Link Beschreibung
Mimikama prüft am 19. September 2026 ein Video im Design des MDR, das behauptet, Familien von Gefangenen in Mecklenburg-Vorpommern werde für eine SPD-Stimme eine kürzere Haftstrafe versprochen. Es gehört laut NewsGuard zu zwölf gefälschten Nachrichtenbeiträgen zur Landtagswahl, die der russischen Kampagne "Matrjoschka" zugeordnet werden.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Primärquelle für Mimikamas Fund ist der NewsGuard-Bericht vom 15. September 2026 von Leonie Pfaller und Mascha Wolf. NewsGuard hat ein Netzwerk aus Accounts identifiziert, das der Kampagne "Matrjoschka" zugeordnet wird und am 9. und 10. September 2026 zwölf erfundene Nachrichtenbeiträge zur Wahl in Mecklenburg-Vorpommern verbreitete. Die Fälschungen kopierten die Aufmachung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Deutschen Welle, der Welt, des MDR und von Euronews. Euronews, MDR und Deutsche Welle bestätigten NewsGuard, dass die mit ihren Logos versehenen Videos gefälscht sind. Kein deutsches oder europäisches Medienhaus hat die behaupteten Meldungen veröffentlicht. Für das Stimmenkauf-Video über kürzere Haftstrafen fand NewsGuard ebenso wenig einen Beleg wie für die übrigen elf Fälschungen.
Ausdrücklich Russland zugeordnet wird die Kampagne von NewsGuard: Der Bericht nennt Matrjoschka eine "russische Einflussoperation" ("Russian influence operation"). Das Bundesamt für Verfassungsschutz benannte die Kampagne "Matrjoschka" am 12. August 2026 öffentlich und schreibt zurückhaltender, betroffen seien vor allem Politiker von Parteien, deren Positionen "nicht im Sinne der strategischen Interessen der Russischen Föderation" lägen. Im selben Text verweist es auf die "hybriden Angriffe Russlands gegen die europäischen Demokratien" und rechnet deshalb mit weiteren Aktivitäten, nennt Russland aber nicht ausdrücklich als Auftraggeber der Kampagne. Neu sei, dass 2026 erstmals auch Landes- und Kommunalpolitiker im Visier stünden, nicht mehr nur Bundes- und Europapolitiker. Das deckt sich mit dem Muster, das die Deutsche Welle bereits im August bei gefälschten Mordvorwürfen gegen einen Landtagskandidaten in Sachsen-Anhalt dokumentierte.
Die 1,4 Millionen von NewsGuard gezählten Aufrufe auf X sagen wenig über die tatsächliche Reichweite, NewsGuard selbst hält einen Großteil davon für unecht. Eine von CORRECTIV veröffentlichte CeMAS-Auswertung von über 90 Beiträgen derselben Kampagne kommt zum selben Ergebnis: Ein Großteil solcher Zahlen ist künstlich erzeugt, echte Reaktionen fehlen fast vollständig.
Aus Sicht von NewsGuard war die Aktion ein Versuch, der AfD zu nützen, die in Umfragen zur Wahl am 20. September knapp vor der SPD lag. Das ist eine Einschätzung zur Wirkrichtung. Dass die AfD an der Kampagne beteiligt war oder davon wusste, ist nicht belegt.
Fazit
Das Video ist eine Fälschung. Der MDR hat keine solche Meldung veröffentlicht und bestätigte gegenüber NewsGuard die Fälschung, ebenso Euronews und die Deutsche Welle für die mit ihrem Namen verbreiteten Videos. Es gehört zu zwölf Fake-Beiträgen zur Wahl in Mecklenburg-Vorpommern, die NewsGuard der Kampagne "Matrjoschka" zuordnet. NewsGuard ordnet die Kampagne ausdrücklich Russland zu. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stellt sie in den Zusammenhang russischer Interessen, benennt Russland aber nicht ausdrücklich als Urheber. Trotz 1,4 Millionen gezählter Aufrufe spricht die Faktenlage für ein überwiegend künstlich erzeugtes Publikum, nicht für eine breite tatsächliche Verbreitung.
