Link Beschreibung
Pressemitteilung der AfD-Bundestagsfraktion vom 10. September 2026. Der finanzpolitische Sprecher Kay Gottschalk greift die Zahlen des Statistischen Bundesamts für August 2026 auf: Inflationsrate 2,9 Prozent, Energie plus 10,5 Prozent, Kraftstoffe plus 27,7 Prozent. Er führt die Teuerung auf "eine Politik" zurück, die "Energie systematisch verteuert", und nennt als Ursachen CO2-Abgabe, hohe Energiesteuern und eine "ideologische Energiepolitik". Daraus leitet die Mitteilung die eigenen Gesetzentwürfe ab: Energie- und Stromsteuersenkung, Umsatzsteuersenkung auf Gas und Wärme, Abschaffung des CO2-Preises und Erhöhung der Pendlerpauschale.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Die drei Zahlen im Vorspann stimmen. Das Statistische Bundesamt bestätigt in seiner Pressemitteilung zum Verbraucherpreisindex August 2026: Die Inflationsrate lag im August bei 2,9 Prozent, Energieprodukte insgesamt verteuerten sich binnen Jahresfrist um 10,5 Prozent, Kraftstoffe um 27,7 Prozent. Destatis-Präsidentin Ruth Brand nennt darin aber selbst eine andere Ursache als Gottschalk: "Besonders deutlich hat sich die vor allem durch den Iran-Krieg verursachte Teuerung der Energie bei den Kraftstoffen gezeigt." Der seit Kriegsbeginn gestiegene Ölpreis schlägt sich laut Destatis unmittelbar an den Zapfsäulen nieder.
Wie groß der Anteil der CO2-Abgabe an dieser Entwicklung tatsächlich ist, lässt sich nachrechnen. 2025 lag der nationale CO2-Preis fest bei 55 Euro je Tonne, 2026 wird er erstmals in einem Korridor zwischen 55 und 65 Euro versteigert. Nach Berechnung des ADAC könnte die Abgabe dadurch 2026 "maximal um knapp 3 Cent je Liter Benzin und um etwas mehr als 3 Cent pro Liter Diesel im Vergleich zu 2025" steigen. Auf ähnliche Werte kommt das Bundesumweltministerium in seiner Pressemitteilung zu den Entlastungen ab 2026: am oberen Ende des Korridors von 65 Euro plus 2,8 Cent bei Benzin und plus 3,2 Cent bei Diesel gegenüber 2025, am unteren Ende von 55 Euro gar keine Veränderung. Anfang September 2026 kostete Super E10 laut ADAC 2,183 Euro, Diesel 2,232 Euro. Für die Preishöhe ist die Abgabe durchaus spürbar: Mit 15,7 bis 18,6 Cent je Liter Benzin und 17,3 bis 20,5 Cent je Liter Diesel steckt sie mit rund sieben bis neun Prozent im Literpreis. Nur erklärt das nicht den Anstieg, um den es geht. Gestiegen ist sie gegenüber 2025 um höchstens 2,8 beziehungsweise 3,2 Cent, und Kraftstoff kostete im August 2026 rund 47 Cent mehr als ein Jahr zuvor. Von den 27,7 Prozent gehen damit weniger als zwei Prozentpunkte auf die CO2-Abgabe zurück. Der ADAC hält in seiner Spritpreis-Mitteilung fest, dass sich das Preisniveau nicht allein mit dem Rohölmarkt erklären lässt: Super E10 verteuerte sich binnen einer Woche deutlich, während Diesel trotz gestiegener Rohölnotierungen leicht günstiger wurde. Eine Ursache dafür nennt der Club nicht, er hält die Preise aber weiterhin für zu hoch.
Nicht alle Energiepreise sind gestiegen. Destatis zufolge sanken Strom binnen Jahresfrist um 5,5 Prozent, Erdgas einschließlich Betriebskosten um 2,9 Prozent und Fernwärme um 1,0 Prozent. Haushaltsenergie insgesamt wurde dadurch um 0,7 Prozent günstiger als im Vorjahr. Diese Rückgänge führt die Behörde "teilweise auf die bereits seit Jahresbeginn umgesetzten Maßnahmen der Bundesregierung zurück". In der Pressemitteilung kommen sie nicht vor. Genau die Regierungspolitik, die Gottschalk als Ursache der Teuerung benennt, hat bei Strom, Gas und Fernwärme also gegenteilig gewirkt.
Eine steuerliche Ursache für höhere Zapfsäulenpreise gibt es allerdings, und sie ist größer als die CO2-Abgabe: den ausgelaufenen Tankrabatt. Die befristete Absenkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel endete zum 30. Juni 2026, weil die Koalition eine Verlängerung wegen Mindereinnahmen von rund 1,6 Milliarden Euro ablehnte. Damit entfiel laut Auto Motor und Sport eine Entlastung von rund 16,7 Cent je Liter, gut das Fünffache dessen, was die CO2-Abgabe gegenüber dem Vorjahr ausmacht. Für die Zahl, auf die Gottschalk sich beruft, spielt das trotzdem keine Rolle: Die 27,7 Prozent sind ein Vergleich mit dem August 2025, und damals galten dieselben vollen Steuersätze wie im August 2026. Der Tankrabatt erklärt den Preissprung von Juni auf Juli, nicht den Abstand zum Vorjahr. Destatis hält für den Monatsvergleich sogar ausdrücklich fest: "Obwohl der sogenannte Tankrabatt bereits am 30. Juni 2026 ausgelaufen war, wurden Kraftstoffe im August 2026 gegenüber dem Vormonat erneut teurer" (plus 3,1 Prozent).
Zutreffend ist auch Gottschalks Hinweis auf die Europäische Zentralbank. Am 10. September 2026, dem Tag der Pressemitteilung, hob sie den Einlagensatz um einen Viertelpunkt auf 2,50 Prozent an. Die LBBW ordnet den Schritt als Antwort auf den Preisauftrieb bei den Energiekosten im gesamten Euroraum ein; der Ölpreis war Mitte der Woche über 100 Dollar je Barrel gesprungen. Die EZB entscheidet für die Währungsunion, deutsche Steuersätze sind nicht ihr Thema.
Fazit
Die drei Ausgangszahlen der Pressemitteilung sind korrekt aus der Destatis-Statistik übernommen, ebenso die Angaben zum ausgelaufenen Tankrabatt und zur EZB-Zinserhöhung. Irreführend ist die Zuschreibung "hausgemacht: CO2-Abgabe, hohe Energiesteuern und eine ideologische Energiepolitik". Die CO2-Abgabe steckt zwar mit sieben bis neun Prozent im Literpreis, gestiegen ist sie gegenüber dem Vorjahr aber um höchstens gut drei Cent. Von den 27,7 Prozent erklärt sie damit weniger als zwei Prozentpunkte, während Destatis den Ausschlag selbst vor allem dem Iran-Krieg und dem gestiegenen Ölpreis zuschreibt. Die Steuer, die den Sprit tatsächlich spürbar verteuert hat, ist der ausgelaufene Tankrabatt, und der erklärt den Sprung von Juni auf Juli, nicht den Abstand zum Vorjahr. Zudem blendet die Mitteilung aus, dass Strom-, Gas- und Fernwärmepreise im gleichen Zeitraum sanken, teils wegen genau der staatlichen Maßnahmen, die Gottschalk als Ursache der Teuerung nennt.
