse ziehen, sei "mit einem Knall zu rechnen". Die Schieflage der Branche entsteht damit eher wegen sinkender Ausschreibungswerte, steigender Kosten und drohender Förderkürzungen, nicht trotz bestehender Subventionen, ein Zusammenhang, den die Kolumne nicht erwähnt.

Die von Katherina Reiche geplante EEG-Novelle, auf die sich die Kolumne bezieht (langfristiger Wegfall der Einspeisevergütung für neue Anlagen, Wirkleistungsbegrenzung, Netzpaket), befand sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch im Gesetzgebungsverfahren des Bundestages.

Fazit

Die Behauptung ist irreführend. Von den fünf genannten Unternehmen ist nur eines, Sowitec, tatsächlich ein insolventes Windkraftunternehmen; Enerparc, ebenfalls insolvent, ist ein Solarunternehmen. Für PNE steht bislang kein Käufer fest, der Verkaufsprozess läuft noch. BayWa r.e. befindet sich im Zuge der Sanierung der Mutter BayWa AG selbst im Verkaufsprozess, ist aber nicht insolvent. Abo Energy kämpft mit erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, ist aber weder pleite noch zum Verkauf gestellt. Die im Titel behauptete Kausalität "trotz Milliardensubventionen" verkehrt die von der Branche selbst genannte Ursache: Gewarnt wird vor sinkenden Ausschreibungswerten und geplanten Förderkürzungen, nicht vor deren Fortbestand.