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Stand: 11.09.2026

EIKE: Fossile Brennstoffe nicht Ursache des CO2-Anstiegs

Falsch

Link Beschreibung

Beitrag vom 10. September 2026, eine automatisch übersetzte Präsentation von Jonathan Cohler. Er behauptet, fossile Brennstoffe erklärten höchstens 26 Prozent der Nettoveränderung des atmosphärischen CO2, unter vorindustriellen Randbedingungen sogar nur 0 bis 1,3 Prozent. Grundlage ist ein gemeinsam mit Willie Soon eingereichtes Paper, das ausschließlich mit der Isotopensignatur (δ13C) argumentiert. Die Verweilzeit von rund 3,8 Jahren, für die er sich auf Segalstad (1992) beruft, und die temperaturabhängige Ausgasung aus Ozean und Boden bringt Cohler im Video zusätzlich vor. Beide Argumente vertreten er und Soon auch im umfangreicheren Paper vom März 2026, dort mit einer Verweilzeit von 3,5 bis 4 Jahren.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Das zugrunde liegende Paper von Cohler und Willie Soon, "Mathematical Falsification of the Fossil-Dominant Hypothesis for Rising Atmospheric CO2 Using the Keeling Relation", trägt auf der eigenen Autorenseite seit dem 25. August 2026 den Status "Under review", ist also weder fertig begutachtet noch veröffentlicht (Cohler/Soon: Paper-Abstract). Ein zweites, umfangreicheres Paper der beiden vom März 2026 zum selben Thema trägt denselben Status (Cohler/Soon: Paper-Abstract).

Cohler ist studierter Physiker (Harvard, Abschluss 1980) ohne klimawissenschaftliche Ausbildung, Klarinettist, Musikproduzent und Softwareentwickler, früher Verlagsmanager. Klimawissenschaftlich arbeitet er nach eigenen Angaben seit 2022 mit Soon zusammen, 2026 trat er unter anderem auf der Heartland-Institute-Klimakonferenz auf (Cohler: Kurzbiografie bei der CO2 Coalition). Im Video schildert er Belästigungen durch die CO2 Coalition und sagt, er sei dort ausgetreten. Seine Profilseite bei der CO2 Coalition ist noch abrufbar, in der Teamübersicht wird er jedoch nicht mehr geführt. Die CO2 Coalition erhielt laut DeSmog in den Jahren 2016 bis 2018 unter anderem Geld von der Mercer Family Foundation, dem Charles Koch Institute und der Bradley Foundation. Bei ihrer Gründung 2015 beschrieb sie ihr Ziel als Aufklärung von Meinungsführern, politischen Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit über den Nutzen von Kohlendioxid und fossilen Brennstoffen für Wirtschaft und Alltag. Später vertrat sie unter anderem die Position, die damaligen CO2-Werte von 400 ppm lägen deutlich unter dem für die meisten Pflanzen optimalen Niveau (DeSmog: CO2 Coalition).

2015 stand Willie Soon im Zentrum einer Recherche der New York Times, über die das Smithsonian Magazine berichtete: Demnach erhielt er im vorangegangenen Jahrzehnt 1,2 Millionen Dollar von der fossilen Industrie, ohne dies in mindestens elf seit 2008 veröffentlichten wissenschaftlichen Publikationen offenzulegen. In mindestens acht dieser Fälle habe er damit offenbar gegen die Ethikrichtlinien der jeweiligen Fachzeitschriften verstoßen (Smithsonian Magazine: Climate Change Researcher Received Funds From Fossil Fuel Industry).

Die Kernbehauptung, fossile Brennstoffe hätten "im Grunde nichts" zum CO2-Anstieg beigetragen, widerspricht mehreren voneinander unabhängigen Befunden, mit denen der wissenschaftliche Konsens den Anstieg erklärt:

Massenbilanz: Zwischen 1750 und 2019 hat die Menschheit laut Weltklimarat rund 700 ± 75 Milliarden Tonnen Kohlenstoff durch Verbrennung fossiler Brennstoffe und Landnutzungsänderung freigesetzt, von denen weniger als die Hälfte in der Atmosphäre verblieben ist. Der Anteil der menschlichen Emissionen, der in der Atmosphäre verbleibt, liegt seit sechs Jahrzehnten konstant bei rund 44 Prozent (IPCC AR6 WG1, Kapitel 5). Ozean und Landvegetation nehmen den Rest auf, doch jedes Jahr kommen mehr menschliche Emissionen hinzu, als diese natürlichen Senken aufnehmen können (NOAA Climate.gov: Climate change: atmospheric carbon dioxide). Damit sind die menschlichen Emissionen gut doppelt so groß wie der beobachtete Anstieg in der Atmosphäre und keineswegs zu klein, um ihn zu erklären.

