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Anna Veronika Wendland

Technik- und Osteuropahistorikerin am Herder-Institut Marburg, erforscht Kerntechnik und wirbt öffentlich für Kernenergie und Reaktorneubau.

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Über die Quelle

Anna Veronika Wendland ist Privatdozentin und Historikerin am Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg, wo sie in der Direktion als Forschungskoordinatorin arbeitet. Zu ihren Arbeitsgebieten gehören laut Institutsprofil unter anderem Technik- und Umweltgeschichte sowie die Geschichte der Ukraine, Polens, des Baltikums und des Russländischen Reichs und der Sowjetunion. Nach den Angaben der Wikipedia arbeitet sie seit 2009 am Institut und habilitierte sich am 15. Dezember 2021 in Marburg mit der Arbeit "Kerntechnische Moderne" über Atomstädte, nukleare Arbeit und Reaktorsicherheit in Ost- und Westeuropa zwischen 1966 und 2021. Die Wikipedia nennt außerdem, dass diese Arbeit 2025 für den Carl-Erdmann-Preis des Historikerverbands nominiert wurde.

Für diese Forschung beobachtete sie nach Darstellung der Wikipedia seit 2013 den Arbeitsalltag in Kernkraftwerken in Osteuropa und Deutschland. In einem Spiegel-Interview vom März 2019 sagt sie, sie habe lange in Kernkraftwerken geforscht; der Vorspann nennt ihr ehrenamtliches Engagement beim Verein Nuklearia. Die Wikipedia vermerkt ihren Austritt dort 2021.

Öffentlich bekannt ist sie als Befürworterin der Kernenergie. Früher war sie gegen Kernkraft eingestellt, die Zeit nannte sie deshalb laut Freitag eine "Seitenwechslerin". In ihrem Buch "Atomkraft? Ja bitte!" (2022) plädiert sie nach der FAZ-Besprechung für eine Kombination aus Erneuerbaren und Kernenergie. Im Freitag-Interview vom 24. Mai 2022 hält sie den Atomausstieg für falsch und sagt, die Grünen müssten sich zwischen Klimaschutz und Anti-AKW-Haltung entscheiden. Laut Wikipedia forderte sie im Juli 2020 gemeinsam mit Rainer Moormann in einem Memorandum, die damals noch laufenden sechs Kernkraftwerke befristet weiterzubetreiben, und im November 2024 hörte der Untersuchungsausschuss zum Atomausstieg des Bundestags sie als Sachverständige. Dort sagte sie laut Bundestag, eine Laufzeitverlängerung wäre eine sehr bedeutende Klimaschutzmaßnahme zu relativ günstigen Kosten gewesen, der preissenkende Effekt auf den Strommarkt dagegen moderat. Sie warf Akteuren in Umwelt- und Wirtschaftsministerium außerdem unwahre Aussagen zum Sicherheitszustand der Anlagen vor.

Die Rechnung hinter solchen Forderungen ist umstritten. Der Grünen-Politiker Hans-Josef Fell hielt im August 2020 die von Befürwortern genannte Einsparung von bis zu 10 Prozent der deutschen CO2-Emissionen für überhöht und kam selbst unter günstigen Annahmen auf rund 4 Prozent. Wendland äußert sich in politisch sehr unterschiedlichen Medien. Neben den Interviews in Spiegel und Freitag erschien 2019 ein Gastbeitrag von ihr in der Jungen Freiheit. Darin argumentierte sie, das "rechte" Image der Kernkraft sei kulturell und politisch hergestellt worden und lasse sich deshalb umkehren.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Wendland ist keine Energiewirtschaftlerin oder Ingenieurin, sondern Historikerin mit Schwerpunkt Kerntechnik. Das gibt ihren Aussagen zu Arbeitsorganisation, Sicherheitskultur und Geschichte der Reaktoren fachliches Gewicht, das auf eigener Forschung und Feldbeobachtung beruht. Bei Fragen nach Strompreisen, Systemkosten oder Klimabilanz äußert sie sich dagegen als engagierte Teilnehmerin der Debatte. Ihre Rolle ist offen bekannt: Sie wirbt für Kernenergie, und ihr Buch ist ein Plädoyer, keine neutrale Bestandsaufnahme. Wie strittig einzelne Zahlen sind, zeigt die Debatte über die CO2-Einsparung durch einen Weiterbetrieb.

Auf dem Podium der R21-Konferenz am 4. November 2026, über das Apollo News berichtet hat, sprach sie sich für die Reaktivierung der abgeschalteten Reaktoren und für Neubau aus. Laut Apollo sagte sie zu Patrick Graichen, mit einem deutschen Atomprogramm bringe sie die 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung zum Klimaschutz zurück, die an die AfD verloren gegangen seien (unsere Einordnung des Artikels). Das ist eine politische Einschätzung und keine belegte Tatsache. Der Bericht belegt die Zahl nicht, und eine Erhebung, die sie stützt, ist uns nicht bekannt. Die Veranstaltung selbst richtete R21 aus.

Fazit

Wendland ist eine fachlich ausgewiesene Kerntechnikhistorikerin und zugleich eine offene Kernkraft-Advokatin. Ihre Forschung zu Reaktorsicherheit und nuklearer Arbeit lässt sich als Expertise einer Historikerin lesen, ihre Prognosen zu Klimaschutz, Kosten und Wählerwirkung als begründete, aber umstrittene Positionen. Wer sie zitiert, sollte beides trennen.