Markus Frohnmaier
AfD-Bundestagsabgeordneter aus Baden-Württemberg, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Co-Landeschef, 2026 Spitzenkandidat bei der Landtagswahl

Über die Quelle
Markus Frohnmaier, geboren am 25. Februar 1991 im rumänischen Craiova und als Kleinkind von einem deutschen Ehepaar adoptiert, sitzt seit 2017 für die AfD im Bundestag. Er zog jedes Mal über die baden-württembergische Landesliste ein, zuletzt 2025 von Platz zwei; als Wahlkreisbewerber tritt er im Wahlkreis 260 (Böblingen) an (Bundestag: Biografie Markus Frohnmaier, abgeordnetenwatch.de: Markus Frohnmaier). Seit dem 25. Februar 2025 gehört er zu den fünf stellvertretenden Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion, leitet deren Arbeitskreis Auswärtiges und ist außen- und entwicklungspolitischer Sprecher der Fraktion sowie ordentliches Mitglied im Auswärtigen Ausschuss (AfD-Fraktion: Markus Frohnmaier).
Bekannt wurde er als Nachwuchspolitiker: Von Mai 2015 bis Februar 2018 führte er die Junge Alternative, dazwischen arbeitete er als Pressesprecher der damaligen Bundesvorsitzenden Frauke Petry und im Bundestagswahlkampf 2017 für Alice Weidel. Seit 2022 steht er gemeinsam mit Emil Sänze an der Spitze des Landesverbands Baden-Württemberg. Ein Landesparteitag in Heidenheim bestätigte das Duo am 6. Juni 2026 im Amt, Frohnmaier mit 91,25 Prozent (Bayerische Staatszeitung: Frohnmaier und Sänze bleiben AfD-Chefs). Kritik an dieser Landesführung kam unter anderem von Rüdiger Klos.
Bei der Landtagswahl am 8. März 2026 trat Frohnmaier als Kandidat seiner Partei für das Amt des Ministerpräsidenten an, ohne sich selbst um ein Landtagsmandat zu bewerben. Die AfD kam auf 18,8 Prozent und 35 Sitze und wurde damit drittstärkste Kraft hinter Grünen und CDU (Innenministerium Baden-Württemberg: Endgültiges Landesergebnis der Landtagswahl 2026).
Einstufung durch den Verfassungsschutz
Im AfD-Gutachten des Bundesamts für Verfassungsschutz vom Januar 2019 taucht Frohnmaier mehrfach auf. Zu seinem Tweet nach den Ausschreitungen in Chemnitz im August 2018, in dem er es zur "Bürgerpflicht" erklärte, die "todbringende 'Messermigration'" zu stoppen, schreibt das Amt, er zeige damit "Verständnis für illegitime Reaktionen auf die vermeintliche Schwäche des Rechtsstaates" und legitimiere "dadurch mittelbar Angriffe auf das staatliche Gewaltmonopol". An anderer Stelle führt das Gutachten ein Interview von 2016 an, in dem Frohnmaier über Geflüchtete sagte, Merkel überschwemme das Land "mit dem Lumpenproletariat Afrikas und des Orients". Zu einer möglichen Nähe zur islamfeindlichen German Defence League hält das Amt ausdrücklich nur fest, sie werde ihm "durch Medien nachgesagt" (netzpolitik.org: Verfassungsschutz-Gutachten zur AfD).
Kontakte nach Russland
Frohnmaiers Russland-Kontakte sind der am besten dokumentierte Teil seiner Biografie. Er reiste 2015 mit Alexander Gauland zu einem Treffen mit dem Ideologen Alexander Dugin und schrieb für dessen Portal Katehon, das der Oligarch Konstantin Malofejew finanziert. Im April 2016 gründete er zusammen mit dem rechtsextremen Publizisten Manuel Ochsenreiter und dem Polen Mateusz Piskorski das "Deutsche Zentrum für Eurasische Studien", das Wahlbeobachtermissionen in russlandnahen Regionen organisierte. Piskorski wurde wenige Wochen später in Warschau festgenommen, polnische Ermittler werfen ihm Agententätigkeit für Russland vor.
