REPUBLIK21 (R21)
Gemeinnütziger Thinktank für neue bürgerliche Politik, 2021 in München gegründet, mit Berliner Büro, spendenfinanziert und mit Nähe zur CDU.

Über die Quelle
REPUBLIK21 e.V., kurz R21, nennt sich auf der eigenen Website "Denkfabrik für neue bürgerliche Politik" und beschreibt sich als Ideenschmiede, die Konzepte einer neuen bürgerlichen Politik entwickelt und in die öffentliche Debatte bringt. Der Verein wurde laut CORRECTIV 2021 in München gegründet. Im Lobbyregister des Bundestages ist er seit dem 7. April 2022 eingetragen, dort unter der Schreibweise "Republik 21 e.V.", mit Sitz in München und einem Büro in Berlin-Mitte. Die Schreibweise schwankt je nach Quelle zwischen REPUBLIK21, Republik21 und Republik 21.
Dem Vorstand gehören laut Lobbyregister der Historiker Andreas Rödder, Kristina Schröder und Harald Mosler an. Rödder ist nach Angaben des Vereins Leiter der Denkfabrik, Schröder seine Stellvertreterin. Schröder ist CDU-Politikerin und war Bundesfamilienministerin; Rödder leitete laut CORRECTIV auf Berufung von Friedrich Merz die CDU-Grundwertekommission, bis er 2023 nach innerparteilicher Kritik zurücktrat. Im Lobbyregister sind zum 2. Juli 2026 15 Mitglieder (natürliche Personen) vermerkt.
R21 veröffentlicht Studien und Positionspapiere, richtet Konferenzen aus und überträgt sie auf YouTube. Das Lobbyregister nennt als Zweck die Förderung der demokratischen Gesellschaft, des bürgerschaftlichen Engagements und der Wissenschaft und führt 17 Interessenbereiche auf, darunter Klima, Migration, Bildung und Verteidigung. Zuletzt richtete R21 am 4. November 2026 im dbb forum in Berlin die Konferenz "Erneuerbare und Kernenergie" aus. Auf dem Podium diskutierten unter anderem Patrick Graichen und Anna Veronika Wendland; eine Aussage von Graichen dort griff Apollo News auf (wir haben den Beitrag geprüft).
Finanziert wird R21 nach eigener Darstellung über Fördermitglieder und Spenden; der Verein ist gemeinnützig. Laut Lobbyregister beliefen sich die Spenden 2025 auf 590.001 bis 600.000 Euro. Als Großspender über der Meldeschwelle ist der Unternehmer Frank Gotthardt mit 40.001 bis 50.000 Euro für ein bestimmtes Projekt genannt. Öffentliche Zuwendungen über 10.000 Euro gab es 2025 laut Eintrag nicht. CORRECTIV berichtet dagegen, R21 könne seit 2026 bis zu 500.000 Euro aus dem Bundeshaushalt abrufen.
Zur politischen Verortung: R21 selbst spricht von bürgerlicher Politik und erklärte gegenüber CORRECTIV, man agiere "parteipolitisch unabhängig". CORRECTIV nennt den Verein eine konservative Denkfabrik und zählt Jens Spahn, bis Juli 2026 Vorsitzender der Unionsfraktion, zu seinen Unterstützern. Ein von Campact bei der Kanzlei Winheller in Auftrag gegebenes Gutachten sieht R21 "in wesentlichen Teilen faktisch wie eine Partei" und zweifelt deshalb an Gemeinnützigkeit und staatlicher Förderung. Schröder sagte dazu laut CORRECTIV, das Gutachten habe "keinerlei Konsequenzen" gehabt. CORRECTIV berichtete im Juni 2026 außerdem, dass ein freier Mitarbeiter von R21, der dort kritisch über die Energiewende geschrieben hatte, im Bundeswirtschaftsministerium das Redenreferat leitet. Er sagt, er habe die Zuarbeit beendet, und R21 erklärt, er übe keine weiteren Tätigkeiten für den Verein aus.
Links
- denkfabrik-r21.de
- Lobbyregister des Bundestages: R004107
- CORRECTIV: Von der rechten Denkfabrik zu Katherina Reiche (10. Juni 2026)
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
R21 ist ein offen bürgerlich-konservativer Thinktank, kein neutrales Forschungsinstitut. Seine Ausrichtung ist transparent: Der Verein steht im Lobbyregister, legt Vorstand und Spenden dort offen und bekennt sich zu seinem politischen Anspruch. Die Nähe zur Union ist belegt: Schröder ist CDU-Politikerin, Rödder leitete bis 2023 die CDU-Grundwertekommission, und Spahn zählt zu den Unterstützern. Ob daraus eine parteiähnliche Rolle folgt, ist umstritten; die Einschätzung stammt aus einem Gutachten im Auftrag von Campact, einer Kampagnenorganisation mit eigenem Interesse am Ergebnis, und R21 widerspricht ihr.
Für die Einordnung einzelner Veröffentlichungen heißt das: Studien und Konferenzbeiträge von R21 sind Positionsbestimmungen eines politisch verorteten Vereins. Die Konferenz vom 4. November 2026 lud allerdings auch Redner mit abweichender Haltung ein, etwa Patrick Graichen, der den Atomausstieg bis heute für richtig hält. Podiumsaussagen gehören dem Redner und nicht dem Veranstalter.
Fazit
R21 ist ein spendenfinanzierter, der CDU nahestehender Thinktank, der seine Ausrichtung offenlegt. Seine Papiere und Veranstaltungen sind als Beiträge einer politischen Denkfabrik zu lesen, nicht als neutrale Wissenschaft. Zur Frage, ob der Verein faktisch wie eine Partei arbeitet und ob seine Förderung gerechtfertigt ist, gibt es bislang nur einen Streit zwischen einem Campact-Gutachten und R21.