Link Beschreibung
Beitrag von EIKE vom 31. August 2026. Der Text behauptet, Satellitendaten zeigten die weltweit geringste Waldbrandfläche zu dieser Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen, und nennt für die EU eine Brandfläche von 609.000 Hektar, die er als "deutlich unter dem Rekordniveau" einordnet. Als Belege nennt der Text keine Satellitensysteme oder Fachpublikationen, sondern die Klimaskeptiker-Blogs Watts Up With That und "Not a lot of people know that" von Paul Homewood.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Der Text ist eine Übersetzungskette. Der britische Blogger Paul Homewood veröffentlichte die Behauptung samt vier Diagrammen zuerst am 26. August 2026 auf seinem Blog "Not A Lot Of People Know That", Watts Up With That (WUWT) übernahm sie zwei Tage später wortgleich, EIKE übersetzte den WUWT-Text am 31. August 2026 ins Deutsche. Die vier Grafiken selbst sind sauber gemacht: Es sind Diagramme von Our World in Data, mit Titel, Untertitel, Achsenbeschriftung und der Fußzeile "Data source: Global Wildfire Information System (2026)". Nur nennt keiner der drei Fließtexte diese Herkunft. Wer beim Lesen wissen will, woher die Zahlen stammen, muss den Kleindruck in den Bildern entziffern.
EIKE übersetzt dabei nicht nur. An den WUWT-Teil hängt der Beitrag zwei eigene Abschnitte an: eine interaktive Waldbrandkarte von firesignal.eu und, unter der Überschrift "Hätten Sie es gewußt?, Das schlechte Wetter ist schuld an den Bränden", eine wörtlich übernommene Passage aus einem Beitrag der Tagesschau über die Brände in Frankreich und Spanien. Darin erklärt die Klimawissenschaftlerin Julia Miller vom Schweizerischen WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, warum die Feuer dort so heftig ausfielen: Die starken Niederschläge im Januar und Februar hätten "für beste Wachstumsbedingungen für Pflanzen gesorgt", Gräser, Sträucher und Unterholz seien in die Höhe geschossen, und die Hitzewellen des Sommers hätten diese Vegetation ausgetrocknet, "weshalb sich Brände schnell und stark ausbreiten können, sobald eine Zündquelle auftritt". EIKE liefert die fachliche Erklärung für die europäischen Großbrände also selbst mit, nur unter sarkastischer Überschrift und ohne den unmittelbar folgenden Satz derselben Quelle: dass in Spanien nach EFFIS-Daten bereits mehr als die doppelte, in Frankreich mehr als die fünffache Fläche eines durchschnittlichen ganzen Jahres verbrannt war.
WUWT gilt laut Wikipedia als einer der einflussreichsten Blogs der Klimawandelleugnung im englischsprachigen Raum, vom Klimatologen Michael E. Mann als "der führende Blog der Klimawandelleugnung" bezeichnet. Paul Homewood ist laut DeSmog ein pensionierter Buchhalter ohne fachliche Ausbildung in Meteorologie oder Klimatologie, der seit 2011 bloggt und regelmäßig für die klimaskeptische Lobbyorganisation Global Warming Policy Foundation schreibt. Bereits bei einem früheren Beitrag war er als Quelle beteiligt, siehe unsere Einordnung zu einem Mittelmeer-Waldbrand-Text von tkp.at, der sich auf denselben Autor stützte.
Der Beitrag ist zudem die Wiederholung eines fast identischen Musters, das EIKE bereits einen Monat zuvor verbreitete: Ein Beitrag vom 27. Juli 2026 behauptete ebenfalls Rekordtiefs bei der Brandfläche, damals für Afrika, Amerika und Europa, gegengeprüft im Faktencheck "Waldbrände 2026: Rekordtief, kein Trend, oder ist Brüssel schuld?". Schon damals lag die tatsächlich verbrannte Fläche in der EU über dem langjährigen Mittel, nicht darunter.
Die EU-Zahl: Größenordnung richtig, Vergleichsmaßstab falsch gewählt
609.000 Hektar nennt der Text für die EU, ohne den Stichtag zu benennen. Die Zahl liegt in der Größenordnung der offiziellen Daten: Das European Forest Fire Information System (EFFIS) der EU-Kommission wies zum 26. August 2026 rund 634.022 Hektar verbrannter Fläche EU-weit aus. Der Vergleich mit dem "Rekordniveau" stimmt: 2025, das bisher schlimmste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn, hatte zum 30. August bereits 993.292 Hektar erreicht, deutlich mehr als 2026 zum selben Zeitpunkt (636.100 Hektar). Ausgelassen wird jedoch der aussagekräftigere Vergleichswert: Das 20-Jahres-Mittel 2006 bis 2025 lag zum 26. August bei rund 313.246 Hektar. 2026 liegt damit nicht auf einem Tiefstand, sondern beim gut Doppelten des langjährigen Durchschnitts. Ein Jahr nur am bisherigen Extremjahr zu messen und den Durchschnitt wegzulassen, erzeugt zwangsläufig den Eindruck der Entwarnung, unabhängig davon, wie das laufende Jahr tatsächlich einzuordnen ist.
