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Stand: 01.04.2026

Desinformation über Entwicklungspolitik

Link Beschreibung

Eine Studie des Center for Monitoring, Analysis and Strategy (CeMAS) analysiert Desinformation und Verschwörungsmythen über Entwicklungspolitik auf Telegram. Untersucht wurden über 36.000 Nachrichten aus rund 1.500 Kanälen und Gruppen des deutschsprachigen verschwörungsideologischen und rechtsextremen Spektrums zwischen Oktober 2024 und November 2025.

Falschbehauptungen über USAID stiegen sprunghaft an, als US-Präsident Donald Trump im Januar 2025 die Auflösung der Behörde ankündigte. Viele Narrative wurden direkt aus den USA übernommen: USAID als Zentrale des "Deep State", die angeblich Regimewechsel finanziere oder Biowaffen entwickle. Ähnliche Erzählungen richten sich gegen die deutsche Entwicklungszusammenarbeit, etwa die falsche Behauptung, Aserbaidschan kaufe mit Entwicklungshilfe deutsche Immobilien. Verschwörungsinfluencerin Eva Herman verbreitete die Falschbehauptung, USAID habe mit 31 Millionen Dollar "Massenmigration nach Deutschland gefördert". Tatsächlich ging es um Visumsbearbeitung für Amerikaner und lokale Mitarbeitende. Pro-russische Desinformationskampagnen wie "Operation Overload" verbreiteten zudem falsche Behauptungen über USAID-finanzierte Ukraine-Besuche von Prominenten.

Die CeMAS-Forscherin Julia Smirnova erklärt, dass sich Entwicklungszusammenarbeit besonders gut für Desinformationskampagnen eigne, weil die Thematik komplex sei und leicht für fremdenfeindliche, migrationsbezogene oder klimapolitische Polarisierung instrumentalisiert werden könne.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Der taz-Artikel berichtet über eine Studie des Center for Monitoring, Analysis and Strategy (CeMAS), die über 36.000 Telegram-Nachrichten aus dem verschwörungsideologischen und rechtsextremen Spektrum auf Desinformation über Entwicklungszusammenarbeit untersucht hat. Die beschriebenen Falschbehauptungen sind gut belegt: Die taz zeigt etwa, dass die Behauptung, Aserbaidschan kaufe mit Entwicklungshilfegeldern Frankfurter Immobilien, sachlich falsch ist - wie die Hessenschau berichtete, hält der aserbaidschanische Staatsfonds zwar Anteile an einem Frankfurter Behördenzentrum, diese wurden aber nicht mit Entwicklungsgeldern bezahlt. Auch Eva Hermans Behauptung, USAID habe mit 31 Millionen Dollar "Massenmigration nach Deutschland gefördert", wird konkret widerlegt: Die Gelder flossen für Visumsbearbeitung von US-Amerikanern und lokalen Mitarbeitenden an der Militärbasis Kaiserslautern. Die prorussische "Operation Overload" nutzte das Thema, um über angeblich bezahlte Prominenten-Reisen in die Ukraine zu lügen - ein Video dazu erreichte in Deutschland Millionen Aufrufe auf X.

Fazit

Der Artikel ist eine solide journalistische Aufarbeitung der CeMAS-Studie mit konkreten, verifizierbaren Beispielen für Falschbehauptungen und ihren Richtigstellungen. Die beschriebenen Mechanismen - Übernahme US-amerikanischer Verschwörungsnarrative, Instrumentalisierung durch pro-russische Akteure, gezielte Verbreitung über automatisierte Telegram-Accounts - sind gut dokumentiert und nachvollziehbar eingeordnet.

Verwendungen

Lagerfeuer