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Stand: 18.10.2026

NIUS: "Araber-Gang" verprügelt Schüler in Frankfurt (Oder)

Irreführend

Link Beschreibung

Nius berichtet über eine gefilmte Prügelattacke auf einen Schüler vor einer Oberschule in Frankfurt (Oder) und titelt "Araber-Gang schlägt Schüler zusammen und filmt die Tat". Im eigenen Text nennt NIUS als Staatsangehörigkeiten der zehn Tatverdächtigen deutsch, polnisch, russisch und syrisch.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die Tat ist belegt. Nach Angaben der Polizeidirektion Ost vom 15. Oktober meldete sich am 14. Oktober ein Schüler auf einer Dienststelle und berichtete, mehrere Jugendliche hätten ihn körperlich angegriffen. Er hatte Verletzungen im Gesicht. Laut Berliner Zeitung hält die Polizei das Video für authentisch. Es zeigt, wie der Junge geschlagen und getreten wird, auch als er am Boden liegt.

Offen ist, woher die Zuschreibung "Araber" kommt. In der Polizeimeldung vom 16. Oktober heißt es, im Fokus der Ermittlungen stünden zehn Kinder und Jugendliche im Alter von 13 bis 15 Jahren. Ihnen werden gefährliche Körperverletzung und Raub vorgeworfen, und sie haben die deutsche, polnische, russische und syrische Staatsangehörigkeit. Von arabischer Herkunft ist darin keine Rede. Auch die Berichte von Berliner Zeitung und Berliner Kurier nennen nur diese vier Staatsangehörigkeiten. Wie sich die zehn darauf verteilen, geben die Berichte nicht an.

Eine Staatsangehörigkeit sagt zudem wenig über Herkunft oder ethnische Zugehörigkeit. Ein deutscher, polnischer oder russischer Pass belegt keine arabische Herkunft, und auch syrische Staatsangehörige sind nicht automatisch Araber. Ob einzelne der Jugendlichen arabische Wurzeln haben, sagen die Polizeiangaben nicht. NIUS schreibt im Text selbst von "offenbar migrantischen Jugendlichen". "Offenbar" markiert eine Vermutung, keinen Beleg. Der Begriff "Gang" taucht in den Polizeimeldungen ebenfalls nicht auf, dort ist von Kindern und Jugendlichen die Rede.

Andere rechte Portale haben die Zuspitzung weitergetrieben. Journalistenwatch spricht in der Überschrift ebenfalls von einer "Araber-Gang" und im Text von "überwiegend arabisch-syrischen" Tätern, ohne diese Angabe der Polizei zuzuschreiben. Die Junge Freiheit nennt im Vorspann "Syrer und Tschetschenen" unter den Verdächtigen. Tschetschenen kommen in den Polizeiangaben nicht vor. Ob einzelne russische Staatsangehörige tschetschenischer Herkunft sind, geht aus den Meldungen nicht hervor.

Zutreffend ist nach der Polizeimeldung nur eine Beschreibung: eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen. Die Gruppe ist gemischt, Deutsche gehören ebenso dazu wie Jugendliche mit ausländischem Pass. Schon deshalb lässt sie sich nicht als "Araber-Gang" oder als Gruppe von "Syrern und Tschetschenen" beschreiben. Wer einzelne Mitglieder herausgreift und die ganze Gruppe nach deren vermuteter Herkunft benennt, macht aus einer Gewalttat Jugendlicher eine Frage der Abstammung.

Die Tat ist zu verurteilen, und die Ermittlungen laufen. Für die Ursachen von Jugendgewalt ist die Herkunft aber eine schwache Erklärung. Das haben wir ausführlicher in Die Parole vom täglichen Abstechen und in Kriminalität bei Ausländern und Deutschen eingeordnet: Rohvergleiche verzerren durch Alter, Geschlecht und Wohnort, und den Unterschied, der danach bleibt, führt die Forschung überwiegend auf Bildungsbeteiligung und soziale Lage zurück. Der Kriminologe Christian Walburg kommt in einem Gutachten für den Mediendienst Integration aus dem Jahr 2014 zu dem Schluss, dass die Kriminalitätsbeteiligung Jugendlicher "nicht primär herkunftsspezifisch erklärt werden kann". Eine stärkere Zustimmung zu Gewalt habe "eher mit einer größeren sozialen Randständigkeit (Marginalisierung) zu tun als mit spezifischen ethnisch-kulturellen oder religiösen Orientierungen". Unterschiede in der Gewalttätigkeit fallen nach dem Forschungsstand deutlich geringer aus, wenn man die Bildungsbeteiligung berücksichtigt. Als Ansatz nennt Walburg deshalb bessere Bildungsteilhabe und den Abbau sozialer Ausgrenzung. Ethnisierende Debatten, die soziale Probleme wie Kriminalität auf vermeintliche kulturelle Andersartigkeit zurückführen, "helfen dagegen eher nicht weiter". Eine Schlagzeile wie die von NIUS lenkt den Blick von diesen Lebensumständen weg und auf die Herkunft einzelner Beteiligter. Sie bedient damit Ressentiments gegen Ausländer, statt nach Ursachen und wirksamen Gegenmitteln zu fragen.

Fazit

Die Überschrift ist irreführend. Dass eine Gruppe Jugendlicher einen Schüler misshandelt hat und ein Video der Tat existiert, bestätigt die Polizei. Dass es sich um eine "Araber-Gang" handelt, stützt keine Polizeiangabe: Die zehn Verdächtigen haben die deutsche, polnische, russische oder syrische Staatsangehörigkeit, und selbst NIUS gibt im eigenen Text nur diese Liste wieder. Belegt ist eine gemischte Gruppe von Kindern und Jugendlichen. Die Zuspitzung auf die Herkunft einzelner Mitglieder erklärt die Tat nicht, die kriminologische Forschung verweist auf soziale Randständigkeit und Bildungschancen.