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Stand: 07.04.2026

Vermögen und Finanzen privater Haushalte in Deutschland: Ergebnisse der Vermögensbefragung 2023

Wahr

Link Beschreibung

Ergebnisse der fünften Erhebungswelle der Bundesbank-Studie "Private Haushalte und ihre Finanzen" (PHF 2023), veröffentlicht im Monatsbericht April 2025. Die obersten 10 % der Haushalte halten 54 % des gesamten Nettovermögens in Deutschland. Der Gini-Koeffizient der Nettovermögen beträgt 72,4 und liegt damit nahezu unverändert gegenüber 2021 (72,8). Das Median-Nettovermögen beträgt nominal 103.200 Euro, inflationsbereinigt jedoch nur 76.000 Euro (Preise von 2010), was den Kaufkraftverlust der vergangenen Jahre widerspiegelt.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die PHF-Studie ist die methodisch fundierteste Primärquelle zur Vermögensverteilung privater Haushalte in Deutschland. Die Bundesbank erhebt die Daten seit 2010/11 in regelmäßigen Abständen; 2023 fand die fünfte Welle statt. Die Ergebnisse wurden im Monatsbericht April 2025 veröffentlicht.

Die Kerndaten lassen sich klar verifizieren: Die oberen 10 % der Haushalte halten 54 % des gesamten Nettovermögens, der Gini-Koeffizient liegt bei 72,4 (2021: 72,8), das mittlere Nettovermögen (Median) beträgt nominal 103.200 Euro, inflationsbereinigt 76.000 Euro (Preise von 2010). Diese Zahlen stammen direkt aus dem veröffentlichten Monatsbericht.

Ein wichtiger Kontext: Die PHF-Studie verwendet ein relativ enges Vermögenskonzept. Gesetzliche Rentenansprüche sind nicht eingerechnet. Laut einer im selben Bericht enthaltenen Simulationsrechnung würde die Einbeziehung dieser Ansprüche den Gini-Koeffizient von 72 % auf rund 58 % senken und den Anteil der oberen 10 % am Gesamtvermögen von 54 % auf 39 % drücken. Die unteren 50 % kämen dann nicht mehr auf 3 %, sondern auf rund 10 % des Gesamtvermögens. Das ändert nichts daran, dass die Ungleichheit hoch ist, relativiert aber die Rohdaten.

Die Studie selbst weist auf eine methodische Einschränkung hin: Sehr vermögende Haushalte sind in der Stichprobe strukturell unterrepräsentiert. Die verteilungsbasierte Vermögensbilanz der Bundesbank, die diese Lücke durch Kombination mit einer "Reichenliste" schließt, kommt auf einen Gini-Koeffizient von gut 76 % und einen Anteil der oberen 10 % von über 60 % am Gesamtvermögen. Diese Zahl gilt im Euroraum-Vergleich als besonders hoch: Die Gini-Koeffizienten der Mitgliedsländer liegen zwischen 57 % und 77 %, Deutschland befindet sich am oberen Rand.

Die nominale Stagnation überdeckt eine reale Verschlechterung: Das durchschnittliche Nettovermögen stieg zwischen 2021 und 2023 nominal um 3 %, sank inflationsbereinigt aber von 268.700 Euro auf 239.200 Euro. Haushalte unterhalb des Medians haben nominal wie real Vermögen verloren, während der obere Bereich der Verteilung nahezu konstant blieb (inflationsbereinigt leicht rückläufig, teilweise durch gesunkene Immobilien- und Unternehmenswerte).

Der Eigentumsbesitz bleibt der entscheidende Vermögenstrenngraben: Eigentümer ohne Hypothek kommen im Median auf 450.200 Euro Nettovermögen, Mieterhaushalte auf 18.300 Euro. Haushalte mit Unternehmensbesitz verfügen im Mittel über 1 Mio. Euro.

Die Vermögensmobilität ist strukturell gering: Die Wahrscheinlichkeit, im Quintil der Ausgangsmessung (2010/11) zu verbleiben, liegt für das oberste und unterste Quintil jeweils bei über 50 %. Wechsel zwischen dem untersten und obersten Fünftel sind extrem selten.

Fazit

Die Ergebnisse der PHF-Studie 2023 sind belastbar und intern konsistent: Deutschland weist eine im europäischen Vergleich besonders hohe Vermögensungleichheit auf, die sich zwischen 2021 und 2023 kaum verändert hat. Die oft zitierten Kerndaten (54 % der oberen 10 %, Gini 72,4, Median 103.200 Euro) sind korrekt, sollten aber immer mit dem Hinweis auf das enge Vermögenskonzept ohne gesetzliche Rentenansprüche eingeordnet werden.

Verwendungen

Lagerfeuer