Link Beschreibung
TikTok-Video des Accounts @schimanskie1, das Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Linken bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl 2026, bei einer Rede zeigen soll. Sie verspricht darin angeblich, als Bürgermeisterin die Berliner Polizei abzuschaffen. Die dpa hat das Video am 28. September 2026 als KI-Fälschung eingestuft.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Der Clip ist knapp 13 Sekunden lang, wurde am 23. September 2026 hochgeladen und war am 29. September noch abrufbar. Zu hören ist der Satz "als Bürgermeisterin wird die Abschaffung der Berliner Polizei sein. Das verspreche ich euch!". Die Hashtags lauten #deutschland #dielinke #politik #polizei, eine Herkunftsangabe gibt es nicht. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Video über 900 Likes und wurde mehr als 1.100 Mal geteilt.
Die Aufnahme ist gefälscht. Die dpa-Faktenchecker kommen zu dem Schluss, dass das Video nicht authentisch ist, sondern mit künstlicher Intelligenz erzeugt wurde (dpa-Faktencheck: "KI-Video schreibt Eralp erfundene Polizei-Aussage zu", 28. September 2026). Als Beispiele für zahlreiche Bildfehler nennen sie zwei: Eralps rechter Arm scheine beim Heben durch den Mikrofonhalter zu gleiten, und bei der jubelnden Menge zeigten Hände eine unnatürliche Zahl und Anordnung von Fingern. Eine Originalaufnahme, aus der das Video stammen könnte, ließ sich laut dpa nicht finden, Ort und Datum der Rede sind unbekannt, die Bilderrückwärtssuche blieb ohne Treffer. Eine Rede, für die es keine Herkunft gibt und die solche Fehler aufweist, ist als Beleg für eine Aussage wertlos.
Das Wahlprogramm fordert keine Abschaffung der Polizei. Das Wahlprogramm der Berliner Linken (Die Linke Berlin: Wahlprogramm zur Abgeordnetenhauswahl 2026, PDF) enthält im Kapitel zur Sicherheitspolitik (Seiten 287 bis 293) keine solche Forderung. Stattdessen heißt es dort auf Seite 288: "Die immer weitere, teure Aufrüstung der Polizei wollen wir stoppen und die Mittel umverteilen." Die Partei will außerdem prüfen, wie sich der Personalbestand der Berliner Polizei auf das Niveau anderer Stadtstaaten zuzüglich hauptstadtbedingter Mehrbedarfe "anpassen" lässt. Die dadurch "frei werdenden Mittel" sollen in Stellen bei Not- und Krisendiensten und in Straßensozialarbeit fließen (Seite 288). Einen festen Personalabbau beschließt das Programm damit nicht, es kündigt eine Prüfung an. Ebenso will sie zusätzliche Polizeieinheiten wie die Brennpunkt- und Präsenzeinheit an kriminalitätsbelasteten Orten abbauen, diese Orte und die Waffenverbotszonen abschaffen und den Polizeibeauftragten ausbauen (Seiten 288 bis 290). Zugleich steht dort: "Die Linke setzt sich dafür ein, dass die Arbeitsbedingungen bei Polizei und Feuerwehr nachhaltig verbessert werden" (Seite 292), und das Berliner Modell der Polizeiausbildung soll erhalten bleiben (Seite 293).
Ganz ohne Anknüpfungspunkt ist die Fälschung allerdings nicht. Auf Seite 289 kündigt das Programm an, gemeinsam mit Fachleuten "u.a. aus der abolitionistischen Bewegung" langfristige Konzepte für öffentliche Sicherheit zu entwickeln, etwa spezialisierte, multiprofessionelle Teams, die Aufgaben der Polizei "womöglich übernehmen und ergänzen". Auch soll polizeiliche Arbeit "wo immer dies möglich ist" durch Soziale Arbeit "ersetzt oder zumindest ergänzt" werden (Seite 288). Das ist eine umstrittene sicherheitspolitische Position, die man kritisieren kann. Eine Ankündigung, die Berliner Polizei abzuschaffen, ist es nicht, und ein Versprechen dieser Art hat Eralp im Video nicht gegeben, weil es das Video so nicht gibt.
Fazit
Die Behauptung ist falsch. Das Video ist laut dpa eine KI-Fälschung ohne nachweisbare Herkunft, und das Wahlprogramm der Berliner Linken fordert keine Abschaffung der Polizei, sondern will deren Aufrüstung stoppen, Sondereinheiten abbauen, eine Verringerung des Personals prüfen, die frei werdenden Mittel in soziale Angebote umlenken und polizeiliche Arbeit, wo möglich, durch Soziale Arbeit ersetzen oder ergänzen. Das ist eine umstrittene Position, aber keine Abschaffung der Polizei. Elif Eralp wird hier eine Aussage zugeschrieben, die sie nach allem, was belegt ist, nicht getroffen hat.
