Link Beschreibung
NIUS meldet am 5. Oktober 2026 unter Berufung auf das GLUT-Magazin und eine Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit, im ersten Halbjahr 2026 seien 10,6 von 23,2 Milliarden Euro Bürgergeld an Empfänger ohne deutsche Staatsangehörigkeit gegangen.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Die Zahlen stammen aus einem Artikel von Björn Harms im GLUT-Magazin vom 5. Oktober 2026, dessen Kernzahlen NIUS zusammenfasst. Danach zahlten die Jobcenter im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 23,2 Milliarden Euro aus, davon 12,6 Milliarden an Deutsche und 10,6 Milliarden an Regelleistungsberechtigte mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Das sind rechnerisch 45,7 Prozent. Gezählt werden laut GLUT die tatsächlich gezahlten monatlichen Beträge für Regelbedarf, Mehrbedarfe sowie Unterkunft und Heizung, nicht aber der Kinder-Sofortzuschlag, die Leistungen an sonstige Leistungsberechtigte und die Verwaltungs- und Eingliederungskosten der Jobcenter.
GLUT ist ein Online-Magazin der Harms & Karon GmbH in Berlin, dessen Macher sich auf der eigenen Seite "als zeitgeistkritische und im weiteren Sinne rechtskonservative Journalisten" verorten. Gegründet haben es Björn Harms, der seine Ausbildung bei der Jungen Freiheit machte, und Jan A. Karon. Beide arbeiteten zuvor beim Portal NIUS, Harms als stellvertretender Chefredakteur. Laut Impressum sind beide Geschäftsführer, Harms ist presserechtlich verantwortlich. NIUS berichtet also über einen Text von ehemaligen eigenen Redakteuren.
Die Sonderauswertung selbst ist nicht veröffentlicht und lässt sich daher nicht einsehen. Die Größenordnung lässt sich aber mit öffentlichen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit prüfen, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im Zuwanderungsmonitor September 2026 aufbereitet. Danach gab es im Juni 2026 rund 5,18 Millionen Leistungsberechtigte im SGB II, davon 2,36 Millionen mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Das sind 45,7 Prozent der Personen und passt zum Anteil an den Zahlungen. Im Juni 2025 waren es 2,54 von 5,39 Millionen, also 47,1 Prozent. Die Rückgänge, die NIUS nennt, sind ebenfalls belegt: Die Zahl ausländischer Leistungsberechtigter sank laut Monitor um rund 174.000 Personen (minus 6,9 Prozent). Bei den Ukrainern nennt der Monitor 636.906 Leistungsberechtigte im Juni 2026, GLUT 633.807. Die kleinen Abweichungen dürften an der unterschiedlichen Abgrenzung der Personengruppen liegen. GLUT nennt für Ukrainer zudem Pro-Kopf-Zahlungen von 757 Euro im Monat gegenüber 759 Euro bei Deutschen, was dazu passt, dass Zahlungs- und Personenanteil so nah beieinander liegen. Die Einzelwerte zu Zahlungsbeträgen, etwa 2,9 Milliarden Euro für Ukrainer oder 1,75 Milliarden für Syrer, ließen sich mit öffentlichen Daten nicht nachrechnen.
Der Beitrag verschweigt die Entwicklung nicht: Die Gesamtzahlungen sanken um 1,4 Prozent, die an Ausländer um 4,2 Prozent, die an Deutsche stiegen um 1,2 Prozent. Auch den möglichen Einbürgerungseffekt nennt der Text als offene Frage. Wer eingebürgert wird, zählt in der Statistik anschließend als Deutscher, samt seiner Zahlungen. Wie stark das den Rückgang bei Ausländern erklärt, ist laut GLUT unklar, eine Anfrage bei der Bundesagentur war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unbeantwortet.
Was die Zahl für sich genommen nicht erklärt, liefert der Monitor mit. Die SGB-II-Hilfequote, also der Anteil der Bürgergeld-Bezieher an der jeweiligen Bevölkerungsgruppe, lag im Juni 2026 bei Ausländern insgesamt bei 18,7 Prozent (Vorjahr 19,9), bei Menschen aus den EU-27-Staaten bei 8,8 Prozent, bei Staatsangehörigen der acht wichtigsten Asylherkunftsländer bei 38,9 Prozent und bei Ukrainern bei 49,9 Prozent. Für alle Einwohner lag sie bei 8,1 Prozent. Woher der hohe Anteil kommt, zeigt dieselbe Tabelle: Von den 2,36 Millionen ausländischen Leistungsberechtigten kamen im Juni 2026 rund 804.000 aus den acht Asylherkunftsländern und rund 637.000 aus der Ukraine. Zusammen sind das 1,44 Millionen oder rund 61 Prozent. Bei den Ukrainern kommt hinzu, dass sie seit Juni 2022 Bürgergeld statt Asylbewerberleistungen erhalten. Das Kabinett beschloss im November 2025, dass Ukrainer, die nach dem 1. April 2025 eingereist sind, wieder in das Asylbewerberleistungsgesetz wechseln sollen. Laut GLUT ist das Gesetz bis heute nicht verabschiedet. Ihre Beschäftigungsquote liegt im Monitor bei 39,9 Prozent (Juli 2026), 3,7 Punkte höher als ein Jahr zuvor, bei den Asylherkunftsländern liegt sie bei 52,4 Prozent. Die Altersstruktur, etwa der hohe Kinderanteil unter ausländischen Beziehern, und die Rolle der Aufstocker haben wir im Faktencheck zur Hälfte der Bürgergeld-Empfänger ausführlich eingeordnet.
Die Junge Freiheit stellt die 46 Prozent in ihrem Bericht dem Bevölkerungsanteil der Ausländer von 14,9 Prozent gegenüber. Dieser Vergleich sagt wenig, weil er Alter, Aufenthaltsdauer, Fluchtgründe und Arbeitsverbote ausblendet. Die Hilfequoten zeigen, wo die Unterschiede liegen. Eine Zunahme belegen die Zahlen auch nicht: Der Anteil der Ausländer sinkt.
Fazit
Die Zahl stimmt, soweit sie sich öffentlich prüfen lässt. Laut der Sonderauswertung gingen rund 46 Prozent der Bürgergeld-Zahlungen im ersten Halbjahr 2026 an Menschen ohne deutschen Pass, und die öffentlichen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit stützen die Größenordnung: Ausländer stellen 45,7 Prozent der Leistungsberechtigten, nach 47,1 Prozent im Vorjahr. Nicht überprüfbar ist die nicht veröffentlichte Sonderauswertung selbst. Der Text nennt Rückgänge und Einbürgerungseffekt, die Überschrift sagt davon nichts. Wer aus den 46 Prozent mehr herausliest als die Zusammensetzung der Bezieher, geht über den Beleg hinaus, denn rund sechs von zehn ausländischen Beziehern kommen aus der Ukraine und den acht wichtigsten Asylherkunftsländern, und Ukrainer erhalten seit 2022 Bürgergeld statt Asylbewerberleistungen.
