Kay Gottschalk
Finanzpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Mitglied des Bundestags seit 2017, stellvertretender AfD-Bundessprecher.

Über die Quelle
Kay Gottschalk (* 12. Dezember 1965 in Hamburg) ist seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestags für die Die "Alternative für Deutschland". Nach dem Abitur 1985 absolvierte er eine Banklehre und ein Doppelstudium der Betriebswirtschaftslehre und Jura als Diplom-Kaufmann. Anschließend arbeitete er in Führungspositionen bei Versicherungskonzernen, darunter HDI, Nürnberger und Zurich (Deutscher Bundestag: Biografie; AfD-Bundestagsfraktion: Profil). Vor seinem Parteiwechsel war Gottschalk ab 1982 Mitglied der SPD, 2013 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der AfD (Der Dompteur: Kay Gottschalk, Das Parlament, 21. Dezember 2023).
Gottschalk zog über die Landesliste Nordrhein-Westfalen (Wahlkreis 110, Viersen) in den Bundestag ein. Er ist Finanzpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag und in der laufenden Wahlperiode Obmann im Finanzausschuss; von 2017 bis 2021 war er einfaches Mitglied dieses Ausschusses. Von Oktober 2020 bis Juni 2021 leitete er als Vorsitzender den 3. Untersuchungsausschuss zur Wirecard-Affäre (Deutscher Bundestag: Biografie). Anfang Januar 2025 wählte ihn der Landesparteitag der AfD NRW mit rund 61 Prozent der Delegiertenstimmen (292 von 488) zum Spitzenkandidaten der NRW-Landesliste für die Bundestagswahl 2025; im selben Artikel wird er als stellvertretender Bundesvorsitzender der AfD und Vize-Chef der NRW-AfD geführt (Mindener Tageblatt: NRW-AfD wählt Kay Gottschalk an die Spitze der Landesliste, 3. Januar 2025).
Ein Porträt des Bundestagsmagazins "Das Parlament" beschrieb Gottschalk Ende 2023 als Vertreter des eher gemäßigten Flügels der Partei, der die AfD als "konservative SPD" bezeichnet und sich von radikaleren Parteikolleginnen und -kollegen abgrenzt (Der Dompteur: Kay Gottschalk, Das Parlament, 21. Dezember 2023). Diese Einordnung steht in Spannung zu seinem Auftreten Ende Mai 2026: Gemeinsam mit der Brandenburger AfD-Landtagsabgeordneten Lena Kotré nahm er an einem internationalen "Remigrationsgipfel" im portugiesischen Porto teil, bei dem der österreichische Rechtsextremist Martin Sellner als Hauptredner auftrat. Gottschalk erklärte gegenüber dem Tagesspiegel, er sei nur als "Zuhörer" und "Besucher" anwesend gewesen (Tagesspiegel: "Niemand kommt rein und Millionen fliegen raus", 31. Mai 2026). CORRECTIV berichtete darüber hinaus, Gottschalk habe dort den früheren US-Grenzschutzkommandeur Gregory Bovino als "legendär" bezeichnet und diesem einen Austausch im Bundestag über US-Abschiebepraxis angeboten, nachdem Bovino ihm gesagt habe, er sei "nur einen Anruf entfernt" (Correctiv: "Remigrations"-Gipfel: AfD sucht Nähe zu Sellner und US-Hardlinern, 1. Juni 2026).
Bereits 2018 geriet Gottschalk in die Kritik, als er bei einer AfD-Veranstaltung in Krefeld dazu aufrief, türkische Geschäfte in Deutschland zu boykottieren, mit der Begründung, "70 Prozent" der Inhaber folgten Erdogan. Nach Strafanzeigen wegen Volksverhetzung stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren in der Vorprüfung ein: Oberstaatsanwalt Axel Stahl begründete dies damit, die Äußerung sei "im großen Zusammenhang mit Erdogan" gefallen und erfülle nicht den Tatbestand der Volksverhetzung (Westdeutsche Zeitung: AfD-Politiker Gottschalk darf Boykott türkischer Läden fordern).
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Faktenfackel Bewertung
Gottschalk ist als Finanzpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion und Obmann im Finanzausschuss eine der zentralen Stimmen der Fraktion in Haushalts- und Finanzfragen; seine Pressemitteilungen und Reden zu diesem Themenfeld sind entsprechend als offizielle Parteiposition zu lesen, nicht als neutrale Einordnung. Faktenfackel hat bislang einen von ihm mitgezeichneten Text geprüft: In der Pressemitteilung zum Schuldenkurs der Bundesregierung stammte die zentral geprüfte Zahl (mehr als eine Billion Euro Neuverschuldung bis 2030) allerdings aus dem Vorspann der Fraktion und nicht aus Gottschalks eigenem, wörtlichem Zitat; seine tatsächlichen Aussagen zu Zinsausgaben und Bonität waren vorsichtiger formuliert und im Kern zutreffend beziehungsweise nicht widerlegt. Aus diesem einzelnen Fall lässt sich noch kein belastbares Muster für seine sachliche Verlässlichkeit ableiten.
Für die Einordnung seiner politischen Positionierung ist relevant, dass Gottschalk lange als Vertreter des moderateren AfD-Flügels beschrieben wurde, sich öffentlich aber im Mai 2026 an der Seite des Rechtsextremisten Martin Sellner bei einem internationalen "Remigrationsgipfel" zeigte und dort Kontakte zu US-Hardlinern der Trump-Regierung suchte. Das relativiert das Bild eines rein gemäßigten Vertreters, auch wenn Gottschalk seine Rolle dort selbst als passiv darstellte.
Fazit
Als offizieller finanzpolitischer Sprecher ist Gottschalk eine relevante Primärquelle für die Positionen der AfD-Bundestagsfraktion in der Haushaltspolitik, deren Aussagen aber wie bei jedem Parteivertreter kritisch zu prüfen sind. Zur sachlichen Verlässlichkeit seiner Aussagen liegt bislang nur ein geprüfter Fall vor, der kein klares Muster zulässt. Seine Teilnahme am Remigrationsgipfel 2026 zeigt zugleich, dass die frühere Einordnung als moderater Flügelvertreter nicht mehr uneingeschränkt gilt.