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Stand: 07.04.2026

WSI-Verteilungsbericht 2025: Mehr Ungleichheit, weniger politische Teilhabe

Wahr

Link Beschreibung

WSI-Verteilungsbericht 2025 von Dorothee Spannagel (WSI Report Nr. 108, November 2025). Der Gini-Koeffizient der Einkommensverteilung erreichte 2022 mit 0,310 den höchsten Wert seit Beginn des SOEP 1984 (2010: 0,282). Die Armutsquote stieg im gleichen Zeitraum von 14,4 % auf 17,7 %. Der Bericht stellt zudem einen Zusammenhang zwischen wachsender Einkommensungleichheit und schwindendem Vertrauen in demokratische Institutionen her.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Der WSI-Verteilungsbericht 2025 basiert auf dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP), einer jährlichen Panelbefragung des DIW Berlin in 22.000 Haushalten, und stützt sich damit auf eine der robustesten Datenquellen zur Einkommensverteilung in Deutschland. Die Kerndaten des Berichts, Gini-Wert 0,310 im Jahr 2022 als Höchststand seit 1984, Armutsquote von 17,7 Prozent, sind methodisch nachvollziehbar und stützen sich auf dieselbe Datengrundlage, die auch das DIW selbst zur Einkommensanalyse heranzieht. Der DIW-Wochenbericht zur Einkommensungleichheit bestätigt unabhängig von der Böckler-Stiftung den beschriebenen Wiederanstieg der Ungleichheit.

Allerdings sind die genauen Werte von der Datenquelle abhängig. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) kommt in seinem IW-Verteilungsreport 2025 auf Basis von EU-SILC und Mikrozensus zu einem anderen Bild: Demnach sei die Einkommensverteilung "im Wesentlichen stabil" auf einem Gini-Niveau von rund 0,3 oder knapp darunter. Der Unterschied liegt hauptsächlich in der Erhebungsmethodik, das SOEP erfasst Jahreseinkommen und bildet die Ränder der Verteilung genauer ab.

Der Befund zur Wahlbeteiligung und Wahlentscheidung (arme Haushalte wählen überproportional AfD und Linke bei der Bundestagswahl 2025) stammt aus der WSI-Erwerbspersonenbefragung und wird durch unabhängige Analysen gestützt, etwa eine Tagesspiegel-Auswertung zu Einkommen und Wahlabsichten auf Basis von Uni-Leipzig-Daten (2024), die ein ähnliches Muster bei den Wahlabsichten vor der Bundestagswahl 2025 beschreibt.

Die politischen Handlungsempfehlungen der Autorin Dorothee Spannagel und der WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch (Stärkung von Tarifverträgen, Vermögenssteuer, höherer Spitzensteuersatz) sind Positionen, die dem gewerkschaftlichen Umfeld der Hans-Böckler-Stiftung entsprechen und als solche einzuordnen sind, die empirischen Grundlagen des Berichts sind jedoch unabhängig davon solide.

Fazit

Der WSI-Verteilungsbericht 2025 liefert methodisch belastbare Daten zum Anstieg der Einkommensungleichheit in Deutschland auf Basis des SOEP. Die Kerndaten werden durch unabhängige DIW-Analysen bestätigt; die abweichenden IW-Zahlen erklären sich durch andere Erhebungsmethoden, nicht durch fehlerhafte Daten. Die politischen Schlussfolgerungen des Berichts spiegeln die gewerkschaftliche Perspektive der Stiftung wider und sollten als solche gelesen werden.

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