Link Beschreibung
Buchkapitel von Armin Schäfer, erschienen am 4. Mai 2024 in "Wahlen und Wähler: Analysen zur Bundestagswahl 2021" (Hrsg. Harald Schoen und Bernhard Weßels, Springer VS, Wiesbaden, S. 87-116, DOI 10.1007/978-3-658-42694-1_4).
Geprüft wird die verbreitete Annahme, die AfD schöpfe ihre Stimmen in besonderem Maß aus dem Nichtwählerlager. Datengrundlage sind alle 299 Wahlkreise, knapp 1.000 Stadtteile sowie Umfragedaten der German Longitudinal Election Study.
Der Befund fällt zweiteilig aus. 2017 gelang der AfD die überproportionale Mobilisierung früherer Nichtwähler, 2021 nicht mehr. Wichtiger ist die zweite Beobachtung: Zwar schneidet die AfD in Gegenden mit niedriger Wahlbeteiligung besser ab, doch Veränderungen ihres Ergebnisses hängen statistisch nicht mit Veränderungen der Wahlbeteiligung zusammen.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Die Unterscheidung, die Schäfer trifft, wird in der öffentlichen Debatte fast durchgängig übersehen. Dass die AfD dort stark ist, wo wenig gewählt wird, ist eine Aussage über das Niveau: ein Vergleich zwischen Gebieten zu einem Zeitpunkt. Ob steigende Beteiligung ihr nützt oder schadet, ist eine Aussage über Veränderung: derselbe Ort zu zwei Zeitpunkten. Aus der ersten folgt die zweite nicht, und Schäfers Daten zeigen für 2021, dass sie tatsächlich auseinanderfallen.
In solchen Analysen bleibt der Rückschluss von Gebietsdaten auf einzelne Menschen immer begrenzt, das ist der ökologische Fehlschluss. Schäfer begegnet dem, indem er Aggregat- und Individualdaten kombiniert, statt sich auf eine der beiden Ebenen zu verlassen.
Das Kapitel ist bei Springer kostenpflichtig; Titel, Abstract und bibliografische Angaben sind frei einsehbar.
Fazit
Eine der wenigen Arbeiten, die den Zusammenhang von Wahlbeteiligung und AfD-Erfolg statistisch prüft statt ihn zu behaupten. Der Befund für 2021 trägt weder die Hoffnung, hohe Beteiligung drücke die AfD, noch die Gegenthese eines verlässlichen Nichtwähler-Reservoirs.