| 2026 | Mittel 2006-2025 | |
|---|---|---|
| Verbrannte Fläche | 634.022 | 313.246 |
Die globale Zahl: eine reale Kurve, aber ein anderes Wort in der Übersetzung
Das GWIS-Diagramm zur weltweiten Brandfläche ist für sich genommen stimmig: 2026 verläuft dort tatsächlich unterhalb aller anderen seit 2012 dargestellten Jahre. Das passt zu einem gut belegten Forschungsbefund. Die 2017 in "Science" veröffentlichte, viel zitierte Studie von Niels Andela und Kollegen weist einen globalen Rückgang der insgesamt verbrannten Fläche um 24,3 Prozent zwischen 1998 und 2015 nach, mit dem stärksten Effekt in Savannen und Grasland Afrikas, Südamerikas und der eurasischen Steppe, wo sich die Ausweitung intensiver Landwirtschaft auf die traditionelle Feuerbewirtschaftung auswirkte. In geschlossenen Wäldern beobachteten dieselben Autoren dagegen einen gegenläufigen, zunehmenden Trend Andela et al.: A human-driven decline in global burned area, Science 356 (2017). Eine Folgeuntersuchung von Bo Zheng und Kollegen aus dem Jahr 2021 bestätigt diesen Unterschied für die CO2-Emissionen: Die weltweiten Feuer-Emissionen blieben trotz sinkender Gesamtfläche stabil, weil steigende Emissionen aus Waldbränden die sinkenden Emissionen aus Gras- und Strauchbränden ausglichen Zheng et al.: Increasing forest fire emissions despite the decline in global burned area, Science Advances 7 (2021).
Genau an diesem Punkt verschiebt die deutsche Fassung die Aussage. Das englische Original spricht im WUWT-Text von "wildfire area", einem Sammelbegriff für brennende Vegetation aller Art, wie ihn auch die zugrundeliegende Grafik selbst definiert (Wälder, Savannen, Grasland und weitere Vegetationstypen). EIKEs Übersetzung macht daraus die "Waldbrandfläche", und zwar gleich im ersten Satz: "weltweit ist die Waldbrandfläche zu dieser Jahreszeit so gering wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen". Die Überschrift des Beitrags spricht allgemeiner von "Waldbränden".
Für Wälder speziell zeigt aber weder Andela noch Zheng einen Rückgang, eher das Gegenteil. Wie sich die verbrannte Fläche des laufenden Jahres auf die Vegetationstypen verteilt, ist noch nicht ausgewertet. Für 2025, das letzte vollständig erfasste Jahr, entfielen weltweit rund 7 Prozent der verbrannten Fläche auf Wälder und rund 86 Prozent auf Savannen, Buschland und Grasland Our World in Data: Wildfire area burned by land cover type. Eine Kurve der weltweiten Gesamtfläche bewegt sich also ganz überwiegend danach, wie viel Savanne und Grasland brennt, und kaum danach, wie es um die Wälder steht, die in diesem Sommer in Frankreich und Spanien in Flammen standen oder im Hürtgenwald.
Großbritannien: Flächenbilanz trifft zu, Gesamtbild fehlt
Für die reine Flächenbilanz großer Brände (ab 30 Hektar, EFFIS-Methodik) trifft die Einordnung zu. Laut Wikipedia unter Berufung auf EFFIS waren in Großbritannien bis zum 10. August 2026 rund 23.359 Hektar verbrannt, verteilt auf 72 Brände oberhalb der EFFIS-Zählgrenze. Der Beitrag selbst nennt für Großbritannien keine Zahl, sondern nur die Richtung: deutlich unter dem Vorjahr und auf dem Niveau von 2019.
Nachprüfen lässt sich das mit den Wochenwerten des EFFIS-Statistikportals, sofern man beide Jahre zum selben Zeitpunkt der Saison misst. Der Vorjahreswert, der in Berichten meist auftaucht, taugt dafür nicht: Die 47.879 Hektar sind die Bilanz des kompletten Jahres 2025, des schlimmsten seit Beginn der EFFIS-Aufzeichnungen, und nicht ein Stand vom August. Bis zum 12. August waren in Großbritannien 2026 rund 24.775 Hektar verbrannt, im Rekordjahr 2025 zum selben Zeitpunkt 45.821 Hektar. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr ist damit real, fällt aber etwas kleiner aus, als der Vergleich mit dem Jahresergebnis nahelegt. Für 2019 weist dieselbe Reihe zum 12. August 28.715 Hektar aus, also mehr als 2026. Der behauptete Gleichstand mit 2019 stützt sich allerdings auf die weltweit einheitliche GWIS-Reihe, die anders erhebt als die europäische EFFIS-Auswertung; die beiden Zahlenwelten sind nicht direkt vergleichbar.
