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Stand: 01.10.2026

Tichy/Ludwig: 40-köpfige Migranten-Bande in Potsdam

Irreführend

Link Beschreibung

Video-Interview von Roland Tichy und Klaus-Rüdiger Mai mit der CDU-Bundestagsabgeordneten Saskia Ludwig, veröffentlicht am 30. September 2026. Ludwig spricht von einer rund 40-köpfigen migrantischen Gruppe, die eine Privatfeier in Potsdam überfallen habe; ein Jugendlicher liege bewusstlos im Krankenhaus, die Gruppe "terrorisiere" die Stadt seit über einem Jahr.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Im Gespräch selbst klingt Ludwig vorsichtiger als die Überschrift. Sie sagt, sie habe von einem Bekannten erfahren, dass dessen Sohn bewusstlos im Krankenhaus liege, nach einer "Gäng von 40 migrantischen Jugendlichen", die eine Privatparty gestürmt habe. Von einem weiteren Bekannten habe sie gehört, dass am Freitagabend das Gleiche passiert sei. Die Gruppe gebe es "wohl" schon seit über einem Jahr, sie terrorisiere "wohl" Potsdam. Auf die Frage, ob die Polizei nichts tue, antwortet sie: "Das kann ich so nicht sagen", sie habe sich noch nicht intensiv darum kümmern können. Es ist also Weitergegebenes aus zweiter und dritter Hand. Der Vorspann von Tichys Einblick macht daraus eine Tatsache: Er spricht von einem "brutalen Angriff einer 40-köpfigen migrantischen Gang", die Überschrift von einer "Migranten-Bande", die die Stadt terrorisiere.

Was die Polizei zu den Tagen mitgeteilt hat, passt dazu nur teilweise. Zum Freitagabend (25. September) meldet die Polizei laut dpa im Nordkurier und Tagesspiegel einen Vorfall auf einem Villengrundstück in der Nauener Vorstadt: Etwa 20 Personen wurde der Zutritt zu einer Geburtstagsfeier verwehrt, sie rüttelten am Zaun, einige gelangten ins Haus und nahmen einen Autoschlüssel mit, mit dem Mercedes des Hausbesitzers fuhren die Täter einige Meter. Ein 17-Jähriger räumte ein, den Wagen geöffnet und gestartet zu haben. Die Polizei stellte drei Jugendliche im Alter von 15 und 17 Jahren und identifizierte laut Tagesspiegel mehr als zwölf Personen; die Jugendlichen wurden ihren Erziehungsberechtigten übergeben, es wurden Beweise gesichert und Ermittlungen eingeleitet. Von Verletzten ist in beiden Berichten keine Rede, Angaben zur Herkunft machen sie nicht. Dass dieser Vorfall zur selben Gruppe gehört wie der Samstagsfall, den Ludwig schildert, ist nicht belegt.

Für den Samstag, an dem es laut Ludwig drei Verletzte und einen bewusstlosen Jugendlichen gab, fand sich in den Meldungen der Polizei Brandenburg und in der Berichterstattung keine Meldung über einen Angriff auf eine Privatparty. Das heißt nicht, dass es ihn nicht gab; ein Beleg ist es aber auch nicht. Die Polizeimeldung zum Samstagabend betrifft einen anderen Fall: einen Raubüberfall am Hauptbahnhof durch eine etwa zehnköpfige männliche Jugendgruppe, bei dem eine 15-Jährige leicht am Rücken verletzt wurde.

Dass es in Potsdam ein Problem mit Jugendgruppen gibt, ist dagegen belegt. Der Tagesspiegel berichtet von einer Serie von Raubdelikten in der Innenstadt und den südlichen Stadtteilen mit mehr als einem Dutzend Fällen in drei Monaten; die Polizei meldete Ende September erste Fahndungserfolge und mehrere identifizierte Tatverdächtige. Beide Artikel sind nur teilweise frei lesbar. Dass dahinter eine einzige, 40-köpfige Gruppe steckt, die seit über einem Jahr unbehelligt agiert, oder dass es sich um Migranten handelt, geht aus keiner dieser Meldungen hervor. Ob die Polizei die Gruppe "laufen lässt", wie Ludwig andeutet, ist ebenfalls nicht belegt: In den bekannten Fällen hat sie Verdächtige gestellt oder identifiziert.

Fazit

Die Darstellung ist irreführend. Belegt sind Jugendgruppen-Kriminalität in Potsdam und ein Vorfall am 25. September mit rund 20 Beteiligten, drei gestellten Jugendlichen und ohne gemeldete Verletzte. Die Zahl 40, die Herkunft "migrantisch", die Verletzten am Samstag und die Behauptung einer seit einem Jahr unbehelligten Bande stammen dagegen allein aus Ludwigs Hörensagen, das sie selbst teilweise relativiert. Tichys Einblick stellt sie als gesicherte Tatsache dar.