Link Beschreibung
NIUS berichtete am 29. Oktober 2026 unter der Überschrift "Nach 150 Jahren: Papp-Fabrik geht wegen CO2-Preis pleite!", die Pappenfabriken in Tullau (Rosengarten, Baden-Württemberg) und Trauchgau (Halblech, Bayern) mit zusammen rund 90 bis 100 Beschäftigten gingen "wegen CO2-Preis pleite". Nach Darstellung von NIUS legte der vorläufige Insolvenzverwalter den Betrieb still, weil offene Pflichten zur Abgabe von CO2-Zertifikaten für 2025 und 2026 eine Übernahme unattraktiv machten. Der Verwalter nennt das Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz "sanierungsfeindlich". Die CO2-Kosten beziffert NIUS selbst auf rund zehn Prozent der Produktionskosten, hinzu kämen gestiegene Strom- und Gaspreise.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Der Kern des Berichts stimmt: Die beiden Werke der Karl Kurz GmbH & Co. KG (Tullau Pappen) stellen den Betrieb ein, und der vorläufige Insolvenzverwalter Tibor Braun nennt die Pflichten aus dem europäischen Emissionshandel als entscheidendes Hindernis. Laut Neue Verpackung hatten die beiden Produktionsgesellschaften die Emissionsberechtigungen für 2025 nicht bis zur Frist am 30. September 2026 abgegeben. Diese Pflichten behinderten nach seiner Darstellung sowohl den Weiterbetrieb als auch einen Verkauf, trotz früher Gespräche mit möglichen Investoren habe sich keine tragfähige Lösung gefunden. Der Betrieb in Tullau sollte am 27. Oktober 2026 enden, noch vor der förmlichen Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Dass das Gesetz die Sanierung unmöglich mache, ist die Einschätzung des Verwalters. Eine unabhängige rechtliche Bewertung dazu gibt es nach dem Bericht von Neue Verpackung bislang nicht.
Die Überschrift behauptet aber mehr, nämlich dass der CO2-Preis die Pleite verursacht habe. Dazu passt die zeitliche Abfolge nicht. Den Insolvenzantrag beim Amtsgericht Heilbronn hatte das Unternehmen schon gestellt, als Mitte September darüber berichtet wurde. Geschäftsführer Matthias Kurz sprach damals von rasant gestiegenen Energiekosten, als Hauptursache nannten Berichte nach einer SWR-Meldung die stark gestiegenen Preise für Strom, Gas und Öl. Die Pflicht, CO2-Zertifikate zu kaufen, kam als weitere Belastung hinzu. Das Insolvenzportal Pleiteticker nennt als Antragsgrund Zahlungsunfähigkeit und verweist auf frühere Schläge: den Einbruch des Altpapiermarkts und Kurzarbeit während der Pandemie 2020 sowie einen Brand im Jahr 2024 mit rund 500.000 Euro Schaden. Der Verwalter bewertete die Aussichten anfangs als nicht ungünstig, denn das Unternehmen beliefert Kunden, die auf Produkte angewiesen sind, die andere Hersteller nicht anbieten. Nach Angaben von Verwalter Tibor Braun lassen sich höhere Kosten bei beiden Gesellschaften nur begrenzt an Kunden weitergeben, wie Neue Verpackung berichtet.
Der CO2-Preis war damit ein Kostenfaktor unter mehreren und später das Hindernis für die Rettung. Die Insolvenz selbst hatte er nach den vorliegenden Berichten nicht ausgelöst. Auch NIUS gibt den Anteil der CO2-Kosten mit rund zehn Prozent der Produktionskosten an, was für sich genommen schwer erklärt, warum der Preis allein den Betrieb in die Pleite getrieben haben soll. Zudem ist der Betrieb noch im vorläufigen Verfahren eingestellt worden, das Insolvenzverfahren war zu diesem Zeitpunkt nicht eröffnet. Dass die Pflicht zur Abgabe der Zertifikate für 2025 offen blieb, ist etwas anderes als ein hoher Preis: Es geht um nicht erfüllte Verpflichtungen, deren Frist am 30. September 2026 ablief, also nach dem Insolvenzantrag.
Fazit
Die Darstellung ist irreführend. Wahr ist, dass offene Pflichten aus dem Emissionshandel nach Angaben des Insolvenzverwalters die Rettung und den Verkauf der Pappenfabrik verhindert haben. Die Insolvenz selbst begründete die Geschäftsführung dagegen vor allem mit gestiegenen Energiekosten, und der CO2-Preis war dabei ein zusätzlicher, laut NIUS rund zehnprozentiger Kostenblock. "Pleite wegen CO2-Preis" macht aus einem Hindernis bei der Sanierung die Ursache der Zahlungsunfähigkeit.