Was der Text auslässt: Bei der Zahl der tatsächlichen Einsätze meldet der National Fire Chiefs Council (NFCC) für England und Wales 966 Waldbrand-Einsätze zwischen dem 1. Januar und 10. August 2026, mehr als im selben Zeitraum der bisherigen Rekordjahre 2022 (748) und 2025 (848). Der Juli 2026 war mit 458 Einsätzen der einsatzreichste Monat seit Beginn der Zählung. Große Flächenbrände blieben 2026 in Großbritannien also seltener als im Vorjahr, während die Feuerwehren gleichzeitig so häufig wie nie zuvor zu überwiegend kleineren Bränden ausrückten.
USA: Die Zahl widerspricht der zuständigen Bundesbehörde
Für die USA behauptet der Text, die Zahl der Waldbrände liege im Jahresvergleich an dritter Stelle von unten. Das zugrundeliegende Diagramm misst allerdings gar nicht die Anzahl der Brände, sondern die kumulierte verbrannte Fläche pro Woche, laut Bildunterschrift ebenfalls aus dem GWIS. Bei beiden Größen widersprechen die Zahlen der amtlichen US-Bundesbehörde National Interagency Fire Center (NIFC) der Behauptung deutlich. Nach dem Tagesbericht des NIFC verzeichneten die USA vom 1. Januar bis zum 31. August 2026, also bis zu dem Tag, an dem EIKE den Text veröffentlichte, 52.253 Brände auf 8.238.284 Acres, 126 Prozent des Zehnjahresmittels bei der Zahl der Brände und 166 Prozent bei der Fläche. Der Bericht wird täglich überschrieben; ein archivierter Stand vom 30. August 2026 zeigt mit 51.961 Bränden auf 8.221.246 Acres dasselbe Bild. Aussagekräftiger als die Prozentwerte ist die Jahr-für-Jahr-Tabelle desselben Berichts, die für jedes Jahr den Stand zum 31. August festhält: Sie weist 2026 in beiden Größen über jedem der zehn Vorjahre aus. Der höchste Vergleichswert bei der Zahl der Brände stammt aus 2022 mit 48.331, der bei der Fläche aus 2017 mit 7.139.461 Acres.
Warum das GWIS-Diagramm ein anderes Bild zeigt, lässt sich anhand der öffentlichen Angaben nicht abschließend klären. Our World in Data, das seine Weltkarten auf GWIS-Daten stützt, weist selbst darauf hin, dass das System außerhalb Europas auf die gröber auflösenden Satellitensensoren MODIS und VIIRS angewiesen ist, weil die präzisere Sentinel-2-Auswertung nur für europäische Länder vorliegt, und dass der Datenanbieter selbst eine mögliche Unterschätzung der tatsächlichen Brandfläche einräumt. Für die konkrete Behauptung zur US-Waldbrandzahl bleibt festzuhalten: Die zuständige amerikanische Bundesbehörde meldet zum exakt gleichen Zeitpunkt das Gegenteil von dem, was der Text behauptet.
Fazit
Die Behauptung ist irreführend. Die genannte EU-Zahl von 609.000 Hektar ist der Größenordnung nach zutreffend, doch der Vergleich mit dem Rekordjahr statt mit dem langjährigen Mittel verschleiert, dass in der EU 2026 rund doppelt so viel Fläche brannte wie im Durchschnitt der vergangenen zwanzig Jahre. Der in der zugrundeliegenden Grafik sichtbare weltweite Tiefstand ist real, er bezieht sich aber auf die gesamte Brandfläche, und die entfällt weit überwiegend auf Savannen, Buschland und Grasland. EIKEs Übersetzung macht daraus mit dem Wort "Waldbrandfläche" eine Aussage über die Wälder, die die Grafik so nicht hergibt. Die britische Einordnung trifft für große Flächenbrände zu, blendet aber aus, dass Feuerwehren dort so oft wie nie zu Waldbränden ausrückten. Am deutlichsten widerlegt ist die US-Zahl: Sowohl Brandanzahl als auch verbrannte Fläche lagen laut der zuständigen Bundesbehörde NIFC am selben Tag über jedem der vergangenen zehn Jahre, nicht an dritter Stelle von unten. Der Beitrag reiht sich damit in ein wiederkehrendes Muster von EIKE ein, das bereits bei einem fast identischen Beitrag vom Juli 2026 zu beobachten war: reale Einzelzahlen werden korrekt zitiert, aber am falschen Vergleichsmaßstab gemessen. Bemerkenswert bleibt, dass der Beitrag die fachliche Erklärung für die europäischen Großbrände am Ende selbst mitliefert.
