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Kriminalität bei Ausländern und Deutschen

Widersprüche, Probleme und Fakten

Irreführend
Inhalt

Was ist passiert?

In der Bevölkerung ist der Eindruck weit verbreitet, dass ausländische Mitbürger überdurchschnittlich für Kriminalität in Deutschland verantwortlich seien. Diese Deutung wird regelmäßig von der AfD, ihrem Umfeld und auch in Teilen konservativer Debatten aufgegriffen, etwa mit Verweisen auf das "Stadtbild".

Viele öffentlich diskutierte Verbrechen werden dann reflexartig dem "Stadtbild" und damit ausländisch aussehenden Menschen zugeschrieben.

Achtung: Die verwendeten Statistiken unterscheiden nicht zwischen ausländischen Besuchern, nicht-deutschen EU-Bürgern, Asylsuchenden und Migranten. Sollte jemand Quellen zu einer solchen Aufschlüsselung haben, sind wir für einen Hinweis dankbar.

TL;DR
Die Zusammenfassung der langen Analyse ist im Fazit.

Argumentation

Die Behauptungen sind gestützt durch persönliche Einzelerfahrungen und mehr oder weniger richtig interpretierte Kriminalstatistiken.

Faktencheck

Es gibt jedes Jahr eine Kriminalstatistik, die mit konkreten Zahlen für eine korrekte Einordnung genutzt werden kann. Man muss sie aber sehr sorgfältig lesen und auch beachten, welche Gruppe in einer Zahl enthalten ist und wie sie sich zusammensetzt, um keine falschen Schlüsse zu ziehen. Ein anschauliches Beispiel: Ein Vergleich der US-Kriminalitätsrate nach Religionszugehörigkeit zeigt, wie leicht eine Gruppe "krimineller" erscheinen kann, wenn man die Bevölkerungsstruktur unberücksichtigt lässt.

Aus den folgenden Quellen haben wir Diagramme erstellt und Daten gruppiert, hier unsere Aufbereitung als Excel-Datei.

Tatverdächtige oder Kriminelle?

Wichtig: Die Kriminalitätsstatistik bezieht sich auf Tatverdächtige, nicht auf verurteilte Straftäter.

Schon der Verdacht, dass jemand in etwas verwickelt sein könnte, reicht aus, um in der Statistik zu erscheinen, egal ob die Person unschuldig ist oder nicht. Zudem ist plausibel, dass polizeiliche Kontrolldichte, Wohnort und Sichtbarkeit im öffentlichen Raum Einfluss darauf haben können, wer häufiger als tatverdächtig erfasst wird. Hinzu kommt ein weiterer Verzerrungsfaktor: Wer von der Polizei häufiger als "fremd" oder "nicht deutsch" wahrgenommen und deshalb öfter kontrolliert wird, hat auch ein höheres Risiko, überhaupt als tatverdächtig in Erscheinung zu treten. Solche Effekte werden in Debatten über Kriminalitätszahlen oft ausgeblendet, obwohl sie für die Einordnung relevant sind. Außerdem leben ausländische Mitbürger überdurchschnittlich oft in Ballungsräumen, wo auch mehr Polizei präsent ist und häufiger kontrolliert wird. Es gibt aber keine Datenbasis, mit der man all diese Effekte sauber herausrechnen könnte. Hinzu kommt, dass die Herkunft von Tatverdächtigen in den Medien häufiger thematisiert wird, als es ihrem tatsächlichen Anteil entspricht, was das öffentliche Bild weiter verzerrt.

Die Aufklärungsquote liegt in den vergangenen Jahren um 58 % (PKS 2024: 58,0 %; PKS 2025: 57,9 %), also rund 42 % der erkannten Taten werden nicht aufgeklärt.
Da nicht zu jeder Tat die gleiche Zahl an Tatverdächtigen gemeldet werden, kann man hier wenig Rückschlüsse ziehen. Eine genauere Statistik, die den Schritt vom Tatverdächtigen zu überführten Tätern für diese Gruppen direkt zeigt, scheint es nicht zu geben.

Also: Nicht jede Person in der Statistik ist ein Täter, nicht jede Person ist in der gleichen Situation gleich wahrscheinlich, dass sie kontrolliert wird!

