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Stand: 22.10.2026

Thormann (AfD) zeigt umstrittene Geste im Landtag MV

Link Beschreibung

Der AfD-Abgeordnete Tommy Thormann zeigte am Ende eines Instagram-Videos aus der konstituierenden Sitzung des Landtags Mecklenburg-Vorpommern am 20. Oktober 2026 eine Handgeste, die auch als rechtsextremes "White Power"-Zeichen genutzt wird. Die AfD-Fraktion sagt, die Geste bedeute "Läuft". Die taz nennt sie in ihrem Bericht eine Neonazi-Geste.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Belegt ist der Vorgang selbst: Thormann bildete in der Sitzung am Dienstag, dem 20. Oktober, mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis, streckte die übrigen Finger aus und lud das Video selbst bei Instagram hoch (ZDFheute: Geste von AfD-Politiker sorgt für Aufregung in Schwerin). Dieselbe Beschreibung liefern die dpa-Meldung im Tagesspiegel und die taz.

Was die Geste bedeutet, ist umstritten. Das Zeichen gilt weltweit als "Okay", unter Tauchern ist es Standard. Laut der Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus nutzen Rechtsextreme es auch als Symbol für "White Power" (Tagesspiegel/dpa). Die Anti-Defamation League beschreibt, dass diese Deutung 2017 als Scherz im Forum 4chan erfunden wurde. Die Geste sei überwiegend harmlos, ein Bezug zu weißer Vorherrschaft lasse sich nur aus dem Kontext mit eindeutigen Hinweisen ableiten, nicht aus der Geste allein (ADL: No, the "OK" Gesture Is Not a Hate Symbol). Die AfD-Fraktion erklärte auf Anfrage, für Thormann bedeute die Geste schlicht "Läuft". Andere Abgeordnete hätten vor der Sitzung ebenfalls Gesten gezeigt, es handle sich nicht um ein politisches Symbol (ZDFheute).

Der Kontext spricht nicht dafür, die Sache als Zufall abzutun, beweist aber auch keine Absicht. Laut dpa hat sich Thormann nicht zum ersten Mal so gezeigt, Details zu früheren Fällen nennt der Bericht nicht. Der Nordkurier schrieb am 5. Oktober, auf Fotos sei Thormann mit Stahlhelm und mit einem White-Power-Zeichen zu sehen, nannte dafür aber keine weiteren Belege (Nordkurier: AfD-Provokation, warum ein Rechtsaußen NGOs und Linke prüft). Am Ostermontag, dem 6. April 2026, hielt ein Video fest, wie Thormann in Sassnitz einer Linken-Gegendemonstration zurief, man werde sie "in Grund und Boden verbieten", sobald die AfD regiere, und sich darauf freue, "wenn morgens um 6 Uhr bei euch die Polizei klingelt". Thormann bestreitet die Zitate nicht, sagt aber, sie seien aus dem Zusammenhang gerissen und hätten sich auf gewaltbereite Linksextreme bezogen (Nordkurier: Drohung gegen Linke-Demo auf Video). Laut Belltower.News, das sich auf Recherchen von Katapult MV beruft, war er 2019 beim Treffen des damaligen "Flügels" der AfD auf Rügen (Belltower.News: AfD MV, das Chaos hinter der Fassade); wir haben das nicht unabhängig nachgeprüft.

Die Fraktionen reagierten scharf. SPD-Fraktionschef Julian Barlen forderte AfD-Fraktionschef Enrico Schult auf, Thormann sofort aus der Fraktion auszuschließen, Grünen-Fraktionschefin Claudia Müller schloss sich an. Linken-Fraktionschef Hennis Herbst bat Landtagspräsidentin Birgit Hesse schriftlich, das Präsidium den Vorfall prüfen und eine Rüge erwägen zu lassen (ZDFheute, taz, Tagesspiegel/dpa). Eine Entscheidung des Präsidiums ist bis zum 22. Oktober nicht gemeldet. Im Präsidium sitzen nur Vertreter von SPD, Linken und Grünen, nachdem der AfD-Kandidat Carlos Rodrigues bei den Wahlen zum Präsidium durchgefallen war (ZDFheute).

Fazit

Dass Thormann die Handgeste im eigenen Video zeigte und sie veröffentlichte, ist belegt. Ob er damit bewusst ein "White Power"-Zeichen setzte, lässt sich aus der Geste allein nicht ableiten, auch die ADL verlangt dafür weitere Hinweise im Kontext. Die taz stellt die Neonazi-Deutung fest, die AfD hält die Lesart "Läuft" dagegen. Zusammen mit den früheren Berichten über ähnliche Gesten und seine Drohung in Sassnitz ist die Skepsis der Fraktionen nachvollziehbar, bewiesen ist die Absicht damit nicht.