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Stand: 20.04.2026

Amadeu Antonio Stiftung: Todesopfer rechter Gewalt seit 1990

Wahr

Link Beschreibung

Übersichtsseite der Amadeu Antonio Stiftung zu Todesopfern rechter und rassistischer Gewalt in Deutschland seit 1990. Die Stiftung dokumentiert mindestens 224 Todesopfer sowie 19 weitere Verdachtsfälle, während die Bundesregierung offiziell nur 117 Tötungsdelikte als rechts motiviert anerkennt.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die Übersichtsseite dokumentiert eine seit Jahrzehnten bekannte und gut belegte Diskrepanz zwischen zivilgesellschaftlicher und staatlicher Zählung von Todesopfern rechter Gewalt. Die Kernaussage, dass die AAS deutlich mehr Fälle zählt als die Bundesregierung, ist faktisch korrekt und wird auch von der Bundeszentrale für politische Bildung und Wikipedia bestätigt.

Der entscheidende methodische Unterschied: Das BKA erfasst im System der politisch motivierten Kriminalität (PMK-Rechts) nur Taten, bei denen die rechte Motivation nachweislich "tatauslösend und tatbestimmend" war. Die AAS zählt darüber hinaus Fälle, in denen rassistische oder sozialdarwinistische Motive auch nur eine "tatbegleitende bis tateskalierende" Rolle spielten, sowie Taten von Tätern, die eindeutig der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind. Zudem wurden viele Fälle der 1990er Jahre damals anhand des engeren Kriteriums "extremistisch" eingestuft, was zu einer nachträglichen Entpolitisierung zahlreicher Taten führte.

Dass die staatliche Statistik systematisch zu niedrig ist, zeigte sich besonders nach der NSU-Selbstenttarnung 2011: Eine bundesweite Überprüfung von über 3.300 unaufgeklärten Tötungsdelikten fand bei 745 Anhaltspunkte für ein rechtes Motiv. Von 117 der zivilgesellschaftlich dokumentierten Fälle wurden allerdings nur 15 nachträglich anerkannt, und das nur in Ländern, die eine eigenständige oder extern begleitete Prüfung vornahmen. Brandenburg, das als einziges Bundesland ein externes Forschungsinstitut (Moses Mendelssohn Zentrum der Universität Potsdam) einschaltete und die Zivilgesellschaft einbezog, erkannte allein neun neue Fälle an.

Die Aussage, dass die Dunkelziffer "weitaus höher" liegt, ist eine plausible, methodisch begründete Einschätzung, keine überprüfbare Zahl.

Fazit

Die Darstellung der Amadeu Antonio Stiftung ist sachlich korrekt und gut begründet. Die Diskrepanz zur offiziellen BKA-Zählung ist kein Fehler der AAS, sondern Folge struktureller Mängel im staatlichen Erfassungssystem, die durch unabhängige Forschung und die NSU-Aufarbeitung belegt sind.

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