Was wird behauptet?
Die AfD behauptet in ihrem Grundsatzprogramm, ein "signifikanter Einfluss" menschlicher CO2-Emissionen auf das Klima sei "weder evident noch wissenschaftlich bewiesen". Im Bundestag fordert die Partei die Aufkündigung aller Klimavereinbarungen und den Stopp sämtlicher Klimaschutzmaßnahmen. AfD-Abgeordnete bezeichnen Klimaschutz als "grüne Ideologie" und Klimaschutzgesetze als "Gesellschaftsumbau".
Die Fakten
Der wissenschaftliche Konsens
Der Weltklimarat (IPCC) stützt sich auf die Arbeit tausender Wissenschaftler weltweit. Die Kernaussagen sind eindeutig:
- Der Klimawandel ist real und menschengemacht
- Die globale Durchschnittstemperatur ist seit der vorindustriellen Zeit um etwa 1,1 Grad Celsius gestiegen
- Die Hauptursache sind Treibhausgasemissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe
Über 97 Prozent der Klimawissenschaftler stimmen darin überein. Das ist der klare Stand der Forschung.
Was die AfD konkret falsch behauptet
"Nicht evident und nicht bewiesen": Der menschliche Einfluss auf das Klimasystem ist laut IPCC seit dem AR6-Bericht von 2021 "eindeutig". Die AfD-Position widerspricht damit tausenden begutachteten Studien.
"Erneuerbare Energien sind unsinnig": Windräder, Solaranlagen und E-Autos werden von der AfD regelmäßig als umweltschädigend oder unwirtschaftlich dargestellt. AfD-Abgeordnete behaupteten im Bundestag, Kernkraftstrom koste nur 3 Cent pro Kilowattstunde. Tatsächlich liegen die Kosten deutlich höher. Auch der generelle Befund fällt anders aus, als die AfD suggeriert: Laut Fraunhofer ISE sind Erneuerbare inzwischen in vielen Fällen die günstigste Form der Stromerzeugung.
"Fossile Energien sichern Wohlstand": Kohle und Diesel als Garanten wirtschaftlicher Stabilität darzustellen, blendet aus, dass fossile Brennstoffe die Hauptursache der Klimakrise sind und ihre Folgekosten wie Extremwetter, Ernteausfälle und Gesundheitsschäden den kurzfristigen Nutzen massiv relativieren.
Das Bundesverfassungsgericht
Das Bundesverfassungsgericht hat im Klimaurteil vom 24. März 2021 klargestellt, dass der Schutz künftiger Generationen vor den Folgen des Klimawandels eine verfassungsrechtliche Pflicht ist. Unzureichender Klimaschutz heute verletzt die Freiheitsrechte künftiger Generationen. Die Klimapolitik der AfD steht dazu in direktem Widerspruch.
Die Verschwörungserzählung
Die Amadeu Antonio Stiftung dokumentiertStrategie statt Überzeugung
Die Strategie hat sich verschoben: Klassische Leugnung ("Es gibt keinen Klimawandel") tritt zunehmend in den Hintergrund. Stattdessen richtet sich die Desinformation stärker gegen konkrete Klimaschutzmaßnahmen. Die AfD bringt Bundestagsanträge ein, die wissenschaftliche Erkenntnisse grundsätzlich in Frage stellen, etwa zur "Beseitigung der Klimaschutzfolgen und Wiederherstellung der Energieinfrastruktur in Deutschland" oder mit dem Antrag, sämtliche Klimaneutralitätsziele zu streichen.
Auch in der parlamentarischen Debatte um die Anhebung der Treibhausgasminderungs-Quote auf 65 Prozent bis 2040 am 23. April 2026 spielt die AfD die Klimakult-Karte: Die für die Fraktion benannten Sachverständigen vom Verein Gesellschaft für Fortschritt in Freiheit e.V. bezeichneten Klimaschutz-Begriffe als "ideologisch gefärbt" und Klimaforschung als "Pseudowissenschaft". Mit dieser Diskursverschiebung versucht die AfD, ein EU-rechtlich vorgegebenes Klimaschutzgesetz zur Symbolpolitik zu erklären, statt sich zur Sache zu äußern.
Fazit
Die Behauptung der AfD, der menschengemachte Klimawandel sei nicht bewiesen, ist falsch. Sie widerspricht dem wissenschaftlichen Konsens, den Berichten des Weltklimarats und der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts.
Die AfD bestreitet dabei nicht nur wissenschaftliche Ergebnisse, sondern rahmt Klimaschutz gezielt als Ideologie, wirtschaftliche Bedrohung oder verschwörungspolitisches Projekt. Das kann politisch mobilisieren, ändert aber nichts am Stand der Forschung.