Sauerstoff-Rückgang: Bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe wird Sauerstoff aus der Luft chemisch gebunden. Das Scripps-O2-Programm derselben Institution, die auch die von Cohler herangezogenen CO2-Messreihen liefert, misst seit Jahrzehnten einen globalen Rückgang des atmosphärischen Sauerstoffs (Scripps O2 Program). Laut Weltklimarat sinkt der Sauerstoffanteil, weil pro verbranntem Kohlenstoffmolekül 1,17 bis 1,98 Sauerstoffmoleküle gebunden werden. Zusammen mit dem wachsenden Nord-Süd-Unterschied der CO2-Werte und den δ13C-Messungen wertet der Weltklimarat das als eindeutigen Beleg dafür, dass der Anstieg aus einer Verbrennung stammt (IPCC AR6 WG1, Kapitel 5).

Isotopensignatur: Cohler wertet den nach seiner Auswertung über Jahrhunderte stabilen Keeling-Achsenabschnitt von etwa -13,2 Promille als Beleg gegen eine überwiegend fossile Quelle. Der Weltklimarat führt Isotopenmessungen dagegen als zwei von vier Belegen für den fossilen Ursprung des CO2-Anstiegs an: Die Messungen des stabilen Kohlenstoffisotops δ13C werden über die Zeit negativer, weil aus geologischen Lagerstätten stammendes CO2 an 13C abgereichert ist. Unabhängig davon zeigen Radiokohlenstoff-Messungen (14C) seit Jahrzehnten einen anhaltenden Rückgang des Verhältnisses von 14C zu 12C in der Atmosphäre: Fossile Brennstoffe enthalten kein 14C mehr, sodass fossiler CO2-Eintrag dieses Verhältnis senkt, ein als Suess-Effekt bekanntes Phänomen (IPCC AR6 WG1, Kapitel 5; Englischsprachige Wikipedia: Suess effect, mit Quellenangaben zur Originalliteratur). Beide Messreihen widersprechen Cohlers Deutung des stabilen Achsenabschnitts, ohne seine Regressionsmethode selbst zu widerlegen.

Ozeanversauerung: Die Ozeane nehmen derzeit netto CO2 auf, statt es abzugeben. Seit Beginn der Industrialisierung ist der pH-Wert der Meeresoberfläche von 8,21 auf 8,10 gesunken (NOAA Climate.gov: Climate change: atmospheric carbon dioxide), ein Trend, den auch der Weltklimarat als praktisch sicher einstuft (IPCC AR6 WG1, Kapitel 5). Ein Ozean, der laut Cohlers Modell netto CO2 in die Atmosphäre abgeben würde, müsste weniger sauer werden, nicht saurer.

Verweilzeit versus Anpassungszeit: Cohlers Argument aus dem Video, eine Verweilzeit von rund 3,8 Jahren (nach Segalstad 1992) spreche gegen eine fossile Dominanz, verwechselt zwei unterschiedliche Größen. Die Verweilzeit beschreibt, wie lange ein einzelnes CO2-Molekül im Mittel in der Atmosphäre bleibt, bevor es mit einem Molekül aus Ozean oder Biosphäre ausgetauscht wird. Das sagt nichts darüber aus, wie lange eine zusätzliche Störung der Gesamtkonzentration bestehen bleibt, die sogenannte Anpassungszeit, die je nach Modell Jahrhunderte umfasst. Genau diese Verwechslung warf eine Gruppe um den Kohlenstoffkreislauf-Forscher Peter Köhler bereits 2018 dem Physiker Hermann Harde vor, der mit einem strukturell sehr ähnlichen Argument einen anthropogenen Anteil von nur 4,3 Prozent am heutigen atmosphärischen CO2 errechnet hatte (Köhler et al. 2018: Comment on "Scrutinizing the carbon cycle and CO2 residence time in the atmosphere" by H. Harde). Mit einer Verweilzeit von rund vier Jahren argumentiert auch eine Arbeit von Masaharu Nishioka, auf der ein anderer EIKE-Beitrag vom August 2026 aufbaut. Sie unterliegt demselben Missverständnis.

Fazit

Die Behauptung ist falsch. Massenbilanz, Sauerstoff-Rückgang, Ozeanversauerung und die Isotopensignatur zeigen übereinstimmend, dass der CO2-Anstieg überwiegend auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe zurückgeht, nicht auf natürliche Ausgasung. Die zugrunde liegenden Cohler/Soon-Paper sind noch nicht abschließend begutachtete Preprints. Cohlers Argumentation zur kurzen Verweilzeit des CO2, die er im Video vorträgt und die im ausführlicheren März-Paper der beiden entwickelt wird, folgt einer Verwechslung, die in der Fachliteratur bereits an einem strukturell sehr ähnlichen Fall widerlegt wurde. Cohler hat die CO2 Coalition nach eigenen Angaben im Video verlassen; seine Profilseite dort ist zwar noch abrufbar, in der Teamübersicht wird er aber nicht mehr geführt. 2026 trat er auf der Klimakonferenz des Heartland Institute auf. Gegen Soon steht zudem der Bericht der New York Times, er habe über Jahre eine Millionenfinanzierung durch die fossile Industrie in seinen Fachaufsätzen nicht offengelegt.