Link Beschreibung
Die taz wertet Dokumente und Mails aus dem AfD-Leak aus und berichtet über Einzelfälle mit NS-Symbolik in AfD-Kreisverbänden, eine Liste mit Kontaktdaten angeblicher Antifa-Mitglieder und eine Medienliste, auf der Journalistinnen und Journalisten als Linksaktivisten markiert sind. Die taz weist darauf hin, dass die Vorwürfe nicht abschließend verifiziert sind.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Der Artikel ist ein Auswertungsbericht, keine einzelne Tatsachenbehauptung. Er stützt sich auf einen Datensatz, den eine anonyme Hackergruppe nach einem Angriff auf einen Hosting-Dienstleister der AfD veröffentlicht hat. Laut Handelsblatt (20.10.2026) bestätigt die Partei einen Angriff Ende September 2026, spricht aber nur von Teilen einiger weniger Postfächer. Die Echtheit der Mails nennt das Handelsblatt ausdrücklich unklar, auch für die Inhalte, über die die taz berichtet.
Für die Echtheit des Datensatzes insgesamt gibt es Indizien. Laut taz entsprechen die Presseanfragen darin realen Vorgängen, und die IT-Expertin Lilith Wittmann hält die Daten vorerst für echt. Der Volksverpetzer (23.10.2026) nennt DKIM-Signaturen in vielen Mails und fand eigene Presseanfragen im Material. Zugleich weist er darauf hin, dass nicht jeder als "Leak" geteilte Screenshot im Datensatz steht und einige kursierende Mails offenbar erfunden sind. Unsere Prüfung zu den gefälschten Leak-Screenshots zeigt: Dass einzelne Fälschungen kursieren, widerlegt den Datensatz nicht, und der Datensatz macht die Fälschungen nicht echt.
Die taz selbst ordnet ihre Funde vorsichtig ein. Die Fälle, die sie nennt:
- NS-Symbolik in Kreisverbänden: In einem Fall bestätigt laut taz ein Dokument einen Parteiausschluss nach dem Verkauf einer Flagge mit Hakenkreuzsymbolik an einem Parteistand. In einem anderen Fall wird einem Mitglied vorgeworfen, auf WhatsApp eine Fahne mit dem verbotenen SA-Schriftzug und einem Hakenkreuz geteilt zu haben. Das ist ein Vorwurf, keine bewiesene Tat. Die Einzelpersonen nennen wir hier nicht, weil die Zuordnung allein auf dem unverifizierten Material beruht.
- Kontakte zur Neuen Rechten: Laut taz schrieb Georg Pazderski 2018 als Berliner Landeschef an Alice Weidel und warnte vor vier Mitarbeitern von Abgeordneten mit engen Kontakten zur Identitären Bewegung. Zwei davon seien laut taz noch in der AfD, einer bestreitet die Aktivität.
- Listen über Gegner: Die taz beschreibt eine Excel-Datei mit 24.521 Namen samt Adressen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen, in der angebliche Antifa-Mitglieder gesammelt sind. Ob die Genannten tatsächlich Antifa-Mitglieder sind, ließ sich laut taz nicht prüfen. Dazu kommt eine Medienliste, auf der Journalistinnen und Journalisten unter anderem von SWR und DuMont als linke Aktivisten markiert sind. Dass es solche Listen im Datensatz gibt, ist damit berichtet, nicht unabhängig bestätigt.
- Fall Matthias Helferich: Die Mails enthalten laut taz die Beweisakte aus dem Ausschlussverfahren. Das Landesschiedsgericht der AfD NRW beschloss den Ausschluss, das Bundesschiedsgericht hob ihn im Sommer auf. Helferich ist weiter Parteimitglied.
Eine zweite, unabhängige Quelle für die einzelnen Funde gibt es bislang nicht. Das Volksverpetzer-Stück erwähnt Hitlergrüße, Vernichtungsfantasien und Hakenkreuzfahnen im Datensatz nur allgemein, ohne Einzelfälle. Das Handelsblatt hält die Echtheit der taz-Inhalte für offen. Eine Zusammenstellung von Namen aus den Mails oder die Listen selbst geben wir nicht wieder.
Fazit
Die taz berichtet transparent und kennzeichnet die Grenzen ihrer Funde. Für die Echtheit des Datensatzes im Kern sprechen mehrere Indizien, bewiesen ist sie nicht. Die einzelnen Fälle (NS-Symbolik, Gegnerlisten) sind Berichte aus unverifiziertem Material und sollten bis zu einer unabhängigen Bestätigung als Vorwürfe gelesen werden.
