Link Beschreibung
NIUS berichtet am 15. Oktober 2026, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner habe "die Deportations-Lüge im Deutschen Bundestag gerügt", die Correctiv mit seinem Bericht über das Potsdamer Treffen im Januar 2024 ausgelöst habe. Anlass war die Debatte zum AfD-Antrag "Migrationsbilanz für Deutschland", in der der Grünen-Abgeordnete Timon Dzienus der AfD vorwarf, "millionenfache Deportation" zu wollen. Der Artikel gibt Klöckners Worte in einem Videoausschnitt wieder; Correctiv kommt in ihrer Rüge nicht vor.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Die Rüge hat es gegeben. Laut Plenarprotokoll 21/102 vom 15. Oktober 2026 (S. 12787 f.) hatte Dzienus in seiner Rede erklärt: "Herr Baumann, Sie wollen millionenfache Deportation". Gemeint war der AfD-Abgeordnete Bernd Baumann. Klöckner bat danach darum, "nicht Geschichtsvergessenheit zu betreiben, wenn man Kollegen hier im Hause vorwirft, sie würden millionenfache Deportationen vorbereiten", verwies auf die systematische Tötung von Jüdinnen und Juden und sagte: "Deshalb rüge ich das auch". Außerdem solle man nicht von "millionenfacher Deportation" sprechen "und das Einzelnen unterstellen".
Die Wiedergabe bei NIUS ist kürzer als das Protokoll. Es fehlt etwa Klöckners Einwand, man solle das nicht Einzelnen unterstellen, und der Satz "Denn wenn alles rassistisch, wenn alles faschistisch ist, ist gar nichts mehr rassistisch und faschistisch" kommt nicht vor.
Was im Protokoll nicht steht: Das Wort "Lüge" fällt in Klöckners Rüge nicht, und Correctiv wird im gesamten Protokoll der Sitzung kein einziges Mal erwähnt. Klöckner bewertet die Wortwahl und die Zuschreibung an einzelne Abgeordnete, nicht die Recherche über das Potsdamer Treffen. Die Verknüpfung "Deportations-Lüge von Correctiv" stammt allein von NIUS. Ob Dzienus' Vorwurf an die AfD in der Sache trägt, hat die Präsidentin ebenfalls nicht entschieden, sie hat nur seine Formulierung beanstandet.
Auch die Bezeichnung als "Lüge" lässt sich nicht belegen. Gerichte haben die Correctiv-Berichterstattung zum Potsdamer Treffen mehrfach geprüft: Das Landgericht Berlin II untersagte im März 2026 zwei Sätze des Berichts sowie ein Zitat aus einem anderen Text, der Faktenkern blieb unbeanstandet, das Urteil ist nicht rechtskräftig, und das Landgericht Hamburg hielt dieselben Formulierungen im Dezember 2025 für zulässig (Correctiv-Übersicht aller vier Verfahren). Das Wort "Deportation" selbst hat ein Gericht ebenfalls gebilligt, wenn auch nicht in einem Verfahren gegen Correctiv: Das Kammergericht Berlin entschied am 8. Mai 2026 (Az. 10 U 1/26), dass Philipp Ruch vom Zentrum für Politische Schönheit das Treffen in einem X-Post als "Deportationskonferenz" bezeichnen durfte. Es hob damit eine einstweilige Verfügung auf, die Ulrich Vosgerau erwirkt hatte; die Entscheidung ist rechtskräftig (Correctiv zur Entscheidung). Eine ausführliche Einordnung zu den Verfahren steht in unserem Faktencheck Hat Correctiv den Potsdam-Bericht gelöscht?.
Fazit
Die Behauptung ist irreführend. Richtig ist, dass Klöckner am 15. Oktober 2026 Dzienus' Wortwahl "millionenfache Deportation" gerügt hat. Falsch ist die Darstellung, sie habe damit eine von Correctiv ausgelöste "Lüge" gerügt: Correctiv kommt in der Rüge nicht vor, das Wort "Lüge" ebenso wenig, und die Gerichte haben den Kern der Correctiv-Recherche nicht beanstandet.
