Link Beschreibung
Artikel von Apollo News vom 21. September 2026 über den Berliner Wahlabend. Das Portal berichtet, ein "Hamas-naher Aktivist" habe auf der Wahlparty der Linken gefeiert und das Wahlergebnis für sich reklamiert. Gemeint ist Ibrahim Ibrahim. Er ist in Berlin als Vertreter des "Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitees" (VPNK) aufgetreten, einer vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuften Gruppe.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Der Berliner Verfassungsschutz: Verfassungsschutzbericht 2024 führt das Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee (VPNK) durchgehend als "Dachbezeichnung", unter der Anhängerinnen und Anhänger der islamistisch-terroristischen Hamas gemeinsam mit jenen der links-säkularen Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) auftreten und eng zusammenarbeiten. Ein eigenes Organisationsprofil mit Gründungsjahr, Ideologie und Personenpotenzial führt der Bericht für Hamas und für die PFLP, für das VPNK dagegen nicht. Namentlich genannt wird Ibrahim Ibrahim im gesamten Bericht nicht, die Einstufung gilt dem Zusammenschluss insgesamt.
Apollo News nennt Ibrahim in der Überschrift einen "Hamas-nahen Aktivisten" und leitet das aus der VPNK-Einstufung ab, schreibt im Fließtext aber zusätzlich, er gelte "auch als Unterstützer" der PFLP. Beide Zuschreibungen stehen bei Apollo also nebeneinander. Der Tagesspiegel: Ein Terrorunterstützer stand neben ihm (20. September 2026) und, mit fast identischer Formulierung, t-online: Terrorunterstützer soll neben Issa Remmo bei Linken-Wahlparty gefeiert haben (21. September 2026) ordnen Ibrahim der PFLP zu und nennen ihn "führenden Unterstützer" der Organisation. Hamas-frei ist die Darstellung aber auch bei diesen beiden Häusern nicht: Im selben Artikel berichtet der Tagesspiegel, Ibrahim habe nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 deren getöteten Anführer Yahya Sinwar als "standhaften Führer" und "Märtyrerhelden" bezeichnet, und beschreibt das VPNK als Dach, unter dem Anhänger von Hamas und PFLP gemeinsam agieren. Ein Widerspruch zwischen den Häusern besteht damit nicht, nur eine andere Schwerpunktsetzung: Apollo betont die Hamas-Nähe, Tagesspiegel und t-online die PFLP-Rolle. Was in keiner der drei Quellen und auch nicht im Verfassungsschutzbericht selbst existiert, ist eine eigene, personenbezogene Einstufung Ibrahims durch den Verfassungsschutz. Apollos Zuschreibung "Hamas-nah" leitet sich aus der Organisationseinstufung des VPNK ab, nicht aus einer behördlichen Bewertung der Person.
An einer Stelle geht Apollo über den Bericht hinaus, auf den es sich beruft. Der Text nennt das VPNK "eine Organisation, die laut Berliner Verfassungsschutz als Organisation der islamistischen Terrororganisation Hamas in Deutschland gilt". So steht es dort nicht. Der Verfassungsschutz führt das VPNK als Dachbezeichnung für das Zusammenwirken von Hamas- und PFLP-Anhängern, nicht als Ableger der Hamas. Dass die PFLP ebenso dazugehört, schreibt Apollo an anderer Stelle selbst; in der Kurzformel, die der Behörde zugeschrieben wird, fällt sie weg.
Diese Sinwar-Verherrlichung dokumentiert der Verein democ: Verherrlichung von Hamas-Führer bei "United4Gaza" (16. Oktober 2025) mit Datum und weiterem Kontext: Bei der Demonstration "United4Gaza" am 11. Oktober 2025 in Berlin würdigte Ibrahim den getöteten Hamas-Chef Yahya Sinwar als "standhaften Führer" und "Märtyrerhelden" und sprach dem Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah zusätzlich seinen "höchsten Respekt" aus, eine Passage zu Nasrallah, die weder Tagesspiegel noch t-online erwähnen.
Zur Wahlparty selbst kursierten zwei unterschiedliche Fotos. Ein Bild, das Remmo neben zwei Männern zeigt, verbreitete ein Journalist der Berliner Morgenpost; der Verein democ griff es auf: Demnach soll laut t-online einer der beiden Ibrahim sein, der Tagesspiegel schreibt, Remmo sei "nach Darstellung des Vereins democ" in Begleitung eines bekannten Anti-Israel-Aktivisten gewesen. Ein zweites Foto zeigt laut t-online offenbar den Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak neben Ibrahim, geteilt auch vom Tagesspiegel. Die Herkunft dieses zweiten Bildes wird unterschiedlich angegeben: Apollo News schreibt, es sei "von Araki Chaker auf TikTok" gepostet worden, t-online kreditiert stattdessen einen Screenshot des X-Accounts @alx_froehlich. Die von Apollo News zusätzlich angeführte arabischsprachige Glückwunscherklärung des VPNK auf TikTok erwähnt keine der anderen Quellen.
Die Linke distanzierte sich nach der Wahlparty von Issa Remmo. Wie Apollo News selbst berichtet, erklärte Spitzenkandidatin Elif Eralp im ZDF, Remmo sei "nicht eingeladen" gewesen und "wieder rausgeschickt" worden. Die Neuköllner Co-Vorsitzende Jorinde Schulz sagte laut Tagesspiegel der dpa, es habe sich um eine öffentliche Veranstaltung gehandelt, zu der auch ungeladene Personen Zutritt gehabt hätten. Eine Stellungnahme zu Ibrahim namentlich liegt nicht vor.
Fazit
In keiner der geprüften Quellen, auch nicht im Verfassungsschutzbericht selbst, gibt es eine personenbezogene Einstufung Ibrahim Ibrahims durch den Verfassungsschutz: Die Behörde stuft mit dem VPNK eine Dachbezeichnung ein, unter der Hamas- und PFLP-Anhänger gemeinsam auftreten, nicht diese Person. Apollos Zuschreibung "Hamas-nah" leitet sich aus dieser Organisationseinstufung ab. Tagesspiegel und t-online ordnen ihn stattdessen der PFLP zu, berichten aber im selben Zug seine Verherrlichung des getöteten Hamas-Chefs Sinwar, sodass sich beide Darstellungen ergänzen statt zu widersprechen. Seine eigene Rede vom Oktober 2025 bestätigt das: Er würdigte darin sowohl den Hamas-Anführer als auch den Hisbollah-Generalsekretär öffentlich. Für den Wahlabend selbst bleiben die beiden kursierenden Fotos, Ibrahim neben Issa Remmo beziehungsweise neben Ferat Koçak, Zuschreibungen der Quellen im Konjunktiv statt gesicherter Identifizierungen, und die von Apollo behauptete arabische VPNK-Erklärung ist unabhängig nicht bestätigt.