Altersverteilung der deutschen und nicht-deutschen Bevölkerung

Für Aussagen zur Kriminalität ist es wichtig, die Struktur der Bevölkerung zu berücksichtigen. Das Alter und Geschlecht hat großen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, ob Straftaten begangen werden oder nicht.

Altersstruktur der Bevölkerung (absolut)Deutsche und ausländische Einwohner nach Altersgruppen, Stichtag 31.12.2024. Quelle: Destatis.
9,2 Mio.1,7 Mio.Unter 142,7 Mio.470 Tsd.14-172,0 Mio.425 Tsd.18-206,5 Mio.2,0 Mio.21-298,4 Mio.2,5 Mio.30-398,3 Mio.2,1 Mio.40-4910,3 Mio.1,6 Mio.50-5923,9 Mio.1,6 Mio.60+DeutscheAusländer
Ausländeranteil in der Bevölkerung je AltersgruppeProzentualer Anteil ausländischer Einwohner an der jeweiligen Altersgruppe. Stichtag 31.12.2024. Quelle: Destatis.
15,3 %Unter 1415,0 %14-1717,3 %18-2023,7 %21-2923,3 %30-3920,2 %40-4913,3 %50-596,3 %60+Ausländeranteil an der Altersgruppe

Man kann hier gut erkennen, dass bei der deutschen Bevölkerung ein deutlicher Überschuss in den hohen Altersbereichen ( 52-76 Jahre) vorliegt. Die Gruppe der ausländischen Mitbürger hat von 24 bis 48 Jahren einen Schwerpunkt, mit der maximalen Zahl von 27 % um 30 Jahre. Statistik: Destatis Bevölkerungsstruktur 2024

Dieser Altersbereich hat auch bei deutschen Mitbürgern eine höhere Anzahl an Taten, auch wenn dieser Altersbereich im Vergleich zum Rest der Bevölkerung kleiner ist. Das ist also der Grund, dass eine Berechnung des Prozentsatzes an Tatverdächtigen an der Gesamtbevölkerung wesentlich niedriger ist, als wenn man dies in Altersgruppen aufteilt.

Altersverteilung bei Tatverdächtigungen

Kriminalität ist nicht gleich verteilt über alle Altersbereiche, Geschlecht oder den sozialen Status. Daher muss man auch hier unterscheiden und kann nicht mit gruppierten Zahlen arbeiten, die in diesen Details keine Unterscheidung machen.

Schauen wir uns die Verteilung von Tatverdächtigen über die Alterssegmente an (PKS 2025, Deutsche und Ausländer zusammen):

Tatverdächtige nach Alter und Geschlecht (PKS 2025)Absolute Zahlen für Deutschland, Straftaten ohne Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz (Schlüssel 890000). Quelle: BKA PKS 2025.
63 Tsd.25 Tsd.Unter 14122 Tsd.43 Tsd.14-1798 Tsd.29 Tsd.18-20284 Tsd.85 Tsd.21-29312 Tsd.104 Tsd.30-39245 Tsd.86 Tsd.40-49159 Tsd.58 Tsd.50-59137 Tsd.58 Tsd.60+MännlichWeiblich

Zum Vergleich: Die Gesamtzahl der Tatverdächtigen ohne Aufenthaltsdelikte ist von 1.967.731 (PKS 2024) auf 1.908.383 (PKS 2025) zurückgegangen, also um rund 3 %. Der Rückgang verteilt sich auf nahezu alle Altersgruppen, besonders deutlich bei jungen Erwachsenen (14-20 Jahre).

Quelle: Tatverdächtige insg. nach Alter und Geschlecht

Anmerkungen:

  1. Für die Auswertung sind die Altersgruppierungen der Originaldaten zwischen 20 und 30 Jahren etwas angepasst, weil diese zwischen 0 und 30 etwa in 5 Jahresschritten und kleiner gruppiert sind, danach in 10 Jahresschritten. Das macht eine Auswertung via Diagramm schwieriger.
  2. Die Straftaten sind ohne Aufenthaltsdelikte (Schlüssel: 890000). Diese können zum einen nur von Ausländern begangen werden und haben auch keinen direkten Einfluss auf die Sicherheit.

Man sieht hier zum einen, dass weibliche Straftäter ca. 25 bis 30 % der Straftäter ausmachen und, dass der Schwerpunkt zwischen 20 und 49 Jahren liegt. Kinder, Jugendliche und "Rentner" sind für erheblich weniger Straftaten verantwortlich.

Schaut man sich die Anzahl der Tatverdächtigen relativ zur Gesamtbevölkerung, dann kann man hier sehen, dass gerade der Bereich der "jungen Erwachsenen" zwischen 14 und 30 wesentlich stärker vertreten ist prozentual, gemessen an der Zahl der Personen in dem Altersbereich. Die Prozente sind dort höher, weil der Anteil an der Bevölkerung in diesen Altersgruppen auch kleiner ist und daher eine Tatverdächtigung mehr Effekt in der Auswertung hat.

Verteilung bei Verdächtigungen nach Deutsche/Ausländer

In den PKS Daten, gibt es auch die Aufschlüsselung nach deutschen und nicht-deutschen Tatverdächtigen.

Achtung: Ausländer sind in den Zahlen nicht nur "Migranten", sondern auch EU Bürger und andere Nationalitäten, die sich zum Zeitpunkt der Verdächtigung in Deutschland aufhalten.

Tatverdächtige nach Altersgruppe und Herkunft (absolut)Deutsche und nicht-deutsche Tatverdächtige (ohne ausländerrechtliche Verstöße), PKS 2025. Quelle: BKA.
61 Tsd.27 Tsd.Unter 14115 Tsd.50 Tsd.14-1781 Tsd.46 Tsd.18-20205 Tsd.164 Tsd.21-29238 Tsd.177 Tsd.30-39207 Tsd.124 Tsd.40-49156 Tsd.62 Tsd.50-59167 Tsd.27 Tsd.60+DeutscheAusländer

Hier sieht man wieder den Effekt der Jugendkriminalität nicht so stark, weil es einfach weniger Jugendliche als Erwachsene gibt. Aber bei den jungen und mittelalten Erwachsenen ist hier eine deutliche Steigerung. Ebenso sieht man, dass mehr Deutsche einer Tat verdächtigt werden als Ausländer.

Verteilung der Tatverdächtigen auf Deutsche und Ausländer je AltersgruppeAnteil an allen Tatverdächtigen einer Altersgruppe, PKS 2025 (ohne ausländerrechtliche Verstöße). Quelle: BKA.
69,1 %30,9 %Unter 1468,7 %30,4 %14-1761,8 %36,3 %18-2052,8 %44,5 %21-2955,1 %42,6 %30-3961,1 %37,4 %40-4970,4 %28,4 %50-5985,8 %14,0 %60+DeutscheAusländer

Schaut man sich hier die relative Verteilung der Verdächtigen an, sieht man, dass im Bereich zwischen 21 und 29, wo es anteilig die meisten Ausländer gibt (knapp 24 % der Bevölkerung), auch absolut mehr Tatverdächtige aus dieser Gruppe registriert werden.

Tatverdächtigen-Quote innerhalb der eigenen GruppeAnteil der Tatverdächtigen an der jeweiligen Bevölkerungsgruppe (%). Deutsche und Ausländer je Altersgruppe, PKS 2025. Quelle: BKA + Destatis (Stichtag 31.12.2024).
0,7 %1,6 %Unter 144,3 %10,7 %14-174,0 %10,9 %18-203,2 %8,2 %21-292,9 %7,0 %30-392,5 %5,9 %40-491,5 %3,9 %50-590,7 %1,7 %60+DeutscheAusländer

Innerhalb der Gruppen sind es 2025 bei Deutschen zwischen 0,7 % und 4,3 %, die verdächtigt werden, bei Ausländern zwischen 1,7 % und 10,9 %. Durch die geringere Gruppengröße sind hier die Quoten bei Jugendlichen sehr hoch. Im Vergleich zur PKS 2024 sind die Spitzenwerte leicht gesunken (2024: Deutsche bis 4,7 %, Ausländer bis 11,2 %).

Nicht vergessen darf man: selbst in der am stärksten belasteten Altersgruppe (14-17, Ausländer mit 10,7 %) sind rund 89 % der Menschen nicht verdächtigt worden. Für männliche ausländische Jugendliche liegt die Quote höher bei rund 15 %, also auch dort wären 85 % der Gruppe nicht in der Statistik vertreten.

