Link Beschreibung
"Einwurf" 01/2026 der Bertelsmann Stiftung, verfasst von Robert Vehrkamp und Martha Posthofen, erschienen im Februar 2026. Grundlage ist ein YouGov-Datensatz mit 12.000 Fällen, der für die wahlberechtigte Bevölkerung bei der Bundestagswahl 2025 stratifiziert wurde.
Kernbefund: Fast die Hälfte der Wahlberechtigten (49 Prozent) hat 2025 anders entschieden als 2021. Für die AfD schlüsselt die Studie das Rekordergebnis auf. Nur 38 Prozent ihrer Wählerschaft waren Stammwähler, obwohl die Partei mit 86 Prozent die höchste Haltequote aller Parteien hatte. Mehr als sechs von zehn AfD-Wählern (62 Prozent) hatten 2021 nicht für die AfD gestimmt. Die Zugewinne erklären sich zu 19 Prozent aus der Mobilisierung früherer Nichtwähler und zu 41 Prozent aus Gewinnen von anderen Parteien. In absoluten Zahlen wanderten rund 2 Millionen Nichtwähler zur AfD, von CDU/CSU, FDP und SPD zusammen kamen etwa 3 Millionen.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Methodik, Stichprobendesign und Fehlertoleranzen sind vollständig ausgewiesen. Der Ansatz, gespeicherte Panel-Angaben aus zwei Zeitpunkten zu vergleichen statt rückblickend nach dem Wahlverhalten von 2021 zu fragen, umgeht ein bekanntes Problem klassischer Nachwahlbefragungen: Menschen erinnern ihre frühere Wahlentscheidung systematisch falsch, meist zugunsten des späteren Siegers.
Die Autoren schränken ihre eigenen Nichtwähler-Zahlen ausdrücklich ein. Ein erheblicher Teil der Nichtwählenden, gerade jene, die sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurückgezogen haben, nimmt an Panel-Befragungen gar nicht erst teil. Ergebnisse zu dieser Gruppe bezeichnen sie deshalb selbst nur als Tendenzen. Wer die Studie für Aussagen über Nichtwähler heranzieht, muss diesen Vorbehalt mitzitieren.
Fazit
Für die Frage, woher der AfD-Zuwachs 2025 kam, ist das die derzeit belastbarste Schätzung. Sie widerspricht der verbreiteten Vorstellung, das Wachstum der Partei speise sich vor allem aus dem Nichtwählerlager: Der Zufluss von anderen Parteien war mehr als doppelt so groß.
