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Stand: 10.04.2026

Trickle-Down-Theorie widerlegt: Nichts ist durchgesickert

Link Beschreibung

YouTube Community Post von Robert Reich (Crosspost von Bluesky @rbreich.bsky.social): "Spoiler alert: nothing trickled down." (Übersetzung: "Spoiler-Alarm: Nichts ist durchgesickert.") Zeigt eine FRED-Grafik (Federal Reserve Bank of St. Louis) mit Corporate Profit vs. Corporate Income Tax von 1988 bis 2023. Die Unternehmensgewinne sind von ca. 200 Mrd. auf über 3.000 Mrd. Dollar gestiegen, während die Unternehmenssteuern kaum gewachsen sind (von ca. 100 Mrd. auf ca. 400 Mrd.). Reichs Aussage: Die Trickle-Down-Theorie hat nicht funktioniert.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die von Reich verwendeten Daten stammen aus zwei offiziellen FRED-Serien der Federal Reserve Bank of St. Louis: CP (Corporate Profits After Tax) und B075RC1Q027SBEA (Federal Government Tax Receipts on Corporate Income). Beide basieren auf Daten des U.S. Bureau of Economic Analysis und sind methodisch unumstritten.

Die Darstellung ist korrekt: Unternehmensgewinne nach Steuern haben sich im Zeitraum 1988 bis 2023 vervielfacht, während die Einnahmen aus der Unternehmenssteuer deutlich langsamer gewachsen sind. Ein wesentlicher Faktor ist die Absenkung des US-Körperschaftsteuersatzes durch den Tax Cuts and Jobs Act (TCJA) von 2017, der den Spitzensteuersatz von 35 % auf pauschal 21 % senkte. Die Tax Foundation dokumentiert, dass der Steuersatz bereits seit den 1980er Jahren schrittweise gesenkt wurde: von 46 % (1986) auf 34 % (1988) und schließlich 21 % (2018).

Die zentrale These, dass Steuersenkungen für Unternehmen und Wohlhabende nicht zu breitem Wirtschaftswachstum oder Wohlstand für alle führen, wird durch umfangreiche Forschung gestützt. Eine vielbeachtete Studie von Hope und Limberg (LSE, 2020) untersuchte die Auswirkungen großer Steuersenkungen für Wohlhabende in 18 OECD-Ländern über 50 Jahre. Das Ergebnis: Steuersenkungen erhöhten den Einkommensanteil des reichsten 1 % der Bevölkerung, hatten aber keinen signifikanten Effekt auf BIP oder Beschäftigung.

Kritisch anzumerken ist, dass die Grafik Nominalwerte zeigt und keine Inflationsbereinigung vornimmt. Inflationsbereinigt wäre der Anstieg der Unternehmensgewinne etwas geringer, der grundlegende Trend bleibt aber bestehen. Zudem ist der Vergleich von absoluten Zahlen (Gewinne vs. Steuereinnahmen) zwar anschaulich, aber die effektive Steuerquote wäre eine präzisere Kennzahl. Laut einem Bericht des U.S. GAO sank die effektive Unternehmenssteuerlast nach dem TCJA deutlich.

Fazit

Die verwendeten FRED-Daten sind korrekt und der dargestellte Trend ist real. Die Schlussfolgerung, dass Steuersenkungen für Unternehmen nicht zu breitem Wohlstand geführt haben, wird durch die wirtschaftswissenschaftliche Forschung weitgehend bestätigt.