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Stand: 22.10.2026

NIUS: Neubrandenburg-Tat wird zur "Migrantengruppe"

Irreführend

Link Beschreibung

Die Tat selbst ist schwer und real, die Überschrift spitzt die Täterschaft aber auf "Migranten" zu.

NIUS titelt am 21. Oktober 2026 "Zwölfköpfige Migrantengruppe soll Deutschen (14) stundenlang gequält und dabei gefilmt haben", die Dachzeile lautet "Pressemitteilung des Grauens". Im Text gibt NIUS die Angaben der Polizei Neubrandenburg wieder: Zwölf Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 15 Jahren, die Staatsangehörigkeiten deutsch, albanisch, tunesisch und deutsch-türkisch, das Opfer ist Deutscher.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die Tat ist belegt. Nach der Erstmeldung der Polizei, wie sie der Nordkurier am 14. September wiedergibt, geschah sie am 9. September in Neubrandenburg und dauerte mehrere Stunden. Ein 14-Jähriger wurde geschlagen, getreten und teils verbrannt, Teile der Tat wurden gefilmt. Die Polizei erfuhr durch Hinweise auf das im Netz kursierende Video davon und ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung und wegen der Videoaufnahmen.

Aufgegriffen hat NIUS die Folgemeldung des Polizeipräsidiums Neubrandenburg vom 12. Oktober, auf die sich das Portal ausdrücklich beruft und über die unter anderem der Nordkurier berichtete. Danach geht die Polizei inzwischen von zwölf statt zunächst etwa zehn Beteiligten im Alter von 9 bis 15 Jahren aus, mehrere sind polizeibekannt. Die Taten wurden aus mehreren Blickwinkeln gefilmt, ein Beteiligter stellte sich selbst. Die mutmaßlichen Haupttäter sind strafmündig, nähere Angaben macht die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. Für die Beteiligten unter 14 Jahren, die nicht strafrechtlich verfolgt werden können, stimmt sie Maßnahmen mit dem Jugendamt ab.

Zur Herkunft nennt die Polizei als Staatsangehörigkeiten der Verdächtigen "Deutsche, Albaner, Tunesier und Deutsch-Türken". Diese Liste steht schon in der Erstmeldung. Sie ordnet die Nationalitäten weder einzelnen Personen noch den Haupttätern zu, und es ist offen, wie sich die zwölf darauf verteilen. Deutsche Staatsangehörige gehören dazu, und auch Deutsch-Türken besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit. Ob die albanischen und tunesischen Jugendlichen in Deutschland geboren wurden, steht nicht in den Meldungen. Der Begriff "Migrantengruppe" ist damit eine Zuschreibung von NIUS, die sich auf die Polizeiangaben nicht stützen kann: Er schreibt der ganzen Gruppe eine Einwanderungsgeschichte zu, obwohl die Polizei mindestens einen Teil der Verdächtigen als Deutsche führt. Das Opfer ist deutsch, die Überschrift stellt es als "Deutschen" den "Migranten" gegenüber und folgt damit einer Aufteilung, die die Polizeimeldung nicht hergibt.

Dasselbe Muster zeigt der Fall aus Frankfurt (Oder): Auch dort war die Tat real, auch dort gehörten Deutsche zur Tätergruppe, und auch dort machte die Überschrift daraus eine Herkunftsgeschichte.

Fazit

Die Überschrift ist irreführend. Dass zwölf Kinder und Jugendliche einen 14-Jährigen stundenlang misshandelt und dabei gefilmt haben sollen, geht aus den Polizeimeldungen hervor. Als "Migrantengruppe" lässt sich die Gruppe nicht beschreiben: Die Polizei nennt auch deutsche und deutsch-türkische Verdächtige, ohne die Nationalitäten einzelnen Personen zuzuordnen.

Verwendungen

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