Am Abend des 22. Januar 2026 diskutierte die Brandenburger AfD-Landtagsabgeordnete Lena Kotré in einem ehemaligen Autohaus in Vetschau (Spreewald) öffentlich mit dem österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner über "Remigration". Auf die Frage, ob Deutschland "demografisch schon verloren" sei, antwortete sie, das Land müsse für deutsche Familien wieder so attraktiv werden, dass diese genügend Kinder bekämen. Dann fragte sie:
Brauchen wir wirklich 82 Millionen Menschen in diesem Land? Reichen nicht erstmal 60 Millionen aus, bis sich die Geburtenrate wieder erholt hat?
Den Wortlaut dokumentieren CORRECTIV und rbb24 übereinstimmend. Ursprünglich sollte Sellner am selben Tag in Luckenwalde auf Kotrés Einladung sprechen, im Abgeordnetenbüro ihres Mannes, des Bundestagsabgeordneten Steffen Kotré. Nach einer Intervention der Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla zog Kotré die Einladung zurück. Sellner lud sie daraufhin zu einer eigenen Veranstaltung ein, und sie sagte zu (NZZ, tagesschau).
Faktenfackel Bewertung
Auf welchem Weg Deutschland von 82 auf 60 Millionen Einwohner schrumpfen soll, sagt Kotré nicht. Ob sie an Abschiebungen, an ausbleibende Zuwanderung oder an beides dachte, lässt der Satz offen. Die Zahl lässt sich aber an dem messen, was sie an diesem Abend sonst sagte. Gleich zu Beginn versicherte sie, das Remigrationskonzept der AfD ziele "nicht auf Staatsbürger" (CORRECTIV). Bis 60 Millionen fehlen nach ihrer eigenen Rechnung 22 Millionen Menschen. Im Ausländerzentralregister waren Ende 2025 rund 14,07 Millionen ausländische Staatsangehörige mit Wohnort in Deutschland erfasst (Destatis). Selbst wenn jede dieser Personen das Land verließe, blieben zu Kotrés Zielmarke noch rund acht Millionen übrig. Zum Vergleich: Für Brandenburg nannte sie an dem Abend "etwas über 5000 vollziehbar ausreisepflichtige Personen" (NZZ). Der Kölner Rechtsprofessor Markus Ogorek sagte CORRECTIV zu Forderungen nach "millionenfacher" Remigration, schon die schiere Zahl weise darauf hin, dass "wohl auch Staatsbürger betroffen sein müssten".
Der Satz fiel auch nicht isoliert. Kotré bekannte sich an dem Abend zu einer "ethnokulturellen Gesellschaft", sagte, kulturfremde Einwanderung habe "selbstverständlich auch etwas mit Biologie zu tun", und regte an, zu einem "Abstammungsprinzip" zurückzukehren (rbb24, CORRECTIV). Menschen aus dem "arabisch-islamischen Kulturkreis" beschrieb sie pauschal als Problem und fügte hinzu: "Wenn das Rassismus ist, dann ist es eben Rassismus, dann bin ich ein Rassist" (rbb24). Das Bundesverwaltungsgericht hat im Compact-Urteil festgehalten, dass Vorstellungen, die von einer zu bewahrenden "ethnokulturellen Identität" ausgehen, "deutsche Staatsangehörige mit Migrationshintergrund als Staatsbürger zweiter Klasse" behandeln und damit die Menschenwürde missachten (BVerwG, Pressemitteilung 48/2025). Das Gericht bezog sich dabei auf Sellners Remigrationskonzept, nicht auf Kotré. Sie selbst sagte in Vetschau über ihr Verhältnis zu Sellners Ideen, man komme "doch relativ nah aneinander heran" (CORRECTIV).
Den gemeinsamen Auftritt insgesamt ordnet der Quellenlink zum Vortrag von Sellner und Kotré ein.
Fazit
Kotré stellt 22 Millionen Menschen weniger in den Raum, ohne zu sagen, wie das gehen soll. Die Zahl liegt deutlich über der Zahl aller Ausländer in Deutschland und passt deshalb nicht zu ihrer Versicherung, das Konzept der AfD betreffe keine Staatsbürger. Zusammen mit ihrem Plädoyer für ein Abstammungsprinzip rückt sie damit selbst an das Remigrationskonzept Sellners heran, das das Bundesverwaltungsgericht als unvereinbar mit der Menschenwürde eingestuft hat.