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Stand: 26.09.2026

Ansage: 16.300 Hitzetote seien unbewiesen

Irreführend

Link Beschreibung

Ansage-Autor Alexander Schwarz kommentiert am 25. September 2026 einen ökumenischen Gedenkgottesdienst für die Hitzetoten des Sommers in der Bonner Kreuzkirche, an dem Eckart von Hirschhausen teilnahm. Die Zahl von 16.300 Hitzetoten nennt er eine unbewiesene Schätzung: Fast alle Verstorbenen seien laut Totenschein an anderen Ursachen gestorben und würden wie in der Corona-Zeit nach dem Muster "an und mit" der Hitze zugerechnet.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die 16.300 stammen aus den RKI-Wochenberichten vom 3. September und 10. September (Datengrundlage bis KW 34 bzw. KW 35, also bis Ende August). Auf diesen Stand bezog sich der evangelische Kirchenkreis Bonn in seiner Ankündigung des Gedenkgottesdienstes vom 12. September, worüber wiederum Apollo News berichtete. Der WDR (Westdeutscher Rundfunk) berichtete über den Gottesdienst selbst erst am 23. September, nachdem das Robert-Koch-Institut die Zahl bereits am 17. September auf 16.000 aktualisiert hatte, nannte aber weiterhin "mehr als 16.300 Hitzetote". Mit dem letzten Wochenbericht der Saison, Stand 24. September, schätzt das RKI die hitzebedingten Sterbefälle für 2026 auf 16.000, mit einem Prädiktionsintervall von 14.400 bis 17.600. RKI: Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität, KW 37/2026 Damit bleibt 2026 mit weitem Abstand das schwerste Jahr seit Beginn der RKI-Reihe 2016: Der bisherige Höchstwert lag laut derselben RKI-Datenreihe 2018 bei rund 9.000 Fällen.

Dass die Zahl "eine völlig unbewiesene, spekulative Schätzung" sei, trifft die Methode nicht. Hitze führt nur selten unmittelbar zum Tod, meist verschärft sie bestehende Vorerkrankungen, etwa wenn ein geschwächtes Herz bei extremer Hitzebelastung versagt. Deshalb steht "Hitze" in der Regel nicht als Todesursache auf dem Totenschein, und genau deshalb erklärt das RKI selbst, warum "statistische Methoden angewendet werden müssen, um das Ausmaß hitzebedingter Sterbefälle abzuschätzen". Das Institut modelliert dafür den Sterbefallverlauf einmal mit und einmal ohne Hitzeeinfluss, prüft das Modell am tatsächlichen Verlauf, weist die Unsicherheit über ein 95-Prozent-Prädiktionsintervall aus und rundet die Zahl bewusst auf die Zehnerstelle, "um den Schätzcharakter zu betonen". Die zugrundeliegende Methode ist zudem keine RKI-Eigenkonstruktion, sondern in einer peer-reviewten Fachpublikation mit dem Deutschen Wetterdienst dokumentiert. Ärzteblatt: Winklmayr et al., Hitzebedingte Mortalität in Deutschland zwischen 1992 und 2021 Eine statistische Schätzung ist bei hitzebedingter Sterblichkeit also kein Notbehelf, sondern der einzige fachlich mögliche Weg, und sie durch Einzelfälle auf dem Totenschein "gedeckt" zu verlangen, verkennt, wofür das Verfahren gemacht ist: Es misst die Übersterblichkeit auf Bevölkerungsebene, nicht die Todesursache im Einzelfall.

Selbst der von Ansage verlinkte Apollo News: Bedrückende Erfahrungen des Sommers, evangelische Kirche hält Gedenkgottesdienst für Hitzetote ab (24. September 2026) stellt das differenzierter dar als der Ansage-Text selbst: Er erklärt, dass die Todesfälle zum Großteil auf eine Kombination aus Hitzeexposition und bereits bestehenden Vorerkrankungen zurückgehen, und relativiert die Zahlen damit, dass gut 80 Prozent der so ermittelten Hitzetoten mindestens 75 Jahre alt gewesen seien, allerdings bezogen auf die ältere RKI-Schätzung von 9.800 Fällen (Stand 19. Juli). Nach dem aktuellen Wochenbericht liegt der Anteil der ab 75-Jährigen bei rund 76 Prozent, 12.090 von 16.000. Das ändert nichts an der Zahl selbst: Dass Hitze überproportional alte und vorerkrankte Menschen trifft, ist erwartbar und wird vom RKI offen ausgewiesen, nicht verschleiert.

Als Beleg für die angebliche Übertreibung verweist der Text zusätzlich auf den WDR-Bericht über den Gottesdienst: Bei der Caritas Bonn sei "die Zahl der Hitzetoten zumindest bei uns ... nicht viel höher als in den letzten Jahren" gewesen, so ein Mitarbeitendenseelsorger. WDR: Gedenkgottesdienst für Hitzesommer-Pflegende in Bonn Das ist der subjektive Eindruck eines einzelnen Trägers in einer Stadt, kein Gegenbeweis zur bundesweiten Statistik: Eine deutschlandweite Schätzung über rund 16.000 Sterbefälle lässt sich nicht durch die Erfahrung einer einzelnen Einrichtung widerlegen.

Der Vorwurf, das RKI rechne wie in der Corona-Zeit nach dem Muster "an und mit" der Hitze, ist dasselbe Argumentationsmuster, das bereits der AfD-Bundestagsfraktion und Tino Chrupalla vorgehalten wurde und das der Faktencheck Hitzetote nur "Panikmache" und in Wahrheit Impfschäden? im Detail einordnet: Die "an und mit"-Analogie bestätigt die Zahlen eher, als sie zu entkräften, weil schon die reinen, nicht modellierten Sterbefallzahlen des Statistischen Bundesamts in den heißen Wochen deutlich nach oben ausschlagen.

Fazit

Die Behauptung ist irreführend. Die Hitzemortalität wird nicht "an und mit"-artig konstruiert, sondern nach einer etablierten, peer-review-geprüften Methode geschätzt, die das RKI mit offenem Unsicherheitsbereich veröffentlicht. Die Zahl von 16.300 war der Stand der RKI-Berichte vom 3. und 10. September; seit dem 17. September nennt das RKI 16.000, im letzten Bericht vom 24. September mit einem Intervall von 14.400 bis 17.600, und damit weiterhin den mit Abstand höchsten geschätzten Wert seit Beginn der RKI-Reihe 2016. Weder das Alter der Verstorbenen noch der Einzeleindruck einer Bonner Pflegeeinrichtung widerlegen diese Größenordnung.