Link Beschreibung
NIUS meldet unter der Überschrift "Hohe Gaspreise: EU will Verbot von Heizpilzen", die EU wolle Heizpilze verbieten und nachts die Straßenbeleuchtung abschalten. Grundlage ist ein Brief von Energiekommissar Dan Jørgensen an Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und ihre Amtskollegen vor einem Treffen der EU-Energieminister, über den Table.Briefings berichtet hatte. Im Fließtext schreibt NIUS dann, Jørgensen "empfiehlt" diese Maßnahmen, darunter, "Heizpilze zu verbieten".
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Grundlage der NIUS-Meldung ist ein Brief von EU-Energiekommissar Dan Jørgensen vom 25. September 2026 an die Wirtschaftsminister der Mitgliedstaaten, darunter Katherina Reiche. Das Schreiben selbst ist nicht öffentlich. Die Nachrichtenagentur Reuters und der Sender Euronews haben es eingesehen und Auszüge veröffentlicht, NIUS beruft sich auf einen Bericht von Table.Media. Laut dem von Euronews zitierten Wortlaut bittet Jørgensen die Regierungen, angesichts "außergewöhnlich niedriger" Gasspeicherstände Maßnahmen zur Senkung des Gas- und Stromverbrauchs "zu prüfen oder fortzuführen" (Euronews: EU tells countries to curb energy demand as gas prices face winter squeeze, 27. September 2026).
Als Beispiele nennt der Brief unter anderem die Begrenzung von Heizstrahlern im Freien, das Abschalten verzichtbarer öffentlicher Beleuchtung nachts, geringeres Heizen öffentlicher Gebäude und eine Verlagerung des Stromverbrauchs über intelligente Zähler. Jørgensen formuliert diese Punkte ausdrücklich als freiwillige Empfehlung, die sich schon in der Energiekrise 2022 bewährt habe, und kündigt keine verbindlichen Vorgaben an (Telepolis: Gaskrise vor dem Winter. EU-Kommissar warnt vor Preisschock beim Heizen, 27. September 2026).
Die NIUS-Überschrift "EU will Verbot von Heizpilzen" macht daraus ein bevorstehendes Verbot. Der eigene Fließtext des Artikels korrigiert das nur zur Hälfte: Er ersetzt "will" durch das zutreffendere "empfiehlt", bleibt aber bei "verbieten", während Euronews und Telepolis in ihren Berichten über den Brief nur von einer Begrenzung der Heizstrahler sprechen.
Hintergrund des Briefs sind gestiegene Gaspreise (rund 70 Euro je Megawattstunde am Handelspunkt TTF, seit den Angriffen auf den Iran Ende Februar 2026 rund 40 Euro mehr) bei gleichzeitig niedrigen Speicherständen: Die EU-Gasspeicher waren am 27. September zu rund 71 Prozent gefüllt, rund zwölf Prozentpunkte weniger als im Vorjahr, Deutschland lag mit rund 57 Prozent noch darunter (Daten der Plattform AGSI von Gas Infrastructure Europe, zitiert nach Telepolis). Eine unmittelbare Gefährdung der Versorgung sieht die EU-Kommission nach eigenen Angaben derzeit dennoch nicht: In einer Mitteilung nach einer Sitzung der Gas Coordination Group bezeichnete sie die Versorgungslage trotz der niedrigen Füllstände als stabil (Europäische Kommission: Gas Coordination Group continues work on winter preparedness, 25. September 2026).
Der Brief ging den Mitgliedstaaten vor dem informellen Treffen der EU-Energieminister am 28. und 29. September in Dublin zu (Irische EU-Ratspräsidentschaft: Informal meeting of Energy Ministers). Informelle Ratstreffen fassen grundsätzlich keine verbindlichen Beschlüsse, sondern dienen dem politischen Austausch. Eine Entscheidung über Jørgensens Vorschläge stand zum Zeitpunkt der NIUS-Meldung nicht an.
Fazit
Die Überschrift "EU will Verbot von Heizpilzen" ist irreführend. Grundlage ist eine unverbindliche Empfehlung aus einem nicht-öffentlichen Brief von Energiekommissar Jørgensen, kein Verbot und keine bindende Vorgabe. Der NIUS-Fließtext benennt das nur teilweise korrekt: Das Wort "empfiehlt" trifft zu, doch auch dort heißt es, Heizpilze seien "zu verbieten", während die Berichte über den Brief nur eine Begrenzung nennen. Die Überschrift überzieht diesen Punkt zusätzlich. Angespannte Gaspreise und niedrige Speicherstände sind dagegen real und durch die Kommission selbst sowie durch Marktdaten belegt, ändern aber nichts daran, dass aus einer Bitte um freiwillige Einsparungen kein Verbot wird.
