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Stand: 13.10.2026

JF: 40 Prozent der Langzeitbezieher sind Ausländer

Irreführend

Link Beschreibung

Die Junge Freiheit berichtet am 12. Oktober 2026 über eine Auswertung der Bundesagentur für Arbeit zu Menschen, die seit mindestens fünf Jahren Grundsicherung beziehen. Die Überschrift nennt 40 Prozent Ausländer, im Text stehen 37,8 Prozent.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Was im Artikel steht

Laut JF beziehen rund 1,4 Millionen Menschen seit mindestens fünf Jahren Grundsicherung, "etwa zwei von fünf erwerbsfähigen Leistungsempfängern". 37,8 Prozent von ihnen haben keinen deutschen Pass, 62,2 Prozent sind Deutsche. Die Auswertung der Bundesagentur für Arbeit geht auf eine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion zurück, Stand ist Ende 2025. Die Auswertung lag der Deutschen Presse-Agentur vor, deren Meldung vom 12. Oktober 2026 dieselben Zahlen nennt. Die Anfrage selbst und die Auswertung im Wortlaut sind öffentlich nicht auffindbar. Dass die Zahlen zu den regulären Daten der BA passen, zeigt der Vergleich unten.

Die Überschrift passt nicht zum Text

Die "40 Prozent" im Text bezeichnen den Anteil der Langzeitbezieher an allen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, nicht den Ausländeranteil. Der Vorspann schreibt das auch so ("Mehr als jeder Dritte von ihnen ist Ausländer"). Die Überschrift und die Bildunterschrift ("Knapp 40 Prozent der Langzeitbezieher ... sind Ausländer") runden 37,8 Prozent auf und verwenden dieselbe 40 für zwei verschiedene Größen. Auch am Morgen des 13. Oktober stand sie unverändert da, obwohl der Artikel am 12. Oktober nachmittags noch einmal bearbeitet wurde.

Was die BA-Statistik zum Vergleich hergibt

Nach der BA-Auswertung "Grundsicherung für Arbeitsuchende in Zahlen" (Juni 2026) gab es im Dezember 2025 rund 3,81 Millionen erwerbsfähige Leistungsberechtigte, davon 2,04 Millionen Deutsche und 1,77 Millionen Ausländer. Der Ausländeranteil unter allen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten liegt damit bei rund 46,5 Prozent (eigene Berechnung aus diesen Zahlen). Von den Deutschen bezogen 49,3 Prozent seit vier Jahren oder länger Leistungen, von den Ausländern 31,9 Prozent. Die BA weist Verweildauern nur bis "4 Jahre und länger" aus, die Fünf-Jahres-Grenze der AfD-Anfrage ist dort nicht abgebildet. Rechnet man mit der Vier-Jahres-Grenze, kommt man auf einen Ausländeranteil von rund 36 Prozent unter den Langzeitbeziehern (eigene Berechnung), also auf einen Wert nahe den 37,8 Prozent aus der JF-Meldung.

Ausländer sind unter den Langzeitbeziehern also seltener vertreten (knapp 38 Prozent) als unter allen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (rund 46,5 Prozent). Ein Grund dürfte sein, dass viele Ausländer im Bezug erst in den vergangenen Jahren hinzugekommen sind. Dieselbe BA-Tabelle zeigt das: Im Dezember 2025 waren 18,1 Prozent der ausländischen, aber nur 6,7 Prozent der deutschen Leistungsberechtigten seit drei bis unter vier Jahren im Bezug, sie kamen also 2022 hinzu, im Jahr des russischen Überfalls auf die Ukraine. Wer damals nach Deutschland geflohen ist, kann die Fünf-Jahres-Grenze noch gar nicht erreicht haben. Das ist eine Erklärung, kein Ergebnis der Statistik. Die JF-Zahl sagt deshalb nichts darüber, ob Ausländer überproportional lange Leistungen beziehen. Die BA-Statistik spricht eher für das Gegenteil.

"Obwohl sie arbeiten gehen könnten"

Dieser Satz von René Springer (AfD) unterstellt, dass viele der Bezieher arbeiten könnten, es aber nicht tun. Die BA-Zahlen stützen das nicht. Im November 2025 waren 811.494 erwerbsfähige Leistungsberechtigte erwerbstätig und stockten ihr Einkommen auf, etwa ein Fünftel. Im Februar 2026 waren nur 46 Prozent der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten arbeitslos gemeldet. Die übrigen 54 Prozent gehen entweder einer Erwerbstätigkeit nach, sind in Ausbildung, kümmern sich um kleine Kinder oder Angehörige, nehmen an Maßnahmen teil oder sind erkrankt. Der Anteil mit vier und mehr Jahren Bezug ist bei Erwerbstätigen (41,8 Prozent) fast so hoch wie bei Arbeitslosen (43,1 Prozent). Der JF-Text räumt selbst ein, dass langjähriger Grundsicherungsbezug und Langzeitarbeitslosigkeit nicht dasselbe sind, und verweist auf Vermittlungshemmnisse wie geringe Qualifikation und gesundheitliche Einschränkungen, die das IAB bei langjährigen Leistungsbeziehern nennt. Diese Einordnung steht im Text, widerspricht aber der Überschrift und dem zitierten Springer-Satz.

Verwandte Zahlen

Eine ähnlich große Zahl nannte kurz zuvor NIUS mit 46 Prozent der Bürgergeld-Zahlungen an Ausländer. Das ist eine andere Größe (Geld statt Köpfe), liegt aber im Bereich des Ausländeranteils an allen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten und deutlich über den knapp 38 Prozent bei den Langzeitbeziehern.

Fazit

Die Überschrift ist irreführend. Die Zahl dahinter stimmt grob: Rund 38 Prozent der Langzeitbezieher haben keinen deutschen Pass. Die Überschrift rundet aber auf, benutzt dieselbe 40 für zwei verschiedene Größen und lässt weg, dass Ausländer unter den Langzeitbeziehern mit knapp 38 Prozent seltener vertreten sind als unter allen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (rund 46,5 Prozent). Dass viele Langzeitbezieher "arbeiten gehen könnten", geben die BA-Daten nicht her: Ein Fünftel der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist bereits erwerbstätig, mehr als die Hälfte nicht arbeitslos.

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