Insgesamt sind im Jahr 2025 rund 1,7 % der Deutschen einer Tat verdächtigt worden und bei Ausländern rund 5,5 % (PKS 2024: 1,8 % bzw. 5,6 %). Die Quoten sind also leicht zurückgegangen (siehe Auswertung).

Originaldaten:

Einfluss von Wohnort und Lebenslage

Ebenso sollte man nicht vergessen, dass Migranten überdurchschnittlich oft in Städten leben, wo die Kriminalitätsrate auch unter Deutschen höher ist. Das ist zumindest ein Hinweis darauf, dass Unterschiede nicht einfach mit Herkunft erklärt werden können. Die Bundeszentrale für politische Bildung verweist auf Unterschiede zwischen Stadt und Land, die solche Rohvergleiche zusätzlich erschweren.

Auch andere Faktoren wie Alter, Geschlecht, Einkommen, Wohnverhältnisse und aufenthaltsrechtliche Unsicherheit können eine Rolle spielen. Genau deshalb sind pauschale Aussagen über "kriminelle Ausländer" statistisch problematisch.

Schlechte Integration ist kein Charakterfehler

Wer behauptet, Migranten seien "einfach krimineller", blendet oft aus, wie schlecht Aufnahme, Unterbringung und Integration in Deutschland vielerorts tatsächlich funktionieren. Lange Verfahren, überfüllte Unterkünfte, fehlende oder späte Sprach- und Integrationskurse sowie unsichere Aufenthaltsstatus schaffen prekäre Lebenslagen, die nicht von den Betroffenen selbst verursacht wurden.

Dazu kommt, dass Arbeitsaufnahme gerade am Anfang häufig nicht erleichtert, sondern rechtlich und bürokratisch erschwert wird. Wer Menschen über Monate zum Warten zwingt, sie in beengten Verhältnissen hält und ihnen gleichzeitig den Zugang zu Sprache, Arbeit und stabilen Perspektiven erschwert, produziert soziale Probleme mit. Auch deshalb sind Erklärungen, die Kriminalität einfach einer Herkunft zuschreiben, nicht nur statistisch schwach, sondern blenden die entscheidenden Rahmenbedingungen aus.

Fazit

An den Zahlen kann man sehen, dass selbst bei den 21-29-Jährigen nur gut 8 % der Ausländer als Tatverdächtige registriert werden (PKS 2025: 8,2 %; PKS 2024: 8,8 %; rund 13 %, wenn man nur die männlichen Personen zählt). Also sind mehr als 91 % (oder 87 %) dieser Personen nicht verdächtigt worden.

Das Narrativ, dass "die Ausländer kriminell sind", ist also nicht haltbar, wenn insgesamt nur rund 5,5 % (PKS 2025; 2024 waren es 5,6 %) der Ausländer über alle Altersgruppen hinweg überhaupt einer Tat verdächtigt werden - mit leichtem Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Daraus folgt vor allem: Rohzahlen über Tatverdächtige eignen sich nicht, um ganze Bevölkerungsgruppen pauschal als kriminell darzustellen.

Das wird auch vom ifo Institut gestützt. Mai Thi Nguyen-Kim erklärt den Trugschluss anschaulich: Ohne Kontrolle der sozioökonomischen Faktoren wie Alter, Einkommen und Wohnverhältnisse ist der scheinbare Zusammenhang zwischen Herkunft und Kriminalität statistisch irreführend. Auch das verbreitete Narrativ der "kriminellen Ausländer-Clans" hält einem genaueren Blick nicht stand. Ebenso wenig der von der AfD behauptete Zusammenhang zwischen Migration und Kinderkriminalität, den CORRECTIV als falsch einordnet.

Die belastbare Aussage dieses Faktenchecks lautet deshalb nicht, dass Herkunft "gar keine Rolle" spiele, sondern dass pauschale Schlüsse über "die Ausländer" aus den PKS-Zahlen methodisch unzulässig sind. Wer Kriminalität ernsthaft verstehen will, muss Altersstruktur, Lebenslage, Wohnort, Erfassungspraxis und soziale Faktoren mit einbeziehen. Dazu gehört auch die Frage, welche Bedingungen Staat und Gesellschaft Migranten tatsächlich bieten: Wenn Sprachförderung, Arbeitsintegration und stabile Perspektiven fehlen oder aktiv erschwert werden, dann ist es unseriös, die Folgen allein als Eigenschaft der Betroffenen zu behandeln.