Link Beschreibung
Studie von Robert Vehrkamp und Klaudia Wegschaider für die Bertelsmann Stiftung, veröffentlicht am 6. Oktober 2017. Um zu bestimmen, wer bei der Bundestagswahl 2017 mobilisiert wurde, verbindet sie Wahlergebnisse auf Stimmbezirksebene mit den Sinus-Milieus.
Der zentrale Befund betrifft die soziale Spaltung der Wahlbeteiligung, also den Abstand zwischen Stimmbezirken mit hoher und niedriger Beteiligung. Erstmals seit 1998 verringerte sich dieser Abstand 2017 deutlich, von 29,5 auf 26,7 Prozentpunkte, weil die Beteiligung in den sozial prekären Stimmbezirken mehr als doppelt so stark stieg wie in den wirtschaftlich starken. Die Studie nennt das einen "AfD-Effekt".
Im Milieu der Prekären lag die geschätzte Wahlbeteiligung bei nur rund 58 Prozent, etwa zwanzig Prozentpunkte unter dem bundesweiten Wert. Genau dort erzielte die AfD mit 28 Prozent ihr stärkstes Ergebnis, ein Zuwachs von 18 Prozentpunkten gegenüber 2013. Knapp 63 Prozent aller Wahlberechtigten in diesem Milieu wählten gar nicht, eine sonstige Partei oder die AfD.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Als Beleg für den Zusammenhang von niedriger Wahlbeteiligung und AfD-Stärke wird diese Studie häufiger zitiert als jede andere. Zugleich zeigt sie das Gegenteil dessen, wofür sie in Anspruch genommen wird. Wer hofft, eine steigende Beteiligung in armen Vierteln schwäche die AfD, findet hier den Fall, in dem genau diese Mobilisierung tatsächlich stattfand. Profitiert hat davon die AfD.
Zur Einordnung gehört die Reichweite der Methode. Weil die Milieuzuordnung Stimmbezirksdaten mit Marktforschungsdaten verknüpft, ist sie eine Schätzung und keine Auszählung, und sie erlaubt Aussagen über Gebiete, nicht über einzelne Wählerinnen und Wähler.
Fazit
Solide Datenbasis, aber ein Befund, der gegen den Strich der gängigen Zitierweise geht. Mobilisierung hat für sich genommen keine politische Richtung.