Im April 2019 berichteten Spiegel, ZDF und BBC über interne Papiere aus der russischen Präsidialverwaltung, in denen Frohnmaier als ein "unter absoluter Kontrolle stehender Abgeordneter im Bundestag" beschrieben wird. Frohnmaier wies das zurück, erklärte, er könne mit den Dokumenten nichts anfangen, und sprach von einer Kampagne. Kurz darauf trennte er sich von Ochsenreiter, den er seit September 2018 in seinem Bundestagsbüro beschäftigt hatte und gegen den die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Anstiftung zu einem Brandanschlag auf ein ungarisches Kulturzentrum im ukrainischen Uschhorod ermittelte. Das Verfahren wurde nach Ochsenreiters Tod in Moskau 2021 eingestellt.
Gegenüber CORRECTIV gab Frohnmaier im Februar 2026 an, sein letzter Kontakt "zu diesem Personenkreis" liege "über ein Jahrzehnt" zurück. Die Recherche hält dagegen, dass er 2018 auf der Krim bei einer Konferenz war und Ochsenreiter bis 2019 beschäftigte (CORRECTIV: AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier: Zwischen Moskau und MAGA (13. Februar 2026)). Im Herbst 2025 zog er nach Kritik angekündigte Reisepläne nach Russland zurück.
Parallel dazu haben Vorwürfe der Vetternwirtschaft ihn erreicht: Seine Ehefrau Daria Frohnmaier, zuvor Journalistin bei der regierungsnahen russischen Zeitung Iswestija, arbeitet seit Juli 2025 als Büroleiterin für den AfD-Abgeordneten Johann Martel. Frohnmaier bestreitet einen Beschäftigungsdeal und erklärt, sie habe sich regulär beworben, er sei in die Einstellung nicht eingebunden gewesen (Wikipedia: Markus Frohnmaier).
Zur Einordnung der Partei: Das Bundesamt für Verfassungsschutz stufte die Bundes-AfD 2025 als "gesichert rechtsextremistisch" ein. Das Verwaltungsgericht Köln untersagte die öffentliche Verwendung dieser Einstufung im Februar 2026 per Eilbeschluss, das Hauptsacheverfahren ist offen (CORRECTIV: Wie stuft der Verfassungsschutz die AfD in den Bundesländern ein?).
Links
- Bundestag: Biografie Markus Frohnmaier
- AfD-Fraktion im Bundestag: Markus Frohnmaier
- abgeordnetenwatch.de: Markus Frohnmaier
- Wikipedia: Markus Frohnmaier
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Frohnmaier ist als Quelle in zwei Rollen relevant. Als stellvertretender Fraktionsvorsitzender und außenpolitischer Sprecher spricht er für die AfD-Bundestagsfraktion, seine Pressemitteilungen sind Parteiposition und keine Privatmeinung. Als Landeschef und Ministerpräsidentenkandidat in Baden-Württemberg prägt er zugleich den Ton eines Landesverbands, dessen interne Kritiker ihm autoritäre Strukturen vorwerfen.
Die Belegdecke unterscheidet sich je nach Vorwurf erheblich. Was das Verfassungsschutz-Gutachten von 2019 ihm zuschreibt, steht dort wörtlich und ist nachlesbar, ebenso das Zitat über das "Lumpenproletariat". Die Kontakte nach Russland sind über Jahre durch Reisen, Vereinsgründungen und Veröffentlichungen belegt. Dagegen bleibt die zentrale Formulierung aus der Recherche von 2019, er sei ein Abgeordneter "unter absoluter Kontrolle", eine Einschätzung aus russischen Papieren über ihn, nicht ein Nachweis, dass er tatsächlich gesteuert wurde. Wer sie zitiert, muss diesen Unterschied mitliefern. Frohnmaier bestreitet jede Steuerung, und ein Beleg für Geld- oder Weisungsflüsse ist öffentlich nicht bekannt.
Für unsere Prüfungen heißt das: Seine Aussagen zu Außen-, Russland- und Ukrainepolitik stehen in einem dokumentierten Interessenzusammenhang, der bei der Einordnung gehört. Sachaussagen zu Kriminalität, Migration oder Statistik prüfen wir wie bei jeder anderen Quelle an den Primärdaten, unabhängig davon, wer sie vorträgt.
Fazit
Markus Frohnmaier gehört zur Führungsebene der AfD in Bund und Land und ist damit eine Quelle, deren Aussagen die Partei binden. Sein politisches Profil ist über das Verfassungsschutz-Gutachten von 2019 und über jahrelange, unabhängig recherchierte Russland-Kontakte gut dokumentiert; die Frage einer tatsächlichen Steuerung aus Moskau ist dagegen bis heute unbeantwortet und darf nicht als geklärt dargestellt werden.