Link Beschreibung
Beitrag vom 5. September 2026, Autor Joe Bastardi, übersetzt von Chris Frey. Bastardi argumentiert, die globale Mitteltemperatur sei als Kennzahl für Extremwetter irreführend, und führt zwei Mechanismen an: Höhere Atmosphärenschichten erwärmten sich stärker als die Oberfläche, was die Atmosphäre stabilisiere und Konvektion dämpfe, und die polare Verstärkung verringere den Temperaturgradienten zwischen Äquator und Pol, womit großräumigen Wirbelstürmen der Antrieb fehle. Verglichen werden die Jahrzehnte 1976 bis 1985 und 2016 bis 2025 auf den Druckniveaus 250, 500, 850 und 1000 hPa, ohne konkrete Zahlenwerte zu nennen.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Die Argumentation stützt sich nicht auf eine eigene Datenauswertung, sondern auf ein Frage-Antwort-Gespräch mit dem KI-Sprachmodell Grok, dem Bastardi vier Kartenausschnitte der Atmosphäre vorlegt und das seine eigenen Schlussfolgerungen anschließend bestätigt. Die beiden angeführten Mechanismen sind getrennt zu bewerten.
Der erste Mechanismus, wonach eine stärkere Erwärmung der oberen Luftschichten die Atmosphäre stabiler macht und Konvektion dämpft, beschreibt für sich genommen einen bekannten physikalischen Zusammenhang. Für die tatsächlich gemessene Entwicklung ist er aber nicht ausschlaggebend: Eine Auswertung von Radiosonden-Daten für die Jahre 1979 bis 2020 zeigt für den Großteil der Landflächen der Nordhalbkugel eine Zunahme instabiler statt stabiler Wetterlagen, um 8 bis 32 Prozent, vor allem wegen höherer Luftfeuchtigkeit und höherer Temperaturen in Bodennähe (University at Albany: Study: Climate Change Has Increased Atmospheric Instability Over Past 40 Years (2023)). Die real gemessene Atmosphäre ist seit 1979 instabiler geworden, nicht stabiler, und damit anfälliger für Gewitter und Starkregen statt weniger anfällig.
Der zweite Mechanismus, das schwächere Temperaturgefälle zwischen Äquator und Pol durch die stärkere Erwärmung der Arktis, greift tatsächlich ein in der Forschung diskutiertes Phänomen auf. Über die thermische Windbalance schwächt ein geringeres Gefälle die Windscherung und damit die barokline Instabilität, aus der große außertropische Tiefdrucksysteme ihre Energie beziehen; für die Sommermonate der Nordhalbkugel ist seit 1979 tatsächlich eine Abschwächung der Sturmbahnen um etwa 15 Prozent gemessen worden (Nature Communications: The influence of Arctic amplification on mid-latitude summer circulation (2018)). Welchen Anteil die arktische Erwärmung daran gegenüber anderen Einflüssen hat, gilt in derselben Übersichtsarbeit ausdrücklich als noch nicht abschließend geklärt. Entscheidend für die hier geprüfte Behauptung ist aber etwas anderes: Dieselbe Fachliteratur beschreibt schwächere Sturmbahnen nicht als Entwarnung, sondern als Ursache für anhaltendere Hitze- und Dürrephasen, weil ausbleibende Tiefdruckgebiete stabilen Hochdrucklagen mit Aufheizung und Austrocknung Platz machen. Der Mechanismus, den Bastardi als Beleg gegen "immer extremeres Wetter" anführt, wird in der von ihm sinngemäß herangezogenen Forschung also gerade mit einer anderen Form von Extremwetter in Verbindung gebracht.
Selbst wenn beide Mechanismen exakt wie beschrieben wirkten, deckten sie nur einen schmalen Ausschnitt ab: die Dynamik großräumiger außertropischer Tiefdrucksysteme. Über Hitzeextreme, Starkregen, Dürre oder tropische Wirbelstürme sagen sie nichts, weil diese anderen physikalischen Mechanismen folgen, etwa der höheren Wasserdampfkapazität wärmerer Luft. Genau in diesen Kategorien verzeichnet der sechste Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC durchgehend Zunahmen: Hitzeextreme sind seit den 1950er Jahren so gut wie sicher häufiger und intensiver geworden, laut IPCC mit hohem Vertrauen hauptsächlich durch den Menschen verursacht. Starkregenereignisse haben über den meisten ausreichend beobachteten Landflächen mit hohem Vertrauen an Häufigkeit und Intensität zugenommen. Der Anteil der stärksten tropischen Wirbelstürme der Kategorien 3 bis 5 ist über die vergangenen vier Jahrzehnte wahrscheinlich gestiegen. Und gleichzeitige Hitzewellen und Dürren treten mit hohem Vertrauen häufiger auf als früher (IPCC AR6 WG1: Summary for Policymakers (2021)). Keine dieser vier Kategorien wird von den beiden im Beitrag angeführten Mechanismen erfasst.
Fazit
Die Behauptung, wärmeres Klima bringe insgesamt weniger statt mehr Extremwetter, ist irreführend. Der erste angeführte Mechanismus mag als physikalische Einzelbeziehung zutreffen, wird aber durch die tatsächlich gemessene Zunahme atmosphärischer Instabilität für die reale Entwicklung entkräftet. Der zweite greift ein echtes, noch nicht abschließend geklärtes Forschungsthema auf, deutet es aber in eine Richtung, die der zitierten Fachliteratur widerspricht: Schwächere Sturmbahnen gelten dort als Treiber anhaltenderer Hitze- und Dürrephasen, nicht als Grund zur Entwarnung. Für die übrigen Extremwetterarten, bei denen der IPCC durchgehend Zunahmen dokumentiert, liefert der Beitrag ohnehin kein Argument